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Der verstorbene Nodar Kumaritaschwili wurde nur 21 Jahre alt © getty

Anders als der Rodel-Weltverband sieht ein offizieller Bericht nicht nur einen Fahrfehler als Ursache für die Whistler-Tragödie.

Vancouver - Der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili wenige Stunden vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Vancouver war Resultat einer Verkettung unglücklicher Umstände.

Zu diesem Ergebnis gelangte ein offizieller Untersuchungsbericht des Coroners Service des kanadischen Bundesstaats British Columbia, einer Behörde die unnatürliche Todesfälle untersucht.

Untersuchungsrichter Tom Pawlowski, der am Montag seinen abschließenden Bericht zu dem Thema vorlegte, erklärte, es sei nicht seine Aufgabe "mit dem Finger auf jemanden zu zeigen".

Anders als der Rodel-Weltverband FIL, der im April vergangenen Jahres selbst einen Untersuchungsbericht vorgelegt hatte, sieht der Coroners Service eben nicht nur einen Fahrfehler als Ursache für das Unglück.

Falsche Annahmen in Vancouver

Der Rodel-Weltverband FIL - der hinterher widersprüchlicherweise zwar Fehler eingestand, aber keine Verantwortung auf sich nehmen wollte - hatte mit seinem Präsidenten Josef Fendt bereits ein Jahr vor den Spielen zu hohe Geschwindigkeiten auf der Olympiabahn bemängelt.

In einem offiziellen Schreiben an den Bahnkonstrukteur habe man darüber hinaus die Berechnungen hinsichtlich der Geschwindigkeit als falsch bezeichnet und vor einem unkalkulierbaren Risiko für die Athleten gewarnt, hieß es seitens der FIL.

Laut Pawlowskis Bericht hätten die Organisatoren in Vancouver diese Bedenken diskutiert, allerdings in der Annahme, die Hinweise seien in erster Linie an das OK der Winterspiele 2014 im russischen Sotschi gerichtet gewesen - auf dass dieses seine Bahn nicht noch schneller machen möge.

Fehlende Erfahrung Kumaritaschwilis

Im Untersuchungsbericht wird zudem die Unfallserie vom November 2009 aufgeführt, die auch diverse Athleten zu Kritik an der Bahn veranlasste.

Bei Trainingsfahrten der Bob- und Rodel-Weltelite in Whistler waren damals insgesamt 77 Stürze registriert worden. Zum dem Zeitpunkt habe man bereits gewusst, dass die Bahn nur etwas für erfahrene Athleten sei.

Als einen maßgeblichen Umstand nennt Pawlowski deshalb in seinem Bericht die mangelnde Bahnerfahrung des Rodlers, der vor seiner Todesfahrt insgesamt nur 25 Fahrten auf der Unglücksbahn absolviert hatte.

"Nodar Kumaritaschwili hatte nur wenig Erfahrung auf der schwierigen und anspruchsvollen Strecke. Das war ein großer Nachteil", heißt es in dem Bericht.

Mehr Vorbereitungszeit gefordert

Die FIL wird in dem Zusammenhang aufgefordert, vor künftigen Großereignissen darauf zu achten, dass den Teilnahmern genügend Zeit zur Vorbereitung auf der jeweiligen Bahn eingeräumt wird.

Nodar Kumaritaschwili war am 12. Februar wenige Stunden vor der Olympia-Eröffnungsfeier in Vancouver beim Abschlusstraining in Whistler ums Leben gekommen, nachdem er bei einer Geschwindigkeit von 145 km/h die Kontrolle über seinen Schlitten verloren hatte.

Er flog bei Tempo 144,3 km/h aus der Bahn und prallte mit dem Hinterkopf gegen einen ungeschützten Stahlträger.

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