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Konstantin Schad (v.) qualifizierte sich im letzten Weltcup mit Platz 14 für Olympia © getty

"Dieser Sport ist der Wahnsinn". Snowboardercrosser Konstantin Schad wirbt selbstbewusst für eine spektakuläre Olympia-Disziplin.

Von Nikolai Kube

München - Der ursprüngliche Interviewtermin ist geplatzt. Der Grund: Konstantin Schad muss zum Arzt.

Sein arg in Mitleidenschaft gezogener Rücken streikt mal wieder. Diesmal ist es ein Hexenschuss, der ihn außer Gefecht setzt.

Premiere in Turin

Doch "Jammern bringt nichts", sagt der Sportsoldat vom SC Miesbach im Gespräch mit Sport1.de - denn Olympia steht vor der Tür. Olympia in Vancouver.

Schad hat sich als einer von acht deutschen Snowboardern ein Ticket nach Vancouver gesichert und wird am 15. Februar in der Disziplin Boardercross gegen die Besten der Welt um die Medaillen kämpfen.

Boardercross? Nicht jedem ist diese Sportart ein Begriff. Doch sie ist bereits zum zweiten Mal nach Turin 2006 olympisch.

Jeweils vier Konkurrenten stürzen sich einen steilen Abhang mit scharfen Kurven und atemberaubenden Sprüngen (bis zu 25 Metern) hinunter - und das im höchsten Tempo: Die Höchstgeschwindigkeit reicht bis zu 100 km/h.

Ellenbogen sind wichtig

Die beiden Erstplatzierten eines Heats steigen jeweils einen Runde auf, bis sie, im besten Fall, das Finale erreichen.

Das Verrückte: Körperkontakt ist erlaubt! Die Athleten dürfen ihre Ellenbogen ausfahren und somit ihre Position verteidigen. Stürze und Verletzungen sind vorprogrammiert.

Da wundert es nicht, dass Schad einen Hexenschuss als "kleineres Wehwehchen" bezeichnet.

Wie ein Eishockeyspieler

"Prellungen und Brüche sind ganz normal, denn wir landen fast immer auf dem Rücken. Ich bin auch schon mit einem Meniskusriss gefahren", so der 22-Jährige und fügt schmunzelnd hinzu: "Man darf eben kein Weichei sein."

Wie ein Weichei kommt Schad freilich nicht daher. Der Boardercrosser, der bereits mit 16 in die Nationalmannschaft berufen wurde, nimmt schon eher die Gestalt eines Eishockeyspielers an.

"Wir müssen uns nicht herunterhungern wie beispielsweise die Skispringer." Denn Ausdauer und Masse seien von entscheidender Bedeutung, um sich gegen die starke Konkurrenz behaupten zu können.

"Ich gehöre zu den Besten"

Auch an Selbstbewusstsein mangelt es der deutschen Hoffnung nicht. "Vom fahrerischen Können gehöre ich zu den Besten. Eine Medaille ist auf jeden Fall drin", sagt Schad, dessen bestes Ergebnis im Weltcup ein vierter Platz war. Sein Blick auf die Olympischen Spiele ist also durchaus optimistisch.

Die Vorfreude auf den Wettkampf, für den im Boardercross-verrückten Kanada bis zu 10.000 Zuschauer erwartet werden, ist riesig: "Für mich geht ein Traum in Erfüllung. Ich bin extrem stolz."

Ein Traum, der beinahe geplatzt wäre.

Nach einer weitestgehend verkorksten Saison mit vielen Verletzungsproblemen fehlte dem gebürtigen Rosenheimer vor dem letzten Rennen in Kanada noch ein 14. Platz, um im letzten Moment auf den Zug nach Vancouver aufzuspringen.

Sieg im Fotofinish

Nur hauchdünn setzte sich Schad in der Runde der letzten 32 im Fotofinish gegen seinen bereits qualifizierten Konkurrenten Nate Holland, USA durch und verhinderte damit den Super-Gau.

"Ich war nervlich am Ende, meine Augenlider haben pausenlos gezuckt", beschreibt er seinen Gemütszustand.

Bei seinen ersten Olympischen Spielen wird Schad gemeinsam mit Landsmann David Speiser versuchen, den Medaillenspiegel aufzupolieren.

Sehnsucht nach Schlagzeilen

Der Teamkollege des Snowboard-Artisten gehört ebenso zu den 153 glücklichen deutschen Wintersportlern, die in Vancouver an den Start gehen.

"David ist ein erfahrener, entspannter Typ", sagt er über seinen 29-Jährigen Kollegen, der die Qualifikation bereits im Dezember fix gemacht hat.

Gemeinsam wollen sie dazu beitragen, dass Boardercross in Deutschland an Ansehen gewinnt.

"Wir liefern ein super Format. Diese Sportart ist definitiv im Kommen und der Wahnsinn", meint Schad: "Es muss nur mal einer von uns sportlich richtig für Schlagzeilen sorgen."

In Vancouver besteht die Gelegenheit dazu.

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