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Von links: Miriam Gössner, Katrin Zeller, Evi Sachenbacher-Stehle and Claudia Nystad © getty

Norwegen ist über 4x5 km nicht zu schlagen. Dahinter zeigen die Deutschen ein beherztes Rennen und sichern sich Silber.

Whistler - Silber für die Golden Girls: Die deutschen Skilangläuferinnen haben im Wetterchaos von Whistler ihren zweiten Coup gelandet.

Drei Tage nach dem sensationellen Olympiasieg im Teamsprint lief die grandiose Schlussläuferin Claudia Nystad freudestrahlend über die Ziellinie, während "Königin" Marit Björgen bereits mit der norwegischen Fahhne herumhüpfte.

Sie krönte sich unter den Augen von König Harald mit Gold Nummer drei zur erfolgreichsten Teilnehmerin der Winterspiele 207493(Bilder des Rennens).

"Die Mädels waren einfach grandios, aber das war so eingeplant", sagte Bundestrainer Jochen Behle mit einem Grinsen: "Es war wie bei der WM in Liberec. Gössner hat die Staffel wieder rangelaufen, und Nystad hat das perfekt zu Ende gebracht. Mit vier Medaillen haben die Skilangläufer ihr Soll bei Olympia erfüllt."

Im Ziel hatten die Goldgewinner Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle 24, 6 Sekunden Rückstand auf Norwegen. Bronze gewann Finnland.

Dritte Staffel-Medaille in Serie

Nach dem Olympiasieg 2002 und Silber 2006 war es die dritte olympische Staffel-Medaille für die deutschen Skilangläuferinnen in Serie. In gleicher Besetzung und nach einem ähnlichen Rennverlauf hatte das deutsche Quartett im Vorjahr überraschend WM-Silber gewonnen (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen).

"Es war wieder eine hervorragende Teamleistung", sagte Behle: "Dass Norwegen die Nummer eins sein würde, war uns von vornherein klar."

Unberechenbare Bedingungen

Genau wie beim Debekal der sechstplatzierten deutschen Männer am Tag zuvor waren die Witterungsbedingungen im Callaghan Valley mit Sonne, Regen und Schnee völlig unberechenbar.

Startläuferin Katrin Zeller lächelte vor dem Start noch, und das gute Gefühl trog zunächst nicht. In der zweiten Hälfte ihrer 5-km-Distanz bestimmte sie das Tempo mit, doch dann attackierte die Schwedin Anna Olsson.

Nach einer ingesamt starken Leistung übergab Zeller als Dritte mit 6,6 Sekunden Rückstand auf das Sverige-Team. "Das ist perfekt gelaufen. Dabei war ich so nervös", sagte Zeller.

Flucht nach vorn

Sachenbacher-Stehle holte den Rückstand blitzschnell auf und ergriff zusammen mit Norwegen und Italien die Flucht nach vorn. Die polnische Gesamtweltcup-Spitzenreiterin Justyna Kowalczyk schloss auf, verschärfte das Tempo, und die kleine deutsche Strahlefrau musste das Führungstrio mit zusammengebissenen Zähnen ziehen lassen.

Sie rutschte mit ihren Ski in den Anstiegen immer wieder weg und brach zum Schluss kräftemäßig völlig ein. "Mein Ski hat in der zweiten Runde brutal abgebaut. Deshalb war ich am Ende total platt", sagte Sachenbacher-Stehle.

Gössner wie die Feuerwehr

Bis zum Wechsel war der Rückstand auf Polen auf 28,7 Sekunden angewachsen, und Sachenbacher-Stehle übergab nur noch als Sechste an Biathletin Gössner. Die hatte vor einem Jahr mit einer überragenden Leistung WM-Silber fast im Alleingang gewonnen und jagte los wie die Feuerwehr.

Vorn setzten sich Topfavorit Norwegen und Italien ab, während die 19-jährige Gössner in einer großen Gruppe die Verfolgung organisierte. "Ich habe versucht zu taktieren und die erste Runde nicht volle Kanne zu laufen, damit die Kräfte reichen", sagte Gössner.

Behle buddelt

Ihre Taktik ging auf, nach 5 km übergab sie nach einer ganz starken Leistung als Dritte mit 16,7 Sekunden Rückstand auf Spitzenreiter Norwegen an Schlussläuferin Claudia Nystad.

"Das hat perfekt geklappt", sagte Gössner. Behle würde die "gelernte" Biathletin nur zu gerne dauerhaft abwerben. "Wir sind schon dabei, ein Loch zu buddeln, um ihre Waffe darin zu vergraben", sagte der Bundestrainer.

Björgen unwiderstehlich

An der Spitze des Feldes entschied Björgen mit einem Antritt das Rennen um Gold gegen Italien schnell für sich. Die dreiköpfige Verfolgergruppe mit Nystad holte Italien ein, und die schlaue Deutsche hängte 800 Meter vor dem Ziel alle Verfolgerinnen ab.

Es war die vierte Medaille für die deutschen Skilangläufer.

Zuvor hatten Sachenbacher-Stehle und Nystad Gold im Teamsprint gewonnen, dazu gab es Silber für Tobias Angerer im Jagdrennen sowie Axel Teichmann und Tim Tscharnke im Teamsprint.

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