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Amelei Kober gewann 2008/09 den Gesamt-Weltcup © getty

Amelie Kober gehört zu den heißen Medaillenkandidatinnen. Im Interview spricht sie über den Druck und attackiert den Verband.

Von Andreas Kloo

München - Amelie Kober weiß bereits, wie sich eine olympische Medaille anfühlt. Vor vier Jahren in Turin gewann die damals 18-Jährige überraschend die Silbermedaille im Parallel-Riesenslalom.

In Vancouver will sie dieses Kunststück wiederholen. "Es wäre ein Traum, wenn das wieder klappen würde", sagt Kober im Interview mit Sport1.de.

Allerdings kann sie diesmal nicht in der Rolle der Außenseiterin antreten. Spätestens nach ihrem Heimsieg bei der Olympia-Generalprobe am Sudelfeld gehört sie zu den Mitfavoritinnen in Vancouver. (Der Olympia-Zeitplan)

Im Interview mit Sport1.de (Das Video) erzählt die Oberbayerin, wie sie mit dem Druck vor Olympia umgeht. Außerdem kritisiert sie den Snowboard-Verband und sorgt sich um den Zustand der Piste in Kanada.

Sport1.de: Vom Sieg einmal abgesehen, wie gut tut es, vor Olympia, nochmal ein Rennen in der Heimat zu bestreiten?

Amelie Kober: Ja, das ist schon nochmal ganz schön. Ich war nochmal zu Hause bei der Familie. Das war entspannend, Und ich kenne ja auch die ganzen Leute hier in Bayerischzell.

Sport1.de: Wobei es vom Ablauf her nicht so ideal war, dass sie beim vorletzten Weltcup in Kanada waren, jetzt nochmal zurückflogen und nun wieder nach Kanada.

Amelie Kober: Der Plan ist katastrophal. Anfangs haben wir uns darüber geärgert. Aber inzwischen sehe ich das gelassener. Es ist, wie es ist und man kann es sowieso nicht ändern.

Sport1.de: Im Januar waren Sie nicht gut drauf, aber in Bayerischzell gelang Ihnen jetzt ein Sieg. Wie würden Sie Ihren Formzustand vor Olympia beschreiben?

Kober: Ich war auch im Januar immer unter den ersten Zehn, so schlecht ist das auch nicht. Wird sich zeigen, was bei Olympia noch geht.

Sport1.de: Aber eine Medaille sollte es nach Ihrer Silbermedaille in Turin schon wieder sein, oder?

Kober: Ich sage das eigentlich immer ungern. Aber der Wunsch nach einer Medaille ist natürlich sehr groß. Es wäre ein Traum, wenn das wieder klappen würde.

Sport1.de: Spüren Sie da auch einen gewissen Druck von außen? (Alle Wettbewerbe im Sport1.de-Liveticker)

Kober: Ja, Druck ist jede Menge da. Das ist schon der Wahnsinn. Vor allem durch das Heimrennen hat sich das alles noch verstärkt. Aber das hat auch etwas Positives. Denn dadurch merkt man, dass doch der eine oder andere auf die Sportart aufmerksam geworden ist.

Sport1.de: Wenn Sie zurückblicken: Wie groß war denn die Aufmerksamkeit vor vier Jahren, bevor Sie Silber gewannen?

Sport1.de: Vor vier Jahren war das alles noch völlig anders. Da hat keiner von uns Notiz genommen. Meine Qualifikation war ein bisschen interessant, weil ich mit 18 Jahren noch so jung war. Das war es dann aber auch schon. Seitdem hat sich alles ganz gut entwickelt, aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

Sport1.de: Auch um die Aufmerksamkeit der Sportart zu steigern, fordert der Verband ja eine Medaille bei Olympia.

Kober: Das ist in der Tat so, dass der Verband sagt: Eine Medaille ist Pflicht. Aber da muss ich sagen: Das ist nicht mein Problem. Ich finde es etwas unfair und unprofessionell, dass man den Druck so auf die Sportler abwälzt. Aber das ist der letzte Grund, warum ich eine Medaille holen will.

Sport1.de: Wer werden denn die härtesten Konkurrentinnen um eine Medaille sein?

Kober: . Starke Konkurrentinnen sehe ich zum einen im eigenen Lager mit Isabella Laböck und Anke Karstens, aber auch mit den Österreicherinnen und Schweizerinnen. Letzlich entscheidet dann ohnehin nur die Tagesform.

Sport1.de: Wissen Sie, ob Ihnen die Piste in Kanada liegt?

Kober: Mit der Piste könnte es ein Problem geben. Zwei Tage vor uns fahren da die Skicrosser. Also wenn wir Pech haben, finden wir eine Matschpiste vor.

Sport1.de: Der Veranstalter hatte darüber hinaus zuletzt Probleme mit dem Schneemangel. Haben Sie diese Meldungen beunruhigt?

Kober: Nein, man muss die Wetterverhältnisse so nehmen, wie sie sind. Man kann es sowieso nicht ändern.

Sport1.de: Werden Sie sich in Vancouver auch mal andere Wettbewerbe anschauen?

Kober: Wir nehmen an der Eröffnungsfeier in Vancouver teil, aber dann fahren wir zum Trainieren nach Vancouver Island und werden dann ganz knapp zum Wettkampf wieder anreisen. Ich werde also nicht so viel mitbekommen. Aber wir wohnen im Olympischen Dorf in Vancouver. Da trifft man sicherlich einige andere Sportler.

Sport1.de: Gibt es bestimmte Sportler aus anderen Sportarten, auf die Sie sich freuen?

Kober: Keine bestimmten. Aber es wird sicher mal so sein, dass man beim Essen sitzt und sagt: 'Hey, schau mal, wer da drüben sitzt.'

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