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Maria Belen Birkner punktete nur 2005 als 28. in der Superkombination in San Sicario © getty

Die argentinische Birkner-Familie hält sich trotz Geldnot und Materialnachteil im Ski-alpin-Zirkus. Bele setzt sich hohe Ziele.

Whistler - Diego Maradonas Ansage war unmissverständlich: "Mas te vale que ganes las Olympiadas! Du gewinnst mal besser die Olympischen Spiele!", sagte er am Telefon.

Das Problem war nur: Am anderen Ende der Leitung saß Maria Belen Simari Birkner. Von der argentinischen Ski-Rennläuferin Gold bei Olympischen Spielen zu verlangen ist so, als würde man von Neuseeland bei der Fußball-WM den Titel fordern.

Maria Belen erzählt die Anekdote trotzdem mit einem Lächeln im Gesicht. Natürlich ist sie stolz darauf, dass der große Maradona sie angerufen hat damals, vor Olympia in Turin.

Mit der Goldmedaille ist es natürlich nichts geworden, Platz 29 und damit Vorletzte in der Kombination war ihr bestes Ergebnis bei vier Starts. Und damit war Maria Belen schon einen Rang besser als sonst im Weltcup.

"Wenn wir antreten, wollen wir auch gewinnen"

Die 27-Jährige ist es gewohnt hinterherzufahren. Wenn die Stars der Skiszene, Lindsey Vonn oder Maria Riesch (VIDEO: Vierter Platz für Riesch "nichts wert"), mal wieder einen ihrer Siege feiern, steht sie unbeachtet am Rand. Wie auch ihre zwei Jahre jüngere Schwester Macarena. Und wie ihr Bruder Cristian Javier (29). Die Simari Birkners sind die langsamste Familie im Ski-Weltcup, seit Jahren. In Vancouver bestreiten sie ihre dritten Winterspiele.

"Wenn wir antreten, wollen wir auch gewinnen. Wir verschwenden keinen Gedanken daran, dass wir's vielleicht nicht schaffen können", sagt Maria Belen. Sie meint das ernst.

Und Macarena unterstützt sie. "Wir wissen, dass es möglich ist, Rennen zu gewinnen. Wie die anderen denken wir beim Start: Ich will gewinnen", sagt sie. Schließlich seien sie die Besten - in Südamerika.

"In Whistler wird's bestimmt nett"

In ihrer Heimat beherrschen sie die Szene, im Weltcup dagegen waren für die drei bei zusammen 237 Rennen erst zweimal Punkte drin.

22-mal standen Bele, Maca und Cris bei Olympia am Start, die Plätze 20, 17 und 17 sind ihre Spitzenresultate. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Doch ihre Kampfeslust ist ungebrochen. "Unsere ersten Spiele in Salt Lake waren ein Desaster. Die zweiten fühlten sich schon wie zu Hause an. Jetzt haben wir eine gewisse Erfahrung, in Whistler wird's bestimmt nett", sagt Belen.

Ständiger Gedanke ans Geld

Zweifeln sie nie an ihrem Tun? "Manchmal fragen wir uns schon: Warum machen wir das?", sagt Belen: "Aber wenn du fährst, bekommst du alles zurück. Ich denke, es ist wohl Leidenschaft." Sie habe schon mal über ein Studium nachgedacht, "aber das kann ich auch noch mit 80 machen".

Macarena wird es manchmal zu viel. Das ständige Reisen, nie ist genug Geld da. Sie sind nicht mal versichert, und unterwegs muss sie sich auch noch um Töchterchen Maria Guadalupe kümmern, die aus einer Liaison mit dem schottischen Slalomläufer Noel Baxter hervorging.

"Die Sache mit dem Geld ist der größte Nachteil. Du denkst oft ans Geld anstatt ans Skifahren", sagt sie, "das bringt dich um."

Mutter für alle Fälle

Besonders am Material müssen sie sparen. Veraltete Skier sind neben unzureichenden Trainingsmethoden der Hauptgrund der schlechten Resultate.

"Ich habe mal die ausgedienten Skier der Schwedin Frida Hansdotter ausprobiert, da war ich bis auf 0,6 Sekunden dran. Sonst bin ich drei Sekunden langsamer. Das war krass", sagt Macarena.

Doch die Liebe zum Skisport und Mama Teresita, die ihre Töchter stets begleitet (Vater Mario ist mit Cristian auf Tour), zerstreuen die Zweifel. "Andere haben sechs Betreuer, wir haben unsere Mutter. Sie ist Trainer, Servicemann, Physio - alles", sagt Belen.

Nächste Generation auf dem Sprung

Teresita Birkner führt mit ihren Kindern die Familientradition fort. Ihre Geschwister Jorge Raul und Maria Magdalena waren bereits 1984 in Sarajewo dabei, 1988 in Calgary folgten Ignacio und Carolina Birkner.

Auch Teresita stand von Kindesbeinen an auf Ski, mit ihrem Job als Ski-Lehrerin holt sie heute einen Großteil des Geldes rein, mit dem ihre Kinder den Traum vom Olympia-Teilnehmer leben. "Es ist oft anstrengend und hart, aber es sind ja meine Kinder", sagt sie.

Und diese Kinder fahren wie selbstverständlich auch Ski. "Ich habe nie darüber nachgedacht, bin einfach losgefahren. Es war das Natürlichste auf der Welt", sagt Belen.

Die jüngste Tochter Angelica (15) steht ebenfalls auf dem Sprung in den Weltcup. "Sie ist besser als wir alle. In vier Jahren ist sie sicher dabei", sagt Macarena.

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