vergrößernverkleinern
Erster Olympiasieger im Skicross wurde der Schweizer Michael Schmid (v.) © getty

Bei der spektakulären Skicross-Premiere gegen die Deutschen leer aus. DSV-Alpindirektor Maier beklagt mangelnde Fairness.

Vancouver - Halsbrecherisch, tollkühn, abgefahren: Nach ihrem spektakulären Olympia-Debüt erklären die Skicrosser sogar die Formel 1 zum Kindergeburtstag.

"Wenn Niki Lauda behauptet, in Monaco fliege man mit dem Hubschrauber durchs Wohnzimmer - dann fliegen wir mit dem Kampfjet durch die Besenkammer", sagte der deutsche Starter Martin Fiala aus Obermaiselstein nach der atemberaubenden Feuertaufe für das Rodeo im Schnee.

Der frühere Super-G-Weltmeister Daron Rahlves hatte zuvor bereits einen anderen Vergleich gefunden.

"Skicross ist, als würde man ein Taxi in Höchstgeschwindigkeit durch die überfüllten Straßen New Yorks steuern", sagte der Amerikaner, der im Achtelfinale dann auch gleich einen Riesencrash hinlegte und ausschied.

Startschuss einer Erfolgsgeschichte?

Für Fiala, der 31. wurde, und den zweiten Deutschen Simon Stickl (Bad Wiessee/19.) war die Olympia-Premiere sportlich ein Ärgernis (DATENCENTER: Skicross-Entscheidung).

Für Skicross dagegen war sie wahrscheinlich der Startschuss einer Erfolgsgeschichte: 4100 Zuschauer und Millionen vor den Fernsehschirmen waren fasziniert.

Die Fahrer rauschten in die Fangzäune, rasten Schulter an Schulter ins Tal und knallten aus acht Metern Höhe rücklings auf die beängstigend steile Piste.

Schmid erster Olympiasieger

"Adrenalin, Action, Abenteuer - es geht Mann gegen Mann. Steilkurven, Sprünge, der Wahnsinn", sagte Stickl. Der 22-Jährige erwischte in der Qualifikation die Startnummer eins und durfte das neue Olympia-Kapitel aufschlagen.

Das Herz schlug ihm dabei bis zum Hals. "Es war ein geiles Gefühl, Geschichte zu schreiben", sagte er.

Erster Skicross-Olympiasieger wurde der Schweizer Michael Schmid vor Weltmeister Andreas Matt (Österreich) und Audun Grönvold (Norwegen).

Fialas Reise ist zu Ende

Fiala schlug das Buch dagegen zu. "Für mich ist mit diesem Rennen die Reise zu Ende. Man wird mich weiter auf schneebedeckten Hängen finden, aber nicht im Wettbewerb", sagte der 42-Jährige, der nach seinem Aus im Achtelfinale noch lauthals geflucht hatte.

Dann prägte er den Ausspruch vom Düsenjäger im Abstellraum und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Maier sieht noch Schwächen

Nicht so richtig lachen konnte Wolfgang Maier nach der Premiere. Der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes (DSV) bescheinigte dem jüngsten Kind der olympischen Familie zwar ein enormes Potenzial, sieht aber auch noch Schwächen.

"Die Show ist spektakulär und cool, aber für die Fairness muss man sich noch was einfallen lassen", sagte Maier. Stickl erlebte das hautnah, denn er schied nur aus, weil ein Konkurrent vor seinen Füßen stürzte.

Zwar rettete sich Stickl mit einer akrobatischen Drehung, verlor dabei aber soviel Speed, dass er auf den letzten Metern noch abgefangen wurde.

Drei deutsche Starterinnen

Am Dienstag (19.30 LIVE) wagen sich die Frauen auf die 1144 m lange Piste, die "schwerste Strecke der Welt" (Stickl). 16 aberwitzige Sprünge, Steilkurven und 216 Höhenmeter sind zu überwinden.

"Ich habe mir noch die Haare schwarz-rot-gold gefärbt. Vielleicht bringt mir das ja Glück", sagte Heidi Zacher, eine von drei deutschen Starterinnen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel