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Tatjana Hüfner (re., mit Natalie Geisenberger) gewann dreimal den Gesamtweltcup © getty

Hüfner nennt den Vater ihres Erfolges und lässt sich ihren Schlitten tragen. Geisenberger dankt der Siegerin für die Hymne.

Whistler - Als Tatjana Hüfner das Gold nicht mehr zu nehmen war, kniete sie mit der deutschen Fahne in der Hand in der Eisrinne nieder, küsste die Bahn und ließ sich dann von den mitgereisten Fans feiern.

"Ein Traum ist Wirklichkeit geworden. Das ist der absolute Wahnsinn. Ich bin so stolz auf meinem Olympiasieg hier", sagte die 26-Jährige.

Nach der Goldfahrt ging der Stress für Tatjana Hüfner erst richtig los.

Ein Interview folgte dem nächsten, da musste schließlich Goldjunge Felix Loch Hand anlegen und seiner Teamkollegin den Schlitten tragen.

Auf den Spuren Felix Lochs

Danach blieb endlich Zeit, die Eltern in die Arme zu nehmen.

"Ich freue mich sehr, dass sie seit Tagen da sind. Aber sie sollten mich wegen meiner Konzentration nicht ansprechen, das wussten sie", sagte Hüfner, die nach dem ersten der vier Läufe nur auf dem dritten Platz gelegen hatte.

Danach fuhr die zweimalige Weltmeisterin aber drei Bestzeiten und fand die Goldspur, die Felix Loch 203446(DIASHOW: Felix Loch in Bildern) zwei Tage zuvor gelegt hatte.

Dank geht an Mentaltrainer

Bei der Siegerehrung küsste Tatjana Hüfner ihre Goldmedaille und sang inbrünstig die Nationalhymne mit.

Die Rodel-Königin aus Oberwiesenthal war nach ihrer beeindruckenden Triumphfahrt bei der Medaillenvergabe durch DOSB-Präsident Thomas Bach sichtlich gerührt und dankte nach den schweren Tagen im Anschluss an den tödlichen Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili vor allem ihrem Mentaltrainer.

Die Österreicherin Nina Reithmayer belegte Platz zwei vor Natalie Geisenberger (Miesbach). Anke Wischnewski (Oberwiesenthal) wurde Fünfte. (Zeitplan: 17 Tage, 86 Entscheidungen)

"Es ist toll, die Hymne zu hören"

Es war das schlechteste Mannschafts-Resultat der deutschen Rodlerinnen bei Winterspielen seit 16 Jahren.

Die 22-jährige Geisenberger war trotzdem glücklich über ihre erste olympische Medaille, auch wenn sie insgeheim auf den ganz großen Wurf gehofft hatte.

Bei der Medaillenvergabe hüpfte sie dann aufs Siegerpodest und genoss die stimmungsvolle Zeremonie.

"Es ist toll, die Hymne zu hören. Aber das habe ich Tatjana zu verdanken."

Gemeinsam in die Partynacht

Ein Grund für den Erfolg der Rodlerinnen ist auch die Sympathie füreinander.

Auch wenn die Unterschiede zwischen Geisenberger und Hüfner kaum größer sein könnten. Hier Glamour-Girl Geisenberger, die den öffentlichen Auftritt nicht scheut. Dort die äußerst bodenständige Hüfner, die aufgrund ihrer zurückhaltenden Art manchmal sogar etwas scheu wirkt.

Gemeinsam starteten beide im Kufenstüberl des Deutschen Hauses in eine lange Partynacht, die Medaillen baumelten immer um ihren Hals. "Die lege ich so schnell auch nicht mehr ab", sagte Hüfner.

Ein entscheidender Vorteil

Seit 1994 in Lillehammer sind die deutschen Damen bei Winterspielen ungeschlagen.

2002 in Salt Lake City und vier Jahre später in Turin gab es sogar Dreifach-Triumphe. Auch den Weltcup dominieren die seit mehr als zwölf Jahren (98 Rennen) ungeschlagenen deutschen Rodlerinnen nach Belieben.

Natalie Geisenberger hat neben den athletischen Vorteilen noch eine Erklärung für die Überlegenheit: "Wir haben in Deutschland vier Bahnen. Das hat kein anderes Land."

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