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Michael Uhrmann landete in Turin 2006 auf dem 4. Platz © getty

Nach Blech und Sturz schon abgeschrieben, hofft Michael Uhrmann auf die längst fällige Einzelmedaille und warnt die Überflieger.

Whistler - Die Zeit ist reif für den ganz großen olympischen Moment.

Vor vier Jahren fehlten Michael Uhrmann auf der Normalschanze winzige 25 Zentimeter zu Bronze, am Samstag (19.45 Uhr LIVE) will er in der ersten Olympia-Entscheidung von Vancouver am liebsten als Überraschungsgast auf dem Podest landen.

"Das mit der Einzel-Medaille wird schwer, aber ist nicht unmöglich, wenn bei mir so richtig der Knopf aufgeht", sagt Uhrmann.

Im Abschlusstraining im Callaghan Valley staunten Doppel-Olympiasieger Simon Ammann und Co. nicht schlecht, als der 31-Jährige in einem Durchgang die beste Weite aller Medaillenanwärter sprang und anschließend locker auf seinen letzten Sprung verzichtete.

Bodmer schnappt sich letztes Ticket

Auch Michael Neumayer (Berchtesgaden/102,5) und Martin Schmitt (Furtwangen/102) hielten im Regen in der Weltelite mit.

Den weitesten Sprung stand der Pole Adam Malysz mit 109,5 Metern.

Das letzte deutsche Ticket für das Springen in Whistler (Quali 19 Uhr LIVE) sicherte sich Pascal Bodmer, der in den beiden Ausscheidungssprüngen jeweils einen Meter weiter sprang als der Oberhofer Andreas Wank.

Auf Schmitts Rechnung

"Einige der Überflieger werden noch schauen, wie das der Uhrmann macht", sagt Uhrmann mit einem Grinsen. (Schmitts Stufenplan zur Team-Medaille)

Und auch Bundestrainer Werner Schuster hält ihn genau wie Martin Schmitt für "einen, der für eine richtige Überraschung sorgen kann".

Uhrmann hat keinen Druck. Er muss nicht unbedingt aufs Podest, denn das olympische Team-Gold von 2002 kann ihm niemand mehr nehmen. Aber Uhrmann möchte gern, schließlich hat er sich einen großen Einzelerfolg längst verdient.

"Nicht unbedingt danach gieren"

Da ist zum einen der unglückliche vierte Platz von Turin, "den ich nie vergessen werde", zum anderen sein Unglück bei der WM 2007 in Sapporo.

Damals war er als Goldanwärter angereist, doch bei einem schweren Trainings-Sturz brach er sich den Mittelfuß. (DATENCENTER: Termine und Ergebnisse)

Psychologen sollten ihn schon auf das Ende seiner Karriere vorbereiten, doch Uhrmann kam wieder zurück und ist jetzt pünktlich zu Olympia so gut in Form wie lange nicht mehr: "Ich habe es ja hier leicht. Ich habe Olympia-Gold im Team schon und muss nicht unbedingt danach gieren. Aber eine Medaille möchte ich schon, damit ich mein letztes Olympia mit einem guten Gefühl verlassen kann."

Fortsetzung Familiensache

Wohl jeder im Skisprung-Zirkus würde ihm diesen Erfolg gönnen, denn Uhrmann ist einer, der seinen Sport ernst, aber nicht zu ernst nimmt.

Der verheiratete Vater der kleinen Töchter Leni und Emily liebt seine Familie mindestens genauso wie das Fliegen. "Meine Kleine ist erst gute drei Monate alt, deshalb fliegt keiner von der Familie rüber, um mich zu unterstützen. Deshalb wird es umso schöner sein, wenn ich dann nach so langer Zeit zu meinen Frauen zurückkomme."

Wegen seiner Liebsten will Uhrmann erst nach der Saison entscheiden, ob er noch einen Winter als Skispringer dranhängt.

"Das Springen muss mir noch Spaß machen", sagt er: "Und momentan macht es sehr viel Spaß."

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