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Maria Riesch beendete zuletzt vor einem Jahr eine Abfahrt schlechter als Platz acht © getty

Beim Start der Rumpel-Abfahrt sieht Maria Riesch ein Sturzopfer neben sich liegen. Vonns Lager registriert Rieschs Unsicherheit.

Aus Vancouver berichtet Gregor Derichs

Whistler. Daniela Merighetti stand im Zielraum und konnte wieder ein bisschen lachen.

Auch der Italienerin war die "Heiße Luft", der spektakuläre Zielsprung der Olympia-Abfahrt mit der vielversprechenden Bezeichnung "Hot Air", zum Verhängnis geworden. 204432(Die Bilder)

Die 28-Jährige schoss wie ein lebender Torpedo durch die Luft und hatte dann sagenhaftes Glück, dass sie auf dem Hosenboden in Richtung Ziel sauste. "Ich bin glimpflich davon gekommen. Der Flug über die Kante, das waren 60 Meter. Das kannst du gar nicht mehr kontrollieren", sagte sie.

Riesch muss lange warten

Am Kinn eine Schramme, mittelschwere Kreuzschmerzen - die Zehnte in der Abfahrt-Weltcup-Wertung entschied sich dennoch, am Donnerstag auch an der Super-Kombi (ab 18.30 Uhr LIVE) teilzunehmen.

Als sie noch ihre Erlebnisse schilderte, machte sich Marias Riesch auf die Piste, um die Wahnsinnszeit ihrer Freund-Konkurrentin Lindsey Vonn zu attackieren. Doch nach zwei Kurven war es klar, dass die Medaillenhoffnung nicht erfüllt würde.

Daniela Merighetti erkannte die Körpersprache der 25-jährigen Garmischerin. "Maria hat Angst", sagte sie. Die Slalom-Weltmeisterin musste ins Rennen, nachdem zwei Läuferinnen, die Französin Marion Rolland und die Schwedin Anja Pärson, vor ihr gestürzt waren und lange Pausen verursacht hatten.

Riesch viel zu passiv

Mit der Startnummer 22 kam Riesch nicht in Fahrt. Sie zauderte. "Maria fehlte der unbedingte Drang nach vorne. So kann man sich bei Olympia eigentlich nicht präsentieren. Ich hoffe, dass sie aufwacht", meckerte Cheftrainer Matthias Berthold. (Der Medaillenspiegel)

Auch Vonns Lager registrierte Rieschs Unsicherheit. "Es hat mich überrascht, dass Maria nicht schneller war, sie muss gewaltigen Druck gehabt haben", sagte Lindseys Ehemann Thomas.

Kurz danach war die Entscheidung gefallen: Sie wurde in ihrem ersten Olympia-Rennen nur Achte (2,07 Sekunden zurück), die große Favoritin Vonn war die triumphale Siegerin vor Julia Mancuso (beide USA). Vonn weinte vor Glück, auch bei der Dritten Elisabeth Görgl aus Österreich (1,46) flossen Tränen. Andere weinten vor Schmerzen.

Fast halsbrecherische Piste

Die Schussfahrt in Whistler Creekside wurde zu einem Sturzspektakel ersten Ranges.

Das nahm schließlich auch Maria Riesch den Mut, auf der Risikostrecke volles Rohr zu fahren.

Während die Männerabfahrt mit einer anderen Streckenführung den Whistler Mountain hinab am Tag zuvor nur als "mittelschwer" einzustufen war, war die 2939 m lange Frauenstrecke mit einem enormen Gefälle und Spitzengeschwindigkeiten von 150 km/h sehr schwer und durch die Bedingungen fast halsbrecherisch.

Viele fix und fertig

Den Höhenunterschied von 770 m vom Start weg zu überwinden, dauert nur knapp 1:45 Minuten.

Viele kamen nicht aufrecht unten an. Gleich die erste Läuferin Klara Krizova (Tschechien) flog von der Piste. Auch Chemmy Alcott, die Britin mit Startnummer 2, stürzte - allerdings erst im Zielraum.

Viele Teilnehmerinnen fielen nach der Zieleinfahrt, offenbar fix und fertig. Einige überstanden im Rennen selbst gefährliche Situationen.

"Ein Profi muss das abkönnen"

Ebenfalls im Zielsprung kam die Schweizerin Dominique Gisin zu Fall. Sie musste lange behandelt werden. Dann hob Daniela Merighetti auf der Strecke ab.

Die Schwedin Pärson, eine der Mitfavoritinnen direkt hinter ihr, musste warten. Die siebenfache Weltmeisterin und Olympiasiegerin von 2006 hatte Platz zwei im Visier, als es sie am "Hot Air" durch die Luft katapultiert wurde.

Sie erwischte es brutal. Lange wurde sie behandelt, Maria Riesch wartete oben. "Die Unterbrechungen waren natürlich ungut, aber ein Profi muss das abkönnen", sagte sie. "Es war nicht einfach, nachdem Marion Rolland nur 20 Meter neben dem Starthaus medizinisch behandelt wurde. Aber ich bin auch nicht gut gefahren."

Miklos durch zwei Fangzäune

Als die Garmischerin im Ziel war und kopfschüttelnd ihre Enttäuschung schilderte, kam es zum schlimmsten Unfall auf der Angstabfahrt.

Mit der Startnummer 35 stürzte die Rumänin Edith Miklos im mittleren Bereich schwer. Sie machte einen Salto auf der Piste, rutschte im rasend hohen Tempo durch die ersten beiden Fangzäune durch und wurde schließlich vom dritten aufgehalten.

Nach etwa 20 Minuten medizinischer Versorgung am Pistenrand wurde sie von einem Helikopter abtransportiert. Auch danach erwischte es weitere Läuferinnen.

Völlig anders als im Training

Die Athletinnen waren praktisch ins kalte Wasser geworfen worden. Wegen des schlechten Wetters und den katastrophalen Pistenverhältnissen in den Vortagen konnten sie kaum trainieren.

Die Verhältnisse am Renntag waren völlig anders als im Training. Es handelte sich zwar nicht mehr um eine "Rumpelpiste", aber sie war nicht so glattgebügelt wie bei alpinen Spitzenevents üblich.

"Es ist eine unruhige Piste. Das kostet Kraft und man braucht Mut", sagte Markus Wasmeier.

Nur kosmetische Arbeiten

Der deutsche Frauen-Cheftrainer Mathias Berthold hatte zuvor vergeblich die Entschärfung des Zielsprunges gefordert. An der Kante war auch gearbeitet worden, aber dies war letztlich nur Kosmetik.

Für die Abfahrt der Super-Kombination wurde der Zielsprung erneut entschärft. (Zeitplan: Die Olympischen Spielen)

Dann kämpfen Maria Riesch und Lindsey Vonn um die nächsten Medaillen. In der Super-Kombi will ich es besser machen?, sagte Riesch. Nur die erste von fünf Medaillenchancen hatte sie beim Sturzspektakel vergeben.

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