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Vor dem Rennen gab es Kontroversen um Anni Friesinger-Postma © getty

Die deutschen Eisschnellläuferinnen können weiter auf eine Medaille hoffen. Gegen die Niederlande zeigt man sich stark.

Richmond - Der "Deutschland-Express" steuert auf Medaillenkurs: Stephanie Beckert, Daniela Anschütz-Thoms und Anni Friesinger-Postma haben im olympischen Team-Wettbewerb der Eisschnellläuferinnen das Halbfinale erreicht und kämpfen am Samstag um Edelmetall.

Das Trio, das erstmals in dieser Besetzung startete, setzte sich im Viertelfinale nach einem starken Auftritt mit der besten Zeit aller Teilnehmer gegen den Erzrivalen Niederlande mit 1500-m-Olympiasiegerin Ireen Wüst, Renate Groenewold und Diane Valkenburg in 3:01,95 Minuten mit 1,43 Sekunden Vorsprung durch.

Damit darf das deutsche Team weiter auf eine Wiederholung des Olympiasieges von Turin hoffen.

Doch noch Gold?

Im Halbfinale am Samstag (ab 21.30 Uhr LIVE) warten überraschend die USA, die sich fast sensationell mit fünf Hundertstelsekunden Vorsprung gegen Weltrekordhalter und Topfavorit Kanada durchsetzten.

Vor vier Jahren hatten Anschütz-Thoms und Friesinger-Postma mit Claudia Pechstein Teamgold geholt. Auch mit Blick auf die Gesamtbilanz kann die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wieder hoffen, einem Debakel zu entgehen.

Nur in Innsbruck 1976 waren bislang die Kufenflitzer bei Olympischen Spielen ohne Goldmedaille geblieben.

Trio harmoniert gut

Stephanie Beckert hatte in Richmond zweimal Silber gewonnen (3000 und 5000 m), auch Sprinterin Jenny Wolf wurde über 500 m Zweite.

Nun haben auch Friesinger-Postma und Anschütz-Thoms bei ihrem letzten olympischen Auftritt wieder eine Medaille vor Augen.

Im Viertelfinale hatte Beckert zwar zu Beginn die erwarteten Probleme, danach aber harmonierte das Trio gut und lieferte sich mit den Niederländerinnen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit stetig wechselnder Führung. (DATENCENTER: Die Teamverfolgung)

Entscheidung in der letzten Kurve

Die Entscheidung fiel in der letzten Kurve, als 3000-m-Weltmeisterin Renate Groenewold ein Trittfehler unterlief und Oranje die entscheidenden Zehntel verschenkte.

Damit könnte die Team-Geschichte doch noch ein Happy End bekommen. Bundestrainer Markus Eicher hatte nach den enttäuschenden Einzelrennen Friesinger-Postmas (Plätze 9 und 14) die Team-Tauglichkeit der zweimaligen Olympiasiegerin massiv bezweifelt ("Mit Anni wäre das ein gewagtes Ding") und damit für erhebliche Unruhe gesorgt. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

Bundestrainer sorgt für Unruhe

Allerdings entpuppte sich Eichers Vorstoß als völlig unnötig.

Nachdem seine ursprünglich bevorzugte Läuferin Katrin Mattscherodt ein schwaches 5000-m-Rennen hingelegt hatte und über gesundheitliche Probleme klagte, machte der Bundestrainer einen Rückzieher und schenkte wieder Friesinger-Postma das Vertrauen - die 16-malige Weltmeisterin allerdings war nachhaltig verstimmt.

DESG-Präsident Gerd Heinze zeigte Verständnis für beide Seiten. "Das ist eine ungewohnte Situation für Anni. Bis zu diesem Fall hatte sie sich nie die Frage stellen müssen, ob sie dabei ist oder nicht. Aber sie hat sich der Situation gestellt und gekämpft, das ist gut so", sagte der Berliner und sicherte gleichzeitig Eicher sein "vollstes Vertrauen" zu.

Ärger bei Friesinger

Friesinger-Postma hatte sich vor dem Viertelfinale jeden Kommentar verkniffen. Wie groß ihr Ärger war, deutete eine Stellungnahme ihres Managers Klaus Kärcher an.

"Ich habe von Anfang an nicht verstanden, wie Eicher ohne Not mit einer seiner wichtigsten Läuferinnen umgesprungen ist", sagte Kärcher und sah auch den Ruf seiner Klientin beschädigt:

"Wie Eicher, der Anni auch persönlich viel zu verdanken hat, sich verhalten hat, war menschlich nicht sauber und aus meiner Sicht auch wirtschaftlich gesehen nur schwer vertretbar."

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