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Lindsey Vonn hat als Weltcup-Spitzenreiterin 137 Punkte Vorsprung auf Maria Riesch © Red Bull

Eine Schienbeinprellung lässt Lindsey Vonn unken: "Ich bin möglicherweise nicht in der Lage, zu starten." Der Trainer wiegelt ab.

Vancouver - Die größte Rivalin von Maria Riesch wird möglicherweise nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen können.

Doppel-Weltmeisterin Lindsey Vonn äußerte am Mittwoch in Vancouver auf Grund einer Prellung am rechten Schienbein die Befürchtung, dass die alpinen Wettbewerbe für sie bereits zu Ende sind, ehe sie begonnen haben.

"Ich bin möglicherweise nicht in der Lage, zu starten", sagte die 25 Jahre alte Amerikanerin, die als große Favoritin auf Gold in der Abfahrt und im Super-G gilt.

(VIDEO: Vierter Platz für Riesch "nichts wert")

Qualvolles Anziehen der Stiefel

Die alpinen Olympia-Wettbewerbe der Frauen beginnen am Sonntag mit der Super-Kombination. (Viktoria Rebensburg im Sport1.de-Interview)

Für Donnerstag ist das erste Training in Whistler angesetzt. Dabei will Lindsey Vonn zum ersten Mal, seit sie die Verletzung vor einer Woche beim Training in Österreich erlitten hatte, wieder auf Skiern stehen.

"Ich werde mal schauen, ob es geht. Ich kann normal laufen, aber wenn ich versuche, meine Skistiefel anzuziehen, kann ich mich kaum nach vorne beugen und habe entsetzliche Schmerzen", sagte sie.

Nur Verzicht auf einige Trainings?

Alex Hödlmoser, Cheftrainer der US-Damen, redet das Problem jedoch klein: "Die Überlegung geht dahin, nicht alle Trainings zu bestreiten, aber ich denke, dass sie alle Rennen fahren kann, es ist ja nicht ihre erste Verletzung, das wird kein Problem sein. Ich gehe davon aus, dass ihrem Start nichts im Wege steht", sagte der Österreicher.

Auch US-Mannschaftsarzt Bill Sterett, der Vonn bereits seit ihrem 13. Lebensjahr kennt, gab sich optimistisch. "Sie ist unheimlich tough. Lindsay hat die Verletzung zunächst ein wenig unterschätzt, weil sie wohl dachte, der Pferdekuss im Schienbein wäre nur halb so wild. Wir bereiten uns ganz normal auf das Rennen vor und werden alles dafür tun, damit sie starten kann."

Vonn sei zudem eine der "mental stärksten" Sportlerinnen, die er kenne: "Davon lässt sie sich nicht beeinflussen."

Noch nicht geröntgt

Zurückhaltend äußerte sich dagegen ausgerechnet Vonns Ehemann. Thomas Vonn sagte, seine Frau werde womöglich nicht alle fünf Rennen bestreiten können, "aber ich wäre überrascht, wenn sie nicht an irgendetwas teilnehmen würde."

Der ehemalige Ski-Rennläufer schloss nicht aus, dass Lindsey Vonn auf Schmerzmittel oder eine lokale Betäubung zurückgreifen werde.

Die Ratschläge der Ärzte, die Verletzung röntgen zu lassen, hat Vonn bislang hartnäckig ignoriert. "Ich habe keine Ahnung, ob es vielleicht gebrochen ist. Ich will auch nicht hören, dass es vielleicht gebrochen ist, denn sonst ist meine Saison zu Ende."

Der weibliche Winter-Phelps?

Ihr Arzt, ergänzte sie, habe den Knochen abgetastet und ihr gesagt, er fühle sich "ziemlich stabil" an. Die fragliche Stelle am rechten Unterschenkel sei etwa 15 Zentimeter lang.

Vonn war von den Amerikanern bereits als "Michael Phelps der Winterspiele" bezeichnet worden, nachdem sie in diesem Winter neun Weltcup-Rennen gewonnen hat und ihren dritten Gesamtweltcupsieg hintereinander ansteuert. (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Fünfmal Gold wären möglich, nun scheint zunächst der Kombi-Start stark gefährdet. "Es könnte sein, dass ich das erste Training mal auslasse", sagte Vonn.

Behandlung mit Quark

Um in der Kombi starten zu können, muss sie aber zuvor mindestens an einem der drei geplanten Abfahrtstrainings teilgenommen haben.

Eine Schienbein- oder Schuhrandprellung kommt bei alpinen Ski-Rennläufern häufig vor. Sie tritt am oberen Rand des Skischuhs auf und ist äußerst schmerzhaft.

Vonn will bei der Therapie nun auch auf "Topfen", also Quark setzen. Er wirkt kühlend und abschwellend.

"Hoffen, dass es besser wird"

Die Amerikanerin gab sich trotzdem skeptisch: "Ich muss ja mit 75, 80 Meilen pro Stunde Ski fahren, und dabei drücken viele Kräfte gegen mein Schienbein, und ich weiß ganz ehrlich nicht, ob ich in der Lage sein werde, das zu tun", sagte sie am Mittwoch.

So recht dran glauben mag Maria Rieschs Freundin allerdings nicht. "Ich muss jetzt erstmal schauen, wie es sich am Donnerstag anfühlt. Ich muss von Tag zu Tag schauen, weiter Therapie machen und hoffen, dass es besser wird", sagte Vonn.

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