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2006 wurde Keppler Deutscher Meister im Abfahrtslauf und im Super-G © getty

Mit einem Top-10-Ergebnis will Keppler die Kritiker zum Schweigen bringen. Beim Training für die Abfahrt ist er abgeschlagen.

Whistler - Stephan Keppler ist der einzige seiner Art. Als deutscher Abfahrts-Solist bei den Olympischen Spielen wird er allerdings nicht bestaunt wie eine vom Aussterben bedrohte Tierart.

Auch Keppler ist zwar Exot, jedoch einer, der eher belächelt wird. Keppler muss sich und sein Tun immer wieder rechtfertigen, speziell bei Olympia.

Und so ist es ihm ein persönliches Anliegen, wenn er vor dem Rennen in der Königsdisziplin am Samstag sagt: "Ich will alles sein, nur bitte bloß nicht der Olympia-Tourist Keppler." (Viktoria Rebensburg im Sport1.de-Interview)

Deutsche Abfahrer und die Olympischen Spiele - das ist nicht gerade eine Liebesbeziehung. Keppler ist der erste Abfahrer des Deutschen Skiverbandes (DSV) seit 16 Jahren, der sich direkt für eine Olympia-Abfahrt qualifiziert hat.

"Ich will in die Top 10"

Die letzte von gerade einmal zwei Medaillen hat der Bischofswiesener Wolfgang Bartels 1964 in Innsbruck gewonnen.

Keppler kennt die Historie und macht sich keine Illusionen. "Ich zähle mich nicht unbedingt zu denen, die für eine Überraschung sorgen können. Aber ich will in die Top 10", sagt er.

Scharfe Attacken von Maier

Als Zehnter würde er die Kritiker zum Schweigen bringen, die seine Daseinsberechtigung bei Olympia anzweifeln. (VIDEO: Lindsey Vonn von Schmerzen gezeichnet)

Und Kritiker gab und gibt es genug. Auch Alpindirektor Wolfgang Maier gehört dazu - wenngleich der frühere Coach froh ist, mit Keppler wenigstens einen Abfahrer in Whistler zu haben. "Wir trauen Stephan etwas zu", sagt er.

Doch Maier hat auch mitansehen müssen, wie Keppler drohte, sein Talent nach zwei achten Plätzen im Winter 2006/07 zu vergeuden. Und er hat ihn dafür bisweilen scharf attackiert.

Olympia-Ticket auf der "Streif" gesichert

Auch in diesem Winter hat sich Keppler wieder mal einiges anhören müssen.

"Manche müssen sich fragen, ob sie Rennfahrer sein wollen", hatte Cheftrainer Karlheinz Waibel Mitte Dezember nach der verpatzten Weltcup-Abfahrt geunkt - und auch Keppler gemeint.

Der konterte nach gelösten Materialproblemen zehn Tage später mit Rang 13 in Bormio und sicherte sich einen Monat später als 14. in Kitzbühel sein Olympia-Ticket - ausgerechnet auf der "Streif", der Piste, die als anspruchsvollste im Weltcup-Zirkus gilt.

"Das tut gut, gerade nach den schweren letzten Jahren. Endlich müssen die Kritiker mal ein bisschen Ruhe geben", sagt Keppler über den unerwarteten Aufschwung.

Keppler träumt von der Sensation

Dass der ihn unter die Besten der Welt führt, hofft er. Von mehr wagt er kaum zu träumen.

"Aber wer weiß? Vielleicht spielen die Bedingungen verrückt", sagt er, und redet doch noch über den Traum jedes Underdogs: "Die anderen machen schon schön ihre Siegerfotos, und dann komme ich und sage: War wohl nix!" (DATENCENTER: Der Weltcup-Kalender)

Cuche mit Bestzeit

Beim ersten Training für die Olympia-Abfahrt am Samstag (ab 20.45 LIVE) im Schneetreiben von Whistler liess es Keppler aber noch langsam angehen. Mit 4,78 Sekunden Rückstand auf die Spitze landete er auf Platz 41.

Trainings-Schnellster war der Schweizer Gold-Favorit Didier Cuche, der in 1:53,22 Minuten vor dem Kanadier Robbie Dixon (0,29 Sekunden zurück) und Teamkollege Ambrosi Hoffmann (0,55) Bestzeit fuhr.

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