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Strahlende Siegerinnen: Claudia Nystad (l.) und Evi Sachenbacher-Stehle © getty

"Ein zwei Gläschen" dürfen es schon sein nach dem überraschenden Olympiasieg von Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle.

Whistler - Nach dem Wunder von Whistler saßen die Golden Girls Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad kichernd in der Ecke.

"Eigentlich haben wir ja noch zwei Rennen, aber so ein, zwei Gläschen werden wir uns jetzt gönnen", sagte Nystad.

Mit dem Olympiasieg im Teamsprint hatte das Duo ebenso für eine faustdicke Überraschung gesorgt wie 26 Minuten später Axel Teichmann und Tim Tscharnke mit dem Silber-Coup.

"Das war der tollste Tag unser Langlauf-Geschichte. So etwas hat es noch nie gegeben", sagte Thomas Pfüller, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes (DSV), nach dem Doppelschlag seiner zuvor arg gescholtenen Langläufer.

Die quietschvergnügte Sachenbacher, die wenige Minuten zuvor auf dem Siegerpodest noch inbrünstig die deutsche Nationalhymne mitgesungen hatte, sagte: "Oben auf dem Podest war es einfach nur cool, der absolute Hammer. Damit hatten wir nie gerechnet."

Lange Erfolgsgeschichte

Dem widersprach ihre langjährige Teamgefährtin Nystad vehement: "Eigentlich hatten wir seit 2002 jedes Jahr den Plan, an die Spitze zurückzukehren. Das hat nicht so geklappt, aber wir haben immer daran geglaubt, und jetzt ist es wahr geworden."

Die beiden hatten bereits zusammen olympisches Staffelgold 2002, WM-Staffelgold 2003, Staffel-Silber in Turin 2006, WM-Silber in Staffel (2007 und 2009) sowie Teamsprint (2007) gewonnen.

Turin-Trauma ist Vergangenheit

Vergessen waren bei Sachenbacher die "schlimmen Tage" von Turin. Damals war die Mitfavoritin wegen zu hohen Hämoglobin-Anteils im Blut per Schutzsperre aus dem olympischen Medaillenkampf geflogen und hatte fast alle Wettbewerbe verpasst.

"Damals habe ich mir geschworen: Evi, so gibst du dich nicht geschlagen. Und es hat sich gelohnt."

Die Medaille, die die 29-Jährige unentwegt fest in ihren Händen hielt, wird schon bald im heimischen Reit im Winkl bei Vater Sepp in jenem Tresor verschwinden, in dem auch schon das andere Edelmetall liegt.

Gold erneut für den guten Zweck

Nystad dagegen hatte ihr Gold von Salt Lake City 2007 für 22.000 Euro an das russische Olympische Museum in Smolensk versteigert und das Geld dem Nothilfeverein "Hänsel und Gretel" für missbrauchte Kinder zur Verfügung gestellt.

"Das war eine richtig gute Sache. Vielleicht mache ich das noch einmal, aber vielleicht behalte ich die Medaille auch", sagte Nystad.

Misstöne durch Behle-Kritik

Die gute Laune ließ sich Sachenbacher auch durch Fragen nach der Kritik von Bundestrainer Jochen Behle an den Langläuferinnen nicht nehmen. "Ich höre da gar nicht mehr hin", sagte sie: "Da kommt bei jedem Großereignis etwas. Das geht bei mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus."

DSV-Vizepräsident Peter Schlickenrieder forderte Behle derweil auf: "Jetzt ist es an der Zeit, sich bei den Mädchen zu entschuldigen."

Dazu aber sah der Bundestrainer keinen Anlass. Wegen des Dauerzwistes mit Behle sei der Sieg "eine große Genugtuung gewesen", sagte Sachenbacher.

Teichmann: "Training angesagt"

Ähnliche Misstöne waren von Teichmann und Tscharnke nicht zu hören.

Nach dem "größten Erfolg meiner Karriere" ging Langlauf-Perfektionist Teichmann sofort zur Tagesordnung über.

"Wegen des Trubels konnte ich mich nicht mal richtig auslaufen. Jetzt ist Training angesagt. Schließlich wollen wir noch die Staffel-Medaille", sagte der Thüringer.

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