vergrößernverkleinern
Felix Neureuther will erst im Slalom von Vancouver um die Medaillen fahren © getty

Felix Neureuther dachte nach schwachen Ergebnissen im Weltcup schon ans Aufhören. Erst die E-Mail eines Unbekannten half.

Whistler - Felix Neureuther will nicht verraten, wer ihm diese E-Mail geschrieben hat.

Zumindest dem Deutschen Skiverband sollte er den Absender aber preisgeben, damit der DSV diesem einen Blumenstrauß schicken kann.

Der "Freund der Familie", wie Neureuther den Absender nennt, hat dafür gesorgt, dass der 25-Jährige in seiner bislang schlimmsten Krise nicht aufgab, seine Karriere fortsetzte - und am Dienstag zum zweiten Mal bei Olympia antritt. Zunächst im Riesenslalom (Di., 18.30/22 Uhr LIVE).

Gedanken ans Aufhören

"Ich hatte keine Freude mehr, bin in ein Mega-Loch gefallen. Der Sport hatte den Menschen Felix Neureuther negativ beeinflusst. So sehr, dass ich alles in Frage gestellt habe", sagt Neureuther in Whistler über die Leidenszeit kurz vor Weihnachten 2009.

Achtmal war er zu diesem Zeitpunkt in der laufenden Saison im Weltcup gestartet, Rang 20 im Riesenslalom von Val d'Isere war sein "Top"-Ergebnis.

Viel zu wenig für einen Mann von Neureuthers Klasse. Und so dachte der beste deutsche Ski-Rennläufer ans Aufhören.

Sinnkrise im Verborgenen

Doch anstatt sich zu offenbaren, "habe ich das alles in mich reingefressen". Auch Männer-Cheftrainer Karlheinz Waibel wusste von Neureuthers Sinnkrise nichts.

"Nach dem durchwachsenen Saisonstart war er verkrampft, verspannt, verunsichert. Aber dass es so tief in ihm saß, habe ich nicht gemerkt", sagt er.

Nach dem letzten Rennen des Jahres in Alta Badia gab es aber "ein intensives Gespräch, bei dem wir vereinbart haben, dass sich etwas ändern muss".

Skifahren darf nicht alles sein

Doch für Neureuther ging es um mehr als um eine Veränderung. Für ihn ging es um alles - nur er wusste nicht, was er tun sollte. Bis die ominöse E-Mail kam.

"Die hat es zu hundert Prozent auf den Punkt gebracht. Es zählt doch der Mensch, stand da drin, Skifahren darf nicht alles sein. Du musst Spaß haben bei dem, was du tust. Da hat es bei mir plötzlich klick gemacht", erzählt er.

Auf Mutters Spuren

"Spaß haben", das war es. Mit der gleichen Einstellung, sagt er, sei seine Mutter Rosi Mittermaier bei Olympia 1976 in Innsbruck zweimal zu Gold gefahren. Ohne Druck, die Spiele genießend.

Und mit dieser Einstellung ging er gleich nach Weihnachten wieder auf die Piste. Äußerlich der alte Felix, aber innerlich gewandelt. Mit Vater Christian trainierte er am heimischen Gudiberg, feilte an Material und Position - und "dann kam das Feuer zurück".

Triumph in Kitzbühel

Beim nächsten Rennen in Zagreb wurde er immerhin Neunter, vier Tage später qualifizierte er sich in Adelboden mit Rang elf für die Spiele. Weitere zwei Wochen später triumphierte er in Kitzbühel, es war sein erster Weltcup-Sieg. Endlich.

"Das war ein ganz besonderer Moment. Auf sowas arbeitet man sein ganzes Leben lang hin, kämpft, probiert - und irgendwann wird man beschenkt. Das vergesse ich nie."

Mit der gleichen, lockeren Einstellung wie vor vier Wochen am Ganslernhang will Neureuther in Whistler fahren.

"Ich weiß einfach, dass ich vorne landen kann, wenn ich mein Leistungsvermögen abrufe. Eine Medaille, das wäre ein Riesentraum. Diesen Traum versuche ich in die Realität umzusetzen", sagt er.

Freundschaft mit dem Berg

Beim Riesentorlauf wird das noch nicht der Fall sein, selbst der erhoffte Platz unter den Top 15 wäre "eine Überraschung".

Er will sich für den Slalom einfahren, die speziellen Bedingungen mit frühlingshaftem Schnee testen und sich "mit dem Berg anfreunden".

Richtig los geht es dann aber erst am Samstag mit dem Slalom. Vor dem Rennen wird Neureuther dann nochmal auf sein Handy schauen. Dort hat er nämlich die E-Mail gespeichert, die sein Sportlerleben verändert hat.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel