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Die Silber-Jungs von links: Neumayer, Wank, Schmitt und Uhrmann © getty

Michael Uhrmann bejubelt den Medaillen-Coup und seine Top-Leistung unter höchstem Druck. Martin Schmitt bedankt sich nach seinem Patzer bei den Teamkollegen.

Aus Vancouver berichtet Gregor Derichs

Whistler - Die Stimme des Stadionsprechers überschlug sich. "Das ist das Ende dieser großartigen Schau", rief der Kanadier erregt und animierte das Publikum zu einem Beifallssturm.

"Es herrscht ein solcher Druck auf die Springer. Die Emotionen treiben der Spitze entgegen", schrie der Ansager einige Sekunden später.

Michael Uhrmann stand oben auf der Schanze, der Norweger Anders Jacobsen war zuvor 140,5 m weit geflogen, die Medaille der deutschen Skispringer war in akuter Gefahr, weil Martin Schmitt zuvor nur einen größer geratenen Hüpfer produziert hatte.

Uhrmann, der 31-jährige Bundespolizist aber blieb cool, der schlanke Athlet aus Rastbüchl vollzog einen Satz auf 140,0 m.

"Das war ein Supersprung. Meine Leistung war tiptop", freute sich Uhrmann, dass er die Nerven behalten hatte(DATENCENTER: Ergebnis Teamspringen).

Schlierenzauer springt Gold nach Hause

Sein Abschluss bedeutete die Endabrechnung von 1035,8 Punkten für Michael Neumayer, Andreas Wank, Schmitt und Uhrmann als deutsches Team. Die DSV-Adler lagen auf Platz eins, für zwei Minuten wehte ein leichter Gold-Hauch für Deutschland durch den Olympic Park von Whistler.

Doch die Österreicher ließen es sich natürlich nicht mehr nehmen, Doppel-Bronzegewinner Gregor Schlierenzauer rundete die perfekte Vorstellung der Austria-Equipe (1107,9) mit dem Tagesbestsprung von 146,5 m ab.

Die Österreicher mit Andreas Kofler, Wolfgang Loitzl, Thomas Morgenstern und Schlierenzauer gewannen vor den deutschen Springern, für sich der zweite Platz wie ein Sieg anfühlte, und Norwegen (1030,3).

Große Enttäuschung herrschte bei den Finnen (1014,6), die auf Platz vier landeten und als große Springer-Nation in allen Schanzen-Wettbewerben ohne Medaille geblieben waren.

Schmitt bringt Medaille in Gefahr

"Ich bin einfach glücklich, ich bedanke mich bei allen", sagte Schmitt. Acht Jahre nach dem Olympiasieg von 2002 in Salt Lake City, an dem auch Uhrmann schon beteiligt war, mussten es die anderen richten. (DATENCENTER: Alle Olympia-Ergebnisse)

Der 32-Jährige hatte die Medaille kurz vor der Entscheidung in Gefahr gebracht, als er nur 122 m sprang.

"Ich wollte das Ergebnis nicht nur halten, ich wollte es ausbauen. Ich bin dann verdreht rausgekommen", begründete er seine enttäuschende Vorstellung im Finale. Schon im ersten Durchgang hatte er mit 128 m das schlechteste Ergebnis erzielt.

Aber der junge Wank mit sehr guten 139 m und Neumayer mit 136,5 m hatten im Finale für ein so gutes Polster gesorgt, sodass das DSV-Team auf Platz zwei blieb. Uhrmann zog schließlich den silbernen Strich unter das Resultat.

Ammanns Prognose geht auf

Der Experten-Tipp von Doppelolympiasieger Simon Ammann hatte sich damit bestätigt. Das Gold ging wie 2006 in Turin an Österreich. Auch den Zweikampf zwischen Norwegen und Deutschland um Silber hatte der Schweizer Ammann prognostiziert.

Er selbst war nicht am Start, der Schweiz fehlen zwei Springer für eine Mannschaft.

Rekord für Österreich

Die Österreicher stellten einen finnischen Rekord von fünf Siegen in Folge bei Großereignissen ? Weltmeisterschaften oder Olympischen Spiele ? ein. Die Weltmeister von 2005, 2007 und 2009, die auch bei den Winterspielen in Turin Gold eingeflogen hatten, reisten damit halbwegs zufrieden ab.

In den Einzeln hatten sie sich mehr erhofft als nur zweimal Bronze für Schlierenzauer.

Wanks Einsatz zahlt sich aus

Bundestrainer Werner Schuster traf die richtige Entscheidung, als er dem Oberhofer Wank (22) nach dessen passablem Debüt von der Großschanze den Vorzug vor Jungstar Pascal Bodmer gab. Der ehemalige zweifache Junioren-Weltmeister, der aus Halle an der Saale kommt, enttäuschte das ihn gesetzte Vertrauen nicht.

"Ich hatte generell ein sehr gutes Gefühl. Das Team hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben", erklärte Wank.

Finnen ohne Ahonen

Die enttäuschenden Finnen hatten auf den zweifachen Weltcup-Gesamtsieger Janne Ahonen verzichten müssen, der sich beim Training fürs Springen von der Großschanze eine Knieblessur zugezogen hatte.

Der Coach war zuversichtlich, auch mit Ersatzmann Kalle Keituri "ein gutes Team" zu haben. Mit Ahonen hatten die Finnen 2002 in Salt Lake City hinter Deutschland und 2006 in Turin Silber gewonnen. Aus Vancouver reisen sie indessen sehr enttäuscht ab.

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