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Tino Edelmann geht für den SC Motor Zella-Mehlis an den Start © getty

"Das ist mir das letzte Mal passiert, als ich zwölf war", stöhnt Tino Edelmann nach seinem folgenschweren Sturz in der Staffel.

Whistler - Sein peinlicher Sturz hat die Kombinierer die mögliche Olympia-Goldmedaille gekostet, aber nach einem halben Liter Bier glänzten die Augen von Tino Edelmann auch beim Anblick von Bronze.

"Die Siegerehrung war ein versöhnlicher Abschluss eines nicht ganz gelungenen Tages, da darf man auch ein, zwei Bier trinken" sagte Edelmann und kippte im Deutschen Haus ein großes Helles in rekordverdächtiger Zeit hinunter (DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse).

Sein Missgeschick ging ihm dennoch nicht so recht aus dem Kopf: "Mir geht das alles sehr nahe, und ich werde das nicht so schnell vergessen. Aber wir sind halt Menschen, keine Maschinen."

"Am liebsten vergraben"

Immer wieder musste Edelmann die bittere Szene erklären, als er bei einem Anstieg unvermittelt zu Boden fiel und die entscheidenden Sekunden im Teamwettkampf auf den späteren Olympiasieger Österreich und Silbermedaillengewinner USA verlor.

"Das ist mir das letzte Mal ohne Fremdeinwirkung passiert, als ich zwölf war. Ich hätte mich am liebsten im Boden vergraben."

Selbst ein Bein gestellt

Irgendwie hatte sich der Thüringer mit dem Skistock selbst ein Bein gestellt und war im bis dahin wichtigsten Rennen seines Lebens hingefallen, "obwohl man sonst nur strauchelt", wie er selbst sagt.

Bundestrainer Hermann Weinbuch meinte dazu lapidar: "Tino wollte seinen schlechten Sprung gutmachen und war übermotiviert. Wenn er sich nicht hinlegt, wäre Richtung Gold alles offen gewesen."

Frenzel hat Verständnis

Edelmann nahm die Kritik scheinbar gelassen zur Kenntnis: "Ich bin jung, so etwas passiert halt. So wie manchmal ein Baum umfällt. Meine Kollegen haben gesagt: Reiß dich zusammen, du hast nichts verbockt ."

Eric Frenzel sagte zum Beispiel, dass er 2007 bei der Junioren-WM ähnlich ungeschickt gestürzt war und deshalb Gold verpasst hatte.

Wenigstens nicht Silber

Auch diesmal sei nach einer mäßigen Sprungleistung durchaus noch Gold möglich gewesen.

"Natürlich waren die Erwartungen schon höher. Aber am Ende sind wir sehr glücklich, dass wir eine Medaille geholt haben. Und immerhin hat sie diesmal eine andere Farbe als sonst", sagte Frenzel.

Sechsmal in Serie hatten die deutschen Kombinierer zuvor in Teamwettkampf bei Großereignissen Silber gewonnen.

Bach lobt Kampfgeist

DOSB-Präsident Thomas Bach jedenfalls lobte die "hervorragende kämpferische Leistung" der Kombinierer. Den Anfang machte der starke Johannes Rydzek, es folgten Edelmann, Frenzel und Björn Kircheisen.

Alfons Hörmann als Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV) war nicht unzufrieden und freute sich letztlich darüber, "dass jetzt alle Mannschaftsteile eine Medaille haben".

Attacke im Einzelwettkampf

Am Donnerstag planen die Kombinierer im Einzelwettkampf (19 Uhr LIVE) die große Attacke.

"Diese Medaille sollte uns Auftrieb geben, auch wenn wir nicht ganz oben standen. Vielleicht geht da noch was für unsere junge Mannschaft", sagte Weinbuch.

Frenzel meinte, dass wir "jetzt richtig was reißen wollen". Kircheisen träumt sogar von Gold: "Im Team hatten wir mit dem Sturz Pech, aber im Einzel habe ich das Niveau zu gewinnen."

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