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Felix Neureuther fuhr seit 2006 sieben Podestplätze im Slalom-Weltcup ein © getty

Alpindirektor Maier empfindet nach dem Medallienregen von Vancouver "Genugtuung". Das Aus der Slalom-Hoffnung tut dennoch weh.

Whistler - Nach dem Kurzauftritt von Felix Neureuther verließ Wolfgang Maier ein wenig bedröppelt den deutschen Gold-Berg.

"Das trügt ein wenig den guten Gesamteindruck, aber so ist es eben bei der olympischen Achterbahnfahrt", sagte der DSV-Alpindirektor.

Nach den Siegen von Maria Riesch in der Super-Kombination und im Slalom sowie von Viktoria Rebensburg im Riesenslalom hatte er von einem erfolgreichen Abschluss der Olympischen Spiele geträumt.

Doch Neureuther zerstörte diese Hoffnungen nach nur 27 Sekunden.

Nur bei den Frauen top

"Man hofft immer, dass man das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen herstellen kann", sagte Maier, "und dann passiert wieder so eine Scheiße."

Ähnlich wie 1998 bei den Spielen von Nagano, wo die Alpinen letztmals drei Goldmedaillen gewonnen hatten, "sind wir nun wieder bei den Frauen top, und bei den Herren nicht dabei". Das Das starke Geschlecht wartet seit 1994 auf Edelmetall (DATENCENTER: Das Slalom-Ergebnis).

Knapp hinter Razzoli

Neureuther wollte die Wartezeit beenden. Und nach seinem achten Platz beim Riesenslalom schien die Form zu stimmen.

"Überhaupt nicht nervös", sei er am Start gewesen, sagte er, als es vorbei war. Seine Gelassenheit nutzte Neureuther nichts, nach nur 27 Sekunden schied er bereits aus. Dass er bis dahin ordentlich unterwegs war und knapp hinter dem späteren Olympiasieger Giuliano Razzoli aus Italien lag, ließ ihn danach nur wenige Minuten hadern.

"Im ersten Moment kann man es gar nicht glauben, dass es vorbei ist. Und natürlich ist es schade, weil ich weiß, dass ich vorne hätte reinfahren können. Aber ich stecke das gut weg", sagte er.

Der letzte Frust verrauchte am Nachmittag, als er sich mit seinen Eltern und Freunden in einem Hotel in Whistler die Entscheidung ansah. Dann packte er seine Sachen und fuhr nach Vancouver zur Abschlussfeier.

"Das Leben geht weiter"

"Das Leben geht weiter", sagte Neureuther noch, bevor er sich aufmachte. Schließlich gehöre er trotz des Ausscheidens "im Slalom zu den besten der Welt".

Die neue Gelassenheit hat er sich in den vergangenen Wochen hart erarbeitet. Und so verließ er Olympia mit der Erkenntnis, "dass Skisport nicht alles im Leben" ist.

Maier würde das sicher unterschreiben, als Verantwortlicher für die Alpinen tat ihm Neureuthers Aus aber "sehr weh". Doch auch Maier konnte das ernüchternde Ende des Gold-Rauschs nach dem ersten Ärger verschmerzen.

"Letztendlich bleibt die positive Bilanz. Wir hatten das große Glück, außergewöhnliche Spiele erleben zu dürfen. Die drei Goldmedaillen werden uns Auftrieb geben", sagte er 207541(DIASHOW: Die deutschen Alpin-Olympiasiegerinnen).

Aufbauarbeit zahlt sich aus

Mit "Genugtuung" durfte Maier in Kanada erfahren, wie sich die jahrelange geduldige Aufbauarbeit in medaillenlosen Zeiten endlich auszahlte.

"Wir dürfen jetzt aber nicht überheblich werden, sondern müssen so weiterarbeiten", sagte er, und nahm sogleich den Skiverband mit in die Pflicht: "Wenn man uns den Kredit gibt, bin ich mir sicher, dass wir 2014 mehr Herren am Start haben werden."

Diesmal war Neureuther neben dem enttäuschenden Speed-Spezialisten Stephan Keppler noch der einzige. "Dieses schwierige Thema müssen wir angehen", sagte Maier.

Neureuther für Sotschi fest eingeplant

Dafür soll weiter Cheftrainer Karlheinz Waibel verantwortlich zeichnen.

"Wir verfügen über gute Typen, die wir mit Blick auf 2014 konsequent fördern müssen", sagte der. Auch Neureuther soll in vier Jahren noch dabei sein.

"Ich bin ja erst 25", sagte er. Mit Olympia hat er nach drei Ausfällen in vier Rennen noch eine Rechnung offen.

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