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Lindsey Vonn gewann letztes Jahr WM-Gold in Abfahrt und Super-G © getty

Die Amerikanerin lässt sich auch von der Schienbeinverletzung nicht aufhalten und rast zu Abfahrts-Gold. Riesch fährt nur hinterher.

Whistler - Debakel für Maria Riesch, Triumph für Lindsey Vonn:

Während die Topfavoritin dem Druck trotz einer schmerzhaften Schienbeinverletzung standhielt und sich in der Abfahrt als erste Amerikanerin die Krone ihres Sports aufsetzte, versagten der deutschen Medaillenkandidatin bei ihrer Olympia-Premiere die Nerven.

Riesch war über zwei Sekunden langsamer als Vonn und fuhr nur auf den enttäuschenden achten Rang.

"Ich habe es selber verbockt. Es war kein großer Fehler dabei, vielleicht waren es ein paar kleine. Es hat heute nicht sein sollen, aber morgen ist ein neues Rennen. Da gehe ich Vollgas drauf", sagte Riesch geknickt.

Größter Moment in Vonns Leben

Vonn dagegen strahlte. "Das ist ein großartiger Moment, ein unglaubliches Gefühl. Als ich meinen Namen hinter der 1 aufleuchten sah, war das einer der schönsten Momente meines Lebens", sagte sie, in Tränen aufgelöst.

Von ihrer Verletzung spüre sie "im Moment nichts", ergänzte Vonn, "weil ich so glücklich bin".

Letzte Medaille durch Ertl

Nach ihrem Sieg bei der Generalprobe in St. Moritz hatte Riesch zum engsten Kreis der Favoritinnen gehört, doch sie verpasste das erste Edelmetall in der Abfahrt für den Deutschen Skiverband (DSV) seit dem Olympiasieg von Katja Seizinger 1998 in Nagano klar.

Die deutschen Alpinen warten nun seit 17 olympischen Wettbewerben auf eine Medaille - seit Martina Ertl 2002 Kombi-Bronze gewann.

Mancuso legt vor

Vonns Teamkollegin Julia Mancuso, vor vier Jahren in Turin noch Olympia-Siegerin im Riesenslalom, hatte eine starke Zeit vorgelegt, die nur von der Doppelweltmeisterin überboten wurde.

1:44,19 Minuten dauerte Vonns Fahrt zu Gold, Mancuso hatte 0,56 Sekunden Rückstand. Dritte wurde die Österreicherin Elisabeth Görgl (1,46), Riesch lag nach einer fehlerbehafteten Fahrt 2,07 Sekunden zurück.

"Es war ein harter Kampf, ich musste mich die Piste förmlich nach unten arbeiten. Die Sprünge gingen höher und weiter, als ich das erwartet hatte. Aber ich habe es es trotzdem geschafft. Das ist ein super gutes Gefühl", sagte Vonn.

Schwerer Sturz von Pärson

Das Rennen war geprägt von einigen spektakulären Stürzen, die ersten Diagnosen zufolge aber ohne schwerere Verletzungen abliefen.

Auch Vonn hatte zu kämpfen und rettete sich nur mit Mühe ins Ziel, wo sie laut jubelnd vor Freude zusammenbrach.

Nach ihr folgten noch die Mitfavoritinnen Anja Pärson (Schweden) und Riesch, doch keine kam mehr an die Traumfahrt der 25 Jahre alten Doppel-Weltmeisterin ran. Pärson stürzte beim Zielsprung, der sie über 60 Meter durch die Luft trug, schwer. Doch auch die Slalom-Olympiasiegerin hatte wohl Glück im Unglück.

Miklos verletzt sich am Knie

Nicht ins Ziel kamen nach zum Teil spektakulären Stürzen auch die Italienerinnen Elena Fanchini, WM-Zweite 2005 in Bormio, und Daniela Merighetti.

Ganz böse erwischte es die Rumänin Edith Miklos, die zunächst furchterregend stürzte und dann in hohem Tempo unter zwei Fangzäunen hindurchrauschte: Am dritten kam sie zum Liegen.

Die 21-Jährige musste nach langwieriger Bergung und Erstversorgung mit dem Hubschrauber ausgeflogen werden und hat sich wohl einen Kreuzbandriss im Knie zugezogen.

Trainer fordert Entschärfung

Der deutsche Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold hatte zuvor vergeblich die Entschärfung des Sprunges gefordert.

Die Slapstick-Einlage des Tages beruhte jedoch auf Eigenverschulden: Die Französin Marion Rolland kippte nach wenigen Metern einfach um.

Super-Kombi am Donnerstag

Vonn, die mit Schmerzmitteln fuhr, profitierte auch von den wetterbedingten Verschiebungen der letzten Tage, die ihr Ruhe für ihr Bein verschafften.

Eigentlich sollte mit der Super- Kombination bereits am Sonntag der erste Wettbewerb stattfinden, der alpine Zweikampf wird jetzt aber erst am Donnerstag (ab 18.30 Uhr LIVE) gefahren. Riesch hat dort dann die Chance zur Revanche (Zeitplan: Die Olympischen Spielen).

Vonn freut sich über Pause

Aufgrund des widrigen Wetters konnten die Frauen im Vorfeld auch nur ein Training absolvieren, das zudem getrennt in zwei Teilen gefahren wurde. "Das war das bestmögliche Szenario, das ich mir für mein Schienbein vorstellen konnte", sagte Vonn dazu.

Riesch fand es "sehr schade", dass sie das Gelände nicht genauer studieren durfte. Deshalb orakelte sie: "Lindsey ist und bleibt die Topfavoritin."

Bereits Bestzeit im Training

Schon im einzigen Training hatte Vonn die Bestzeit vorgelegt, obwohl sie danach klagte: "Das ist die unruhigste Strecke, die ich je gefahren bin. Das ist nicht gut für mein Bein."

Zum Rennen hin präsentierte sich der Franz's Run in etwas besserer Verfassung, und auch die Sonne kam endlich raus.

"Es ist für alle gleich, aber eine spezielle Situation wegen des komischen Trainings. Ich bin trotzdem locker, weil ich weiß, dass ich Lindsey auch schlagen kann", sagte Riesch vor der Abfahrt.

Sie täuschte sich - zumindest diesmal.

Gute Erinnerungen an Generalprobe

Bereits bei den olympischen Testwettbewerben 2008 hatte Riesch die Abfahrt verpatzt, damals schied sie aus.

Zwei Tage später kam sie jedoch mit dem Sieg in der Super-Kombination zurück.

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