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Tobias Angerer und Jens Filbrich liegen völlig erschöpft im Ziel © getty

Die Langläufer enttäuschen in der 4x10-km-Staffel und werden nur Sechster. Das schwedische Team holt das erste Gold seit 1988.

Whistler - Nur Platz sechs statt Edelmetall: die deutschen Skilangläufer kehren zum ersten Mal seit 12 Jahren ohne Staffelmedaille von den Olympischen Spielen heim.

Beim Wachsroulette von Whistler waren Jens Filbrich, Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt und Tobias Angerer auf der 4x10-km-Distanz am Ende chancenlos.

Schweden gewann erstmals seit 1988 Gold vor Norwegen und Tschechien.

"Schnee und Regen haben uns die Medaille verhagelt. Unsere Ski waren höchstens suboptimal, vor allem Axel war nicht gut beraten", sagte Routinier Rene Sommerfeldt am Ende enttäuscht.

Teamkollege Tobias Angerer beim Zieleinlauf wütend den Stock in den Schnee knallte.

"Natürlich hatten wir eine Medaille erhofft"

"Natürlich hatten wir eine Medaille erhofft. Jetzt bleibt noch das 50-km-Rennen", sagte der DSV-Präsident Alfons Hörmann.

Bundestrainer Jochen Behle hatte sich nach offenbar kontrovers geführter interner Diskussion gegen den Einsatz des im Teamsprint überragenden Youngsters Tim Tscharnke und für die Sicherheitsvariante mit Rene Sommerfeldt entschieden.

Der Oldie aus Oberwiesenthal durfte so zum Abschluss seiner Laufbahn die vierte Olympiastaffel seiner Karriere laufen - eine selten zuvor erreichte Marke.

Behle war nach dem Zieleinlauf alles andere als zufrieden: "Der sechste Platz war sicher nicht das, was wir erreichen wollten. Aber dort, wo wir im Teamsprint überlegen waren, hatten wir heute Probleme. An dem Wetter kann man halt leider nichts ändern."

Gaillard sprengt das Feld

"Es wird kein Taktieren geben. In dieser Staffel geht von Anfang an die Post ab", hatte Behle vor dem Rennen vermutet und in Jens Filbrich sowie Ex-Weltmeister Axel Teichmann auf den beiden klassischen Teilstücken absolute Top-Leute aufgeboten.

Bei immer heftiger werdendem Flockenwirbel und erneut schwierigen Wachsverhältnissen erwickelte sich das Rennen genau wie prognostiziert.

Frankreichs Startläufer Jean Marc Gaillard übernahm auf seiner letzten 3,3-km-Runde die Rolle des "Zündlers" und sprengte mit furiosem Antritt das Feld.

Nur Filbrich und drei weitere Läufer konnten mithalten.(Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

"Wollte ein Medaille auch für mich"

"Ich hatte große Probleme, mitzukommen. Aber ich habe in den letzten Tagen zusehen müssen, wie die anderen Medaillen gewonnen haben. Und ich wollte so unglaublich gerne eine Medaille auch für mich. Das hat mich angetrieben", erzählte Filbrich.

Gleiches Szenario auf dem zweiten Teilstück, an dessen Ende erneut die in Whistler auch im Biathlon mit grandiosem Skimaterial gesegneten Franzosen die Initiative übernahmen.

Teichmann verliert 27 Sekunden

Axel Teichmann in seiner ersten Olympia-Staffel konnte da nicht mithalten, litt als körperlich schwerer Läufer auch unter der immer tiefer werdenden Trasse und verlor 27 Sekunden.

"Ich habe gekämpft. Mehr ging nicht. Meine Ski haben immer mehr abgebaut, als die großen Flocken kamen", schilderte Teichmann.

"Im zweiten Klassik-Stück ist die Entscheidung gegen uns gefallen", sagte Behle: "Aber Axel trifft keine Schuld, er konnte einfach nichts machen."

Sommefeldt mit guter Leistung

Zu Beginn der Freistil-Hälfte des Rennens lag Sommerfeldt als Fünfter noch im Bereich einer Medaille.

Der 35-Jährige lieferte eine bravouröse Leistung ab und hielt als Vierter den Rückstand zum von Schweden, Frankreich und Tschechien gebildeten Führungs-Trio bei konstant 35 Sekunden.

So durfte Schlussläufer Tobias Angerer immer noch auf Schwächen an der Spitze und damit auf die deutsche Medaillen-Chance hoffen.

Stattdessen aber übernahm er sich beim Versuch, die Lücke mit extrem hohem Starttempo zu schließen, und fiel am Ende noch zurück.

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