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Anni Friesinger gewann 2006 in Turin Gold mit dem Team © imago

Der Bundestrainer vollzieht in der Aufstellungsfrage fürs Team eine Kehrtwende. Friesingers Manager ist erzürnt.

Richmond - Anni Friesinger-Postma stand strahlend an der Bande und jubelte Silber-Gewinnerin Stephanie Beckert zu.

Die Eisschnelllauf-Queen hatte trotz aller Rückschläge im Richmond Oval wieder gut lachen.

Nach einem Albtraum-Lauf ihrer Konkurrentin Katrin Mattscherodt und einem Rückzieher von Bundestrainer Markus Eicher ist Friesinger-Postma nun doch für den Team-Wettbewerb gesetzt - und damit wieder mittendrin im Medaillen-Geschäft.

Am Morgen nach dem 5000-m-Lauf bestätigte Eicher endgültig die Entscheidung für Friesinger-Postma.

"Ich denke, dass wir mit Anni erfolgreicher sein können. Katrin hat über 5000 m nicht ihr Leistungsvermögen gezeigt. Sie hat mir auch selbst gesagt, dass sie Anni derzeit für die Stärkere hält", sagte Eicher nach einer letzten Besprechung mit seinen Trainerkollegen und dem folgenden Abschlusstraining.

Zweifel an Friesinger

Mattscherodt, die in ihrem Lauf zudem wegen Überschreitung der Begrenzungslinie disqualifiziert worden war, bestätigte Eichers Aussagen: "Ich kann seine Entscheidung schon verstehen."

Vier Tage zuvor hatte der Coach noch die Team-Tauglichkeit der angeschlagenen Olympiasiegerin von 2006 deutlich angezweifelt: "Mit Anni wäre das ein gewagtes Ding. Wenn das schiefgeht, dann sagen doch alle: Ja, seid ihr denn eigentlich bescheuert?"

"Menschlich nicht sauber"

Eichers Kehrtwende konnte das Lager der zweimaligen Olympiasiegerin nicht mehr besänftigen 206885(DIASHOW: Der zwölfte Tag) .

"Ich habe von Anfang an nicht verstanden, wie Eicher ohne Not mit einer seiner wichtigsten Läuferinnen umgesprungen ist", sagte Friesinger-Postmas Manager Klaus Kärcher und sah auch den Ruf seiner Klientin beschädigt: "Wie Eicher, der Anni auch persönlich viel zu verdanken hat, sich verhalten hat, war menschlich nicht sauber und aus meiner Sicht auch wirtschaftlich gesehen nur schwer vertretbar."

Neuer Ärger droht

Friesinger-Postma schluckte nach dem Training am Donnerstag ihren Ärger über Eicher hinunter: "Ich stelle mich in den Dienst des Teams. Fakt ist, dass alle anderen Entscheidungen dem Trainer obliegen." Zu ihrem Verhältnis zum Bundestrainer wollte sie sich nicht äußern, doch der Unmut stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Sollte "Team Deutschland" schon im Viertelfinale am Freitag (22.20 Uhr LIVE) gegen Südkorea oder die Niederlande ausscheiden, droht neuer Ärger.

llerdings könnte Friesinger-Postma nach ihrem schwachen Abschneiden in den Einzelrennen über 1000 m (Platz 14) und 1500 m (Rang 9) nun doch noch zur Gewinnerin werden und ihre letzten Winterspiele mit einer Medaille krönen (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen).

Beckert bleibt bescheiden

Beckert, die auch bei Kärcher unter Vertrag steht, akzeptiert Friesinger-Postma als Anführerin im Team.

"Ich fühle mich nicht als Nummer eins im Team. Es gibt erfahrenere und erfolgreichere Athletinnen als mich. Ich werde mich dem fügen, was im Team gesagt wird", sagte die zweifache Silber-Gewinnerin gewohnt bescheiden.

Im Training am Donnerstag waren ihre Schwächen auf den ersten 200 m unübersehbar. Immer wieder ließ die Langstreckenspezialistin nach dem Start abreißen (DATENCENTER: Eisschnelllauf).

"Sie braucht halt, bis sie in die Gänge kommt. Aber nach 200 m muss die Mannschaft zusammen sein, und dann muss die Post abgehen", sagte Eicher.

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