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Viktoria Rebensburg fuhr im Weltcup erstmals im Januar in Cortina aufs Podest © getty

Der Triumph im Riesenslalom soll für Viktoria Rebensburg nur der Anfang sein. Der Cheftrainer will sie aber behutsam aufbauen.

Whistler - Viktoria Rebensburg ballte die rechte Faust wie Tennis-Idol Boris Becker nach seinen größten Siegen und wollte gar nicht mehr aufhören zu jubeln.

Erst als die deutsche Nationalhymne für sie gespielt wurde, stand Rebensburg kurz still - nur um danach sofort wieder die Faust zu ballen.

"Das war sehr emotional da oben. Ich habe mir gedacht: Wenn ich das jetzt nicht rauslasse, wann denn dann?", sagte die Riesenslalom-Olympiasiegerin.

Auf der Medal's Plaza in Whistler feierten die Kolleginnen um Kombi-Olympiasiegerin Maria Riesch mit ihrer "Viki", nur die Eltern mussten leider passen.

Irgendwo über dem Atlantik

Als Viktoria ihren goldenen Moment feierte, saßen Dagmar und Wolfgang Rebensburg irgendwo über dem Atlantik in einem Flugzeug. (DATENCENTER: Das Riesenslalom-Ergebnis)

Weil der Final-Lauf um einen Tag verschoben wurde und ein Umbuchen des Rückfluges aus Kanada unmöglich war, erfuhren die Eltern erst bei der Zwischenlandung vom Coup ihrer Tochter. "Als ich Olympiasiegerin geworden bin, waren sie noch in der Luft", berichtete Viktoria Rebensburg. (VIDEO: "Mit Talent und Coolness")

Während sich ihre Eltern bei einer improvisierten Feier mit einem Gläschen Sekt am Flughafen in Montreal bescheiden mussten, ließ sich die Tochter am Abend im Deutschen Haus in Whistler ein kleines Weißbier schmecken.

"Sonst gewinnt man nur Erdbeeren"

Auch Weltmeisterin Kathrin Hölzl, die Sechste wurde, feierte mit.

Bei der eher gemächlichen Party zeigte Rebensburg ihre ruhige Seite, auf dem Franz's Run hatte sie es zuvor aber ähnlich krachen lassen wie später bei der Siegerehrung.

"Bei Olympia muss man doch so fahren, sonst gewinnt man nur Erdbeeren oder Himbeeren", hatte sie nach Platz 28 zum Olympia-Auftakt im Super-G gesagt.

"Eine Überraschungssiegerin ist sie nicht"

Sie blieb ihrer Risiko-Linie in ihrer Spezialdisziplin weitgehend treu, doch im Riesenslalom hat sie sich mittlerweile besser unter Kontrolle.

Technikcoach Christian Schwaiger lobte Rebensburgs "taktische Meisterleistung". Diese führte sie von Platz sechs nach dem ersten Durchgang noch auf Rang eins, eine Sensation durch eine 20-Jährige, die noch kein Weltcup-Rennen gewonnen hat. (INTERVIEW: "Schon im Bett an die Medaillen gedacht")

Cheftrainer Mathias Berthold behauptete allerdings: "Eine Überraschungssiegerin ist sie aber nicht. Ich habe ihr das immer zugetraut."

Das größte Talent im Stall

Viki Rebensburg ist das größte Talent im Stall des Deutschen Skiverbandes (DSV). Berthold bezeichnete sie einst als "Rennpferd", dem aber zu oft die Gäule durchgingen.

"Vollgas" ist neben "cool" Rebensburgs Lieblingswort, "ihr eigener Kopf hat sie manchmal aufgehalten", sagte Alpindirektor Wolfgang Maier.

Erst in diesem Winter war es Berthold und Schwaiger gelungen, die "wilde Viki" etwas zu zähmen. "Aber ihren extremen Stil haben wir ihr gelassen", sagte Maier.

"Dann hat sie alle Möglichkeiten"

Das zahlte sich mit Platz zwei bei der Olympia-Generalprobe in Cortina aus, dort stand das "schlampige Genie" (Schwaiger) erstmals auf dem Podium. (Zeitplan: Die Olympischen Spiele).

"Von da an wusste ich: Ich kann auch bei den Großen gewinnen", sagte sie. Bei den "Kleinen" war dies der dreimaligen Junioren-Weltmeisterin schon gelungen.

Der Olympiasieg soll für Rebensburg nicht der letzte Erfolg gewesen sein. "Es liegt an ihr. Wenn sie seriös weiterarbeitet und klaren Kopf bewahrt, hat sie alle Möglichkeiten", sagte Berthold.

Noch viele große Ziele

Der Coach will seine neue Heldin "nicht verheizen", hofft aber, dass sie bald das kleine Speed-Team verstärkt und neben Super-G öfter Abfahrt fährt.

"Wenn wir aus Viki eine Abfahrerin machen wollten, wäre sie in null komma nix vorne dabei", sagte er.

Rebensburg, erste deutsche Riesenslalom-Olympiasiegerin seit Rosa "Ossi" Reichert 1956, würde diesen Weg gerne mitgehen. Zuvor will sie aber noch viele sportliche Baustellen bearbeiten und in einigen Wochen ein Studium in Sportmarketing in Erding aufnehmen.

"Ich habe noch viele andere große Ziele", sagte sie. Ganz oft die rechte Faust ballen und wild jubeln gehört definitiv dazu.

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