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Daron Rahlves gewann im Alpin-Bereich zwölf Weltcup-Rennen © getty

Als Alpiner endete Daron Rahlves' Karriere mit einer bitteren Enttäuschung. Nun will er seine Gold-Mission nachholen - im Cross.

Vancouver - Früher nahm Daron Rahlves die Überholspur, jetzt schlängelt er sich durch den Berufsverkehr.

"Skicross ist ein wenig so, als würde man ein Taxi in Höchstgeschwindigkeit durch die überfüllten Straßen New Yorks steuern. Da kann es schon mal richtig krachen", sagt der 36-Jährige.

Dreimal nahm Rahlves bisher an Winterspielen teil. Bei den Alpinen. Ganz allein auf der Piste.

Bei seinem vierten Start ist nun vieles anders. Rahlves ist jetzt Freestyler. Er muss sich die Strecke mit drei anderen Wagemutigen teilen.

Noch eine Rechnung offen

"Ich bin ein Schlägertyp. Das passt", meint Rahlves mit einem verschmitzten Lächeln, bevor die junge Disziplin am Sonntag (22.18 Uhr LIVE) ihr Olympia-Debüt feiert:

"Ich liebe es, mir hin und wieder selbst mächtig Angst einzujagen. Da ist dieser Sport genau das Richtige. Man weiß nie, was als nächstes passiert. Allerdings fragt mich meine Frau ständig, warum ich mir das noch antue."

Rahlves' Antrieb dürfte jedoch klar sein. Der Amerikaner hat mit Olympia noch eine Rechnung offen.

Als Favorit in Turin abgeschmiert

Bei den Spielen vor vier Jahren in Turin war er als großer Favorit in die alpine Abfahrt gegangen.

Im ersten Training deklassierte er die Konkurrenz, hatte mehr als eine Sekunde Vorsprung vor dem zweitplatzierten Michael Walchhofer und schien den Champagner fast schon kaltstellen zu können. Am Ende stand Rang zehn.

Rahlves schloss sich in seinem Wohnwagen ein, schmollte und beendete seine Laufbahn.

Heimliche Freude in der Szene

Nun ist er wieder da. "Ich will meine Karriere als Skifahrer mit einer Olympia-Medaille krönen", sagt der gebürtige Kalifornier, der 2001 immerhin Weltmeister im Super-G war und auch auf der Streif in Kitzbühel und der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen triumphierte.

Im Januar schaffte es Rahlves im österreichischen St. Johann auch im Cross das erste Mal aufs Podium. Als Zweiter musste er sich nur dem Olympia-Geheimfavoriten Simon Stickl aus Bad Wiessee geschlagen geben.

"Daron zu schlagen, war schon ein irres Gefühl", sagt der erst 22 Jahre alte Newcomer Stickl: "Der Herr hat im Alpinen so hübsch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Bei uns stand er aber noch nicht einmal ganz oben auf dem Treppchen."

Ein wenig freue sich die Cross-Szene darüber: "Es hieß schließlich immer, dass wir anderen keine Chance mehr haben würden, wenn so jemand im Skicross startet."

Leicht gehandicapt

Am Sonntag will Rahlves die Konkurrenz erstmals abhängen. "Ich werde sicher nervöser sein als vor einem alpinen Rennen. Wenn man zu Viert auf die Strecke geht, hängt sehr viel vom Start ab", sagt der Amerikaner, der seine "Mission Gold" aber leicht gehandicapt angehen muss.

Bei den X-Games im Januar erlitt er eine Schulterverletzung.

"Das dürfte kein Problem werden. Momentan bin ich bei 88 Prozent", sagt Rahlves vor der vielleicht wildesten Taxifahrt seiner Karriere.

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