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Beckert musste sich über 5000 m nur Sablikova geschlagen geben © getty

Nur Sablikova ist über 5000 Meter schneller als die 21-Jährige. Daniela Anschütz-Thoms wird wieder nur Vierte.

Richmond - Sensationsgold knapp verpasst, aber erneut Silber gewonnen:

Stephanie Beckert hat sich mit ihrer zweiten Medaille zur erfolgreichsten deutschen Eisschnellläuferin bei den olympischen Wettkämpfen in Richmond gekrönt.

Die erst 21 Jahre alte Erfurterin musste sich nach einem grandiosen Endspurt über 5000 m wie schon im 3000-m-Rennen nur der tschechischen Topfavoritin Martina Sablikova geschlagen geben.

Die Weltrekordlerin siegte damit als erste Läuferin seit Claudia Pechstein 2002 bei Winterspielen auf beiden Langstrecken.

Anschütz-Thoms wieder Vierte

0,48 Sekunden fehlten, und Beckert wäre die jüngste deutsche Eisschnelllauf-Olympiasiegerin seit 30 Jahren geworden. 206885(DIASHOW: Der zwölfte Tag)

Ihre Erfurter Teamkollegin Daniela Anschütz-Thoms verpasste dagegen nach ihrem bitteren vierten Platz über 3000 m auch die letzte Chance auf eine Einzel-Medaille bei Winterspielen - und wurde erneut Vierte.

Diesmal fehlten der 35 Jahre alte Team-Olympiasiegerin allerdings fast drei Sekunden auf die Bronzemedaille, die Turin-Olympiasiegerin Klara Hughes gewann.

Die Berlinerin Katrin Mattscherodt wurde disqualifiziert, weil sie gleich in der ersten Kurve die Begrenzung überschritten hatte und bilanzierte nüchtern: "Shit happens."

Anruf bei den Eltern

Beckert, die sofort nach der Entscheidung ihre Eltern in Erfurt anrief, war dagegen überglücklich. "Ich kann es noch gar nicht fassen", sagte sie und trauerte der Goldmedaille nicht hinterher.

"Es war zwar am Ende ganz knapp, aber ich bin überglücklich mit meiner Silbermedaille, und Martina ist einfach wieder unglaublich gut gelaufen."

"Unglaublich, wahnsinnig"

Beckert wurde dagegen von der als "ZDF"-Expertin tätigen Jahrhundert-Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirnemann "das Rennen ihres Lebens" attestiert.

Bruder Patrick Beckert rang fast nach Worten. "Unglaublich, wahnsinnig, aber sie trainiert auch unglaublich", sagte der 19-Jährige, der über 5000 m in Vancouver Rang 22 belegte: "Ich habe es ihr von Herzen gegönnt."(DATENCENTER: Eisschnelllauf)

Jubel im Ziel

Hughes hatte die erste Richtzeit gesetzt. Die 37-Jährige gab im letzten Rennen ihrer Karriere alles und lief Bahnrekord in beeindruckenden 6:55,73 Minuten.

Doch Beckert konterte, kontrollierte ihre Laufgegnerin Kristina Groves und drückte die Bestzeit auch dank ihres berühmten Turbo-Schlussspurts (32,32 Sekunden für die letzte Runde) auf 6:51,39 Minuten.

Im Ziel wusste sie sofort, dass sie eine Medaille sicher hatte und riss beide Arme in die Höhe.

Dann folge das bange Warten. Im letzten Paar lief Sablikova gegen Anschütz-Thoms und zeigte keine Schwäche. 6:50,91 Minuten lautete die Siegerzeit.

Anschütz-Thoms (6:58,64) hingegen fehlte die Kraft.

Ernüchternde Bilanz droht

Trotz aller Freude über Beckerts Erfolg droht der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nun mehr denn je eine ernüchternde Bilanz. Nur 1976 in Innsbruck hatten die deutschen Kufenflitzer bei Winterspielen bislang keine Goldmedaille geholt.

Die letzte Chance besitzt in den Verfolgungsrennen am Freitag und Samstag das Frauen-Team, dem allerdings nur Außenseiterchancen eingeräumt werden.

Beckert, die mit Silber über 3000 m die Erwartungen schon mehr als erfüllt hatte, war vor dem Rennen die Ruhe selbst.

"Ich bin total happy mit meiner Medaille, die kann mir keiner mehr nehmen", sagte sie und rückte keinen Zentimeter von ihren ursprünglichen Zielsetzungen ab: "Ich will die 5000 m genießen und werde dann sehen, was dabei herauskommt."

Noch am Mittwochmorgen absolvierte sie eine lockere Trainingseinheit im Richmond Oval.

Sablikova seit 2008 ungeschlagen

Einen Sieg über Weltrekordlerin Sablikova hatten ihr nur große Optimisten zugetraut, zu dominant war die spindeldürre Tschechin zuletzt auf der Langstrecke gelaufen. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Die letzte Niederlage fügte ihr die wegen Dopings gesperrte Claudia Pechstein am 22. November 2008 beim Weltcup in Moskau zu.

Friesinger nicht dabei?

Das deutsche Trio, das über 5000 m lief, wird eventuell auch in den Teamrennen am Freitag und Samstag erste Wahl sein.

Bundestrainer Markus Eicher hatte nach dem 1500-m-Wettkampf überraschend angekündigt, möglicherweise auf die zweimalige Olympiasiegerin Anni Friesinger-Postma in den Mannschaftsrennen zu verzichten.

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