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Felix Neureuther gewann in Kitzbühel sein erstes Weltcuprennen © getty

Neureuther überrascht und fährt ausgerechnet bei Olympia erstmals im Riesenslalom unter die besten Zehn. Ein Schweizer triumphiert.

Whistler - Felix Neureuther hat mit dem besten Riesenslalom seines Lebens die Hoffnung auf eine Medaille bei den Olympischen Spielen von Vancouver genährt.

Während Weltmeister Carlo Janka den Ski-Rennläufern aus der Schweiz das zweite Olympia-Gold in Whistler bescherte, tankte der Partenkirchner als hervorragender Achter reichlich Selbstvertrauen für seine Spezialdisziplin Slalom am Samstag.

Neureuther zeigte den besten Riesenslalom eines Deutschen bei einem Großereignis seit dem Olympiasieg von Markus Wasmeier 1994 in Lillehammer.

Traumziel überboten

Auf Sieger Janka hatte er einen Rückstand von 1,23 Sekunden, zu einer Medaille fehlten ihm nur 0,62 Sekunden.

"Ich bin mit einer ganz anderen Zielsetzung an den Riesenslalom herangegangen und jetzt total glücklich mit dem achten Platz", sagte Neureuther, dessen "Traumziel" Platz 15 war: "Das ist ein riesiges Ergebnis für mich. Ich freue mich jetzt schon total auf den Slalom, dass ich da so richtig Gas geben kann."

Ende der Österreicher-Serie

"Ice Man" Janka blieb bei Schneetreiben in Whistler Creekside mal wieder ganz cool und folgte Abfahrtssieger Didier Defago auf den Olymp.

Der 23-Jährige stoppte zugleich die Siegesserie Österreichs, das bei den vergangenen drei Olympischen Spielen durch Benjamin Raich, Stephan Eberharter und Hermann Maier "Riesen"-Gold gewonnen hatte.

Janka verwies in einer Gesamtzeit von 2:37,83 Minuten den Norweger Kjetil Jansrud (0,39 Sekunden zurück) auf Platz zwei. Als Dritter gewann Super-G-Olympiasieger Aksel Lund Svindal (Norwegen, 0,61) seine dritte Olympia-Medaille.

"Kann mit Druck umgehen"

Während die Spiele für Janka nach drei Enttäuschungen ein goldenes Ende nahmen, feierte Neureuther einen glanzvollen Einstand.

Im Ziel riss der 25-Jährige laut jubelnd die Arme hoch. "Ich hatte im Riesenslalom immer arg zu kämpfen. Es ist sehr schön, dass es ausgerechnet bei Olympia mal aufgeht. Und das zeigt auch, dass ich mit dem Druck bei dieser Veranstaltung umgehen kann", sagte Neureuther.

Nicht erwartet

Schon als 13. des ersten Durchgangs hatte er sich selbst und viele andere überrascht, mit fünfbester Laufzeit verbesserte er sich im Finale sogar noch.

"Er ist gut gefahren, richtig gut, super. Das hätte ich nicht erwartet. Aber der Felix ist halt ein richtiger Olympionike. Wenn du zu Olympia kommst, und gleich so ein Ergebnis machst, ist das super fürs Selbstbewusstsein", lobte DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier den ersten Auftritt Neureuthers.

Nur bei deutschen Meisterschaften besser

Der Partenkirchner, in der Riesenslalom-Weltrangliste nur auf Rang 54 notiert, ließ so starke Fahrer wie den Schweizer Didier Cuche oder Ted Ligety (USA) hinter sich, die 2007 sowie 2009 WM-Dritte waren.

"Für mich ist das eine absolute Überraschung, dass ich so nahe an der Spitze bin, das habe ich ja noch nie geschafft. Nur bei den deutschen Meisterschaften war ich mal besser", sagte Neureuther.

Bestes Ergebnis

Bei seinen 32 Riesentorläufen im Weltcup kam er bislang nur fünfmal in die Top 30, sein bestes Ergebnis ist Platz 13 im Dezember 2006 in Alta Badia.

Bei der WM 2009 in Val d'Isere belegte er Rang 19.

Topfavoriten sind andere

Neureuthers große Stunde soll am Samstag beim Slalom schlagen, wo er zum - allerdings recht großen - Kreis der Medaillenkandidaten zählt.

"Ich habe in der Vergangenheit gelernt, nicht zu große Töne zu spucken, das ist besser für mich. Die Topfavoriten sind andere", sagte der Kitzbühel-Sieger: "Aber ich weiß, wenn es passt, kann ich ganz vorne landen."

Der Hang jedenfalls scheint ihm zu liegen.

Jede Menge Exoten

"Schneeleopard" Kwame Nkrumah-Acheampong kann das noch nicht von sich behaupten, der Ghanaer musste auf das Rennen verzichten, weil ihm die nötigen Quali-Punkte fehlten. Dennoch befanden sich unter den 103 Athleten jede Menge Ski-Exoten, darunter der 16 Jahre alte Bayer Manfred Oettl Reyes, der für Peru antrat.

"Ich bin besser als Bode Miller", sagte er nach Lauf eins, den er im Gegensatz zum amerikanischen Kombi-Olympiasieger überstanden hatte.

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