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Brian McKeever (l.) gewann in Begleitung seines Bruders Robin Paralympics-Gold © getty

Kanadas Trainer plant vor dem 50-km-Rennen neu und vereitelt Brian McKeevers historischen Auftritt. Es gehe um Edelmetall.

Whistler - Es sollte das Rennen seines Lebens werden, doch Brian McKeever wird es nicht laufen dürfen.

Der amtlich für blind erklärte kanadische Langläufer wollte am Sonntag (ab 18.30 Uhr LIVE) über 50 km an den Start gehen. Nun aber ging eine der bewegendsten Geschichten der Olympischen Winterspiele von Vancouver zu Ende, bevor sie so richtig begonnen hatte(DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse).

Kanadas norwegischer Langlauf-Trainer Inge Braten lässt den 30 Jahre alten McKeever nicht starten.

Nun soll eine Medaille her

Das Dilemma für den Coach: Kanada hat vier weitere Langläufer neben McKeever, die sich für Olympia qualifiziert haben - und alle überzeugten im Rennen über 30 km.

McKeevers beste Platzierung über die Marathon-Strecke war Rang 21 bei der WM 2007. Doch Braten sagt, es gehe nicht mehr um Top-30-Platzierungen, es gehe um Gold.

Beim Ski-Weltverband FIS hat er zwar einen fünften Startplatz beantragt, doch der Vorstoß hat praktisch keine Aussicht auf Erfolg.

Qualifiziert als kanadischer Meister

Braten will Kanadas erste Langlauf-Medaille, McKeever will als erster Sportler bei Olympischen und Paralympischen Winterspielen an den Start gehen.

Er hat sich mit einem Sieg bei den Meisterschaften qualifiziert. Braten aber glaubt, die anderen besäßen gute Chancen auf eine Medaille.

"Ich kann nur hoffen, dass einer der Vier krank wird", sonst, sagte er im Spaß, werde er sich nach Norwegen absetzen müssen: "Die Menschen in Kanada werden mir das nie verzeihen."

Die Buchstaben verschwimmen

Zumindest wird eine der inspirierenden Geschichten der Olympischen Spiele nicht geschrieben werden können.

McKeever war noch ein kleines Kind, als ihn sein Vater zum ersten Mal vor den Schatten beim Sehen warnte.

Lange verschonten sie ihn, doch als der Kanadier später auf die Universität ging, begannen die Buchstaben an der Tafel vor seinen Augen zu tanzen. Binnen zwei Jahren ließ seine Sehkraft so stark nach, dass er für blind erklärt wurde.

Seit 1998 läuft die Mission

"Ich hoffe, den Leuten wird durch meine Story klar, dass die Kluft zwischen Behinderten und Nichtbehinderten, zwischen Paralympics und Olympia nicht so groß ist", sagte McKeever: "Bloß weil jemand eine Behinderung hat, heißt das nicht, dass er nicht hart trainieren kann oder extrem fit ist."

Der 30-Jährige hatte das allein dadurch bewiesen, dass er sich für das kanadische Olympia-Team qualifiziert hat - nun womöglich vergeblich.

Begonnen hatte er seine Mission vor zwölf Jahren. McKeever war seine erste Junioren-Weltmeisterschaft gelaufen, sein Bruder Robin hatte es als Langläufer sogar zu den Winterspielen von Nagano geschafft.

Der Bruder weist den Weg

Plötzlich begann Brians Sehkraft zu schwinden, bei ihm wurde wie bei seinem Vater und seiner Tante Morbus Stargardt, eine genetisch bedingte Augenkrankheit, diagnostiziert.

Nachdem die erste Angst überwunden war, lief er einfach weiter. Als ihn ein Trainer fragte, ob er bei den Paralympics starten wolle, lachte er ihn zuerst aus.

Doch dann erkannte Brian seine Chance. Er fragte seinen Bruder Robin, der gerade die

Qualifikation für die Winterspiele 2002 verpasst hatte, ob er ihn als Begleitläufer unterstützen würde. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

"Im Zentrum ist alles milchig"

Es war der Beginn einer großen Karriere im Behindertensport, McKeever gewann viermal Gold bei den Paralympics.

Doch er hatte noch längst nicht genug und wollte seinen olympischen Traum verwirklichen. Das war nur möglich, weil ihm rund zehn Prozent Sehkraft geblieben sind. "Es ist schwierig zu erklären, aber im Zentrum des Gesichtsfeldes ist alles milchig", sagt McKeever.

Das, was er am Rande sieht, und seine lange Erfahrung auf der Loipe reichen aber aus, um selbst Abfahrten mit bis zu 70 Stundenkilometern zu bewältigen.

Wille siegt über Widrigkeiten

McKeever würde über die 50 km keine Medaille gewinnen, aber er könnte zeigen, wie der menschliche Wille über viele Widrigkeiten siegen kann.

"Dass ich blind bin, ist ein Teil von mir", sagt McKeever, "und ich mag mein Leben, wie es ist".

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