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Direkt nach der Zieldurchfahrt ahnte Viktoria Rebensburg den Gold-Coup wohl noch nicht © getty

Maria Riesch und Kathrin Hölzl verpassen im Riesenslalom das Podium. Ausrechnet der Jüngsten gelingt der ganz große Triumph.

Whistler - Gold-Sensation durch Viktoria Rebensburg: Das "Küken" ist für die schwächelnden Routiniers Kathrin Hölzl und Maria Riesch eingesprungen und als zweite Deutsche zum Olympiasieg im Riesenslalom gefahren.

Die 20-Jährige, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hat, behielt im dichten Nebel von Whistler den Durchblick und folgte der legendären Rosa "Ossi" Reichert auf den Olymp, die in Cortina d'Ampezzo 1956 Gold gewonnen hatte.

Top-Favoritin Hölzl blieb nach verpatztem ersten Durchgang nur Rang sechs, Riesch wurde Zehnte (DATENCENTER: Das Riesenslalom-Ergebnis).

Görgl zeigt Nerven

Silber gewann Tina Maze aus Slowenien, die auch im Super-G Zweite war.

Bronze holte die Abfahrts-Dritte Elisabeth Görgl aus Österreich, die nach dem ersten Lauf geführt hatte.

Doch Görgl verlor nach der wetterbedingten Final-Verschiebung auf Donnerstag über Nacht die Konzentration - und machte den Weg frei für Rebensburg.

Zweites Gold der Alpinen

"Gold - ein Traum. Ich war am Start komischerweise gar nicht mehr nervös und habe einfach einen guten Lauf runtergebracht", sagte Rebensburg, die den deutschen Alpinen nach dem Kombi-Triumph von Maria Riesch die zweite Goldmedaille bei den Spielen in Vancouver bescherte.

Die "Viki", wie sie im Team nur genannt wird, wiederholte damit den Coup von Hölzl, die vor einem Jahr WM-Gold holte - ohne zuvor ein Weltcup-Rennen gewonnen zu haben.

Hartnäckiger Nebel

Das Rennen wurde erstmals seit 1980 im amerikanischen Lake Placid an zwei Tagen ausgefahren. Was damals noch so geplant war, hat in Whistler der berüchtigte "Mid mountain fog" verursacht.

Der hatte sich am Mittwoch im Ortsteil Creekside hartnäckig festgesetzt und eine Verschiebung des Final-Durchgangs erzwungen.

Am Donnerstag hing der Nebel zunächst erneut über dem "Franz's Run", lichtete sich aber pünktlich zum Rennstart um 9.30 Uhr Ortszeit deutlich (Zeitplan: Die Olympischen Spiele).

Verkürzung der Strecke

Nebel im oberen Abschnitt erzwang aber eine Verkürzung der Strecke um etwa zehn Tore, was den nach Lauf eins zurückliegenden Fahrerinnen die Aufholjagd etwas erschwerte.

Doch Rebensburg, nach dem ersten Durchgang nur Sechste, fuhr dennoch unbeirrt zu Gold.

0,04 Sekunden Vorsprung

In der Gesamtzeit von 2:27,11 Minuten hatte sie 0,04 Sekunden Vorsprung auf Maze. Görgl lag 0,14 zurück.

Hölzl verpasste Bronze um 0,33 Sekunden, Riesch um 0,72. Deutsche Frauen haben im Riesenslalom bei Olympia jetzt schon acht Medaillen gewonnen.

Seit Reichert 1956 gab es vier zweite Plätze, 1998 hatte Katja Seizinger in Nagano mit Bronze das bislang letzte Edelmetall geholt.

Schwierige Bedingungen

Die Athletinnen hatten schon im ersten Lauf mit Schneeregen und dichtem Nebel zu kämpfen. "Ich weiß nicht, ob die frühe Nummer ein Vorteil war", sagte Hölzl, die das Rennen eröffnet hatte und vor dem Finale 0,69 Sekunden hinter der Führenden Görgl lag.

Rebensburg, mit Nummer 2 unterwegs und zunächst Sechste (0,35), gab an, der Nebel habe sie nicht sehr behindert. "Es schaut schlimmer aus als es ist." Riesch als Siebte (0,48) sprach von einem "extrem schwierigen Lauf".

Vonn mit Fingerbruch

Am zweiten Tag nicht mehr am Start war Abfahrts-Olympiasiegerin Lindsey Vonn. Die Amerikanerin war im ersten Lauf mit überlegener Bestzeit unterwegs, als sie in Zielnähe stürzte, in den Fangzaun krachte und sich den kleinen Finger der rechten Hand brach.

"Aber mein Körper ist soweit okay", sagte Vonn, deren Start im Slalom am Samstag nicht gefährdet ist. Dann greift das deutsche Frauen-Team mit Weltmeisterin Riesch an der Spitze nochmal nach Edelmetall.

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