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Tobias Angerer (l.) gewann in Turin 2006 Silber über 15 km © getty

Nach der Kritik am DSV-Team gibt Angerer die passende Antwort. Beim Zielspurt der Doppelverfolgung erkämpft er Silber.

Whistler - Tobias Angerer hat den Bann gebrochen und mit Silber im 30-km-Jagdrennen von Whistler die erste Olympia-Medaille für die deutschen Langläufer gewonnen.

Der Bayer kam 2,1 Sekunden hinter Marcus Hellner ins Ziel, der Gold für Schweden gewann.

Vier Medaillen waren das Olympia-Ziel des deutschen Team - bei Halbzeit der Wettbewerbe in Whistler steht nun zumindest eine zu Buche.

"Diese Silbermedaille bedeutet mir sehr viel. Olympia ist immer etwas Besonderes", sagte Angerer, der nun auch voller Zuversicht auf die nächsten Rennen blickt: "Ich fühle, dass ich in sehr guter Form bin."

Vierte Olympia-Medaille für Angerer

DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller war überglücklich: "Das ist die größte Überraschung. Angerer hat Großes geleistet. Das zeigt, dass der deutsche Langlauf noch nicht tot ist.".

Angerer gewann nach Silber und zweimal Bronze bereits seine vierte Olympia-Medaille, verpasste aber den ersten Olympiasieg für die Skilanglauf-Männer. Jens Filbrich belegte Platz sechs.

"Sehr clever"

Bundestrainer Jochen Behle strahlte nach den bisher mageren Ergebnissen seiner Athleten und sagte: "Tobias hat sich das definitiv verdient, hat richtig gut gekämpft, sehr clever. Es war eine ganz gute Mannschaftsleistung von uns. Vom optischen her habe ich es von Anfang an so eingeschätzt, dass Tobi es im Griff hat. Er hat alles weggesteckt und wurde mit Silber belohnt."

Einen kleinen Anteil an der deutschen Medaille hatte auch die Schweiz. Bundestrainer Jochen Behle verriet nach dem Rennen: "Tobias hat zwischendurch mal Probleme mit dem Stock gehabt, die Schweizer haben uns einen Ersatzstock gegeben, vielen Dank dafür."

Reichelt ersetzt Teichmann

Bundestrainer Jochen Behle musste kurzfristig seinen Teamstar Axel Teichmann ersetzen.

Der 30-km-Weltmeister von Sapporo 2007 laboriert an einer leichten Nasennebenhöhlen-Entzündung und wurde mit Blick auf die deutschen Chancen im Teamsprint am Montag geschont.

Dafür kam der Oberwiesenthaler Tom Reichelt zu seinem zweiten Olympia-Einsatz. (DATENCENTER: 30-km-Doppelverfolgung-Herren)

Loipe schmilzt davon

Bei frühlingshaften Temperaturen um 10 Grad entwickelte sich schnell das von Behle prognostizierte "brutal schwere Rennen" auf immer weicher werdender Strecke.

Finnlands Weltklasse-Läufer Sami Jauhojärvi und Matti Heikkinen quittierten ebenso früh den Dienst, wie Sergej Dolidowitsch (Weißrussland) und Ex-Weltmeister Martin Koukal (Tschechien).

Filbrich, Angerer und Sommerfeldt waren dagegen immer wieder in der zumeist vom 15-km-Dritten Lukas Bauer angeführten Spitze präsent.

Sommerfeldt fällt zurück

Das Tempo auf dem klassischen Teilstück des Massenstartrennens war nicht hoch, so dass eine Spitzengruppe von knapp 30 Läufern nach 15 km zum Skiwechsel kam.

Kurz suchte der Schwede Johann Olsson sein Heil in der Flucht nach vorn und arbeitete sich bis Kilometer 24,1 einen Vorsprung von 25 Sekunden auf die Verfolger heraus.

Sommerfeldt konnte dem hohen Tempo nicht mehr folgen, dafür hielten sich Angerer und Filbrich in der immer kleiner werdenden Verfolgergruppe.

Ausreißer Olsson gestellt

Dort bremsten die beiden anderen Schweden Marcus Hellner und Anders Södergren die Konkurrenten geschickt ein.

Erst vier Kilometer vor dem Ziel startete der Russe Alexander Legkow die Jagd auf den Spitzenreiter und Angerer folgte.

Ein Kilometer vor dem Ziel wurde der mutige Olsson von den Verfolgern eingeholt, Angerer zog vorbei und konnte nur Hellner nicht stoppen. Bronze gewann Olsson.

Auf den Spuren des Skandal-Läufers

Besser hatte über 30 km zuletzt Johann Mühlegg abgeschnitten. Der Skandal-Läufer war 1994 in Lillehammer 9. über diese Distanz.

Acht Jahre später siegte der Grainauer in Salt Lake City sogar, damals allerdings für Spanien.

Gold behielt Mühlegg bekanntlich nur wenige Tage, ehe er als Dopingbetrüger überführt wurde.

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