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Für Nicole Fessel ist überraschend im Viertelfinale Schluss © getty

Die DSV-Läufer spielen beim Sprint keine Rolle. Die Herren scheitern früh. Majdic stürzt und läuft trotz Rippenbruchs zu Bronze.

Whistler - Das Frauen-Trio im Viertelfinale raus, die Männer schon in der Qualifikation K.o. - statt der angekündigten Medaille haben die deutschen Skilanglauf-Sprinter in Whistler ein Debakel erlebt und sich im Nachhinein als Maulhelden erwiesen.

"Von den Männern hatten wir definitiv mehr erwartet", sagte Bundestrainer Jochen Behle: "Zwar ist Josef Wenzl nur ganz knapp gescheitert, aber raus ist raus. Wenn man von einer Medaille spricht, muss man bei den ersten 30 auf jeden Fall schon mal dabei sein - und zwar locker."

Weil der im Vorjahr beim Olympia-Test an gleicher Stelle noch drittplatzierte Wenzl aber als 31. rausflog, gingen die deutschen Sprinter zum ersten Mal bei Olympia komplett leer aus.

Zuvor hatten Peter Schlickenrieder, Evi Sachenbacher-Stehle (jeweils 2002) sowie Claudia Nystad (2006) jeweils Silber erobert.

99. Gold für Norwegen

Siege und Platzierungen machten in Whistler andere unter sich aus.

Bei den Männern gewann der Russe Nikita Krijukow (Russland) vor seinem Landsmann Alexander Panschinski (Russland) und dem Norweger Petter Northug (Norwegen).

Bei den Frauen holte Marit Björgen das 99 Winter-Gold für Norwegen, Silber und Bronze gingen an Justyna Kowalczyk (Polen) und die im Training schwer gestürzte Slowenin Petra Majdic.

Frühes Aus für DSV-Duo

Wenzl war schwer enttäuscht. "Das ist ganz bitter, keine Frage. Ich bin einfach nicht ins Rennen reingekommen und hatte bei der Hälfte der Strecke schon sechs Sekunden Rückstand", sagte er frustriert.

Am Ende fehlte dem Mann aus Zwiesel eine winzige Zehntelsekunde für den Einzug ins Viertelfinale.

Auch Nachwuchshoffnung Tim Tscharnke (Biberau) scheiterte als 33. in der Qualifikation und stapfte frustriert davon: "Das war ein beschissener Tag, an dem nichts lief."

Alle drei Damen im Viertelfinale

Mit seiner Frauen-Abteilung war Behle dagegen zumindest halbwegs zufrieden: "Die Mädels haben sich tapfer geschlagen, waren aber nicht gerade vom Glück begünstigt."

Immerhin überstanden Katrin Zeller (14.), Nicole Fessel (beide Oberstdorf/17.) und Hanna Kolb (Buchenberg/25.) die Qualifikation, Zeller verpasste das Halbfinale anschließend nur um Millimeter.

"Das war einer der bittersten Momente meiner Karriere, und das ausgerechnet bei Olympia. Zwei Minuten lang dachte ich, dass ich weiter bin, aber dann haben ein oder zwei Millimeter gefehlt", schilderte Zeller zunächst tränenüberströmt ihr knapp verlorenes Viertelfinale.

Größere Schuhe?

Wenig später hatte sie sich wieder einigermaßen gefangen. "Mit einer anderen Schuhgröße hätte es gereicht", sagte sie mit einem schiefen Grinsen.

Die eigentliche Distanzläuferin aus Oberstdorf stand dicht vor dem größten Triumph ihrer bisherigen Karriere, scheiterte aber nach tollem Zielspurt um Platz zwei gegen Natalja Korosteljewa (Russland) in ihrem Viertelfinallauf um eine Schuhspitze im Fotofinish Enttäuschung zum Auftakt.

Die deutschen Betreuer hatten eigene Fotos gemacht, auf denen Zeller scheinbar hauchdünn vorne lag, doch Behle verzichtete auf einen Protest: "Das offizielle Zielfoto ist ausgewertet, da können wir hundert eigene Fotos machen, die Sache ist gegessen."

Nicht im Urlaub

Leichte Kritik übte Behle an Nicole Fessel: "Sie hat ein paar Fehler gemacht, obwohl wir sie auf die Stellen extra vorher hingewiesen hatten. Das sind jetzt die Positionen, die fehlen."

Auch Fessel selbst war ganz und gar nicht zufrieden: "Irgendwie lief es nach dem tollen Prolog nicht mehr so gut. Das Ergebnis ist schon enttäuschend."

Und dabei hatte Sprint-Trainer Tor Arne Hetland vor den Rennen noch Großtaten angekündigt: "Die Sportler sind jung, frisch und gut trainiert. Wir treten an, um eine Medaille zu holen. Wir sind doch nicht im Urlaub hier."

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