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Fehlen seit Geburt aufgrund eines Gen-Defekts beide Wadenbeine: Oscar Pistorius © imago

Auf den Spuren Usain Bolts: Oscar Pistorius ersprintet bei den Paralympics über 100 m sein erstes Gold. Und er erweist sich als Gentleman.

Peking - Erst jubelte er kurz vor der Kurve, dann half er einem gestürzten Vorgänger auf die Beine:

Der als "Blade Runner" bekannt geworde Oscar Pistorius begeisterte die Zuschauer beim mit Spannung erwarteten ersten Auftritt bei den XIII. Paralympics in Peking und erwies sich auch als fairer Sportsmann.

Nach seinem Sieg über 100 m in 11,17 Sekunden kümmerte sich der Südafrikaner um Athen-Paralympics-Sieger Marlon Shirley (USA), der mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Bahn lag.

Der "schnellste Mann auf keinem Bein" bewies somit eindrucksvoll, warum ihn Deutschlands bester Stelzensprinter Heinrich Popow für einen "Glücksfall für den Behindertensport" hält.

Fast für Olympia qualifiziert

Pistorius machte weltweit Schlagzeilen, als er sich im Mai vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF durchsetzte und seine Zulassung für Wettkämpfe der Nicht-Behinderten erwirkte.

Die Qualifikation für Olympia verpasste er aber knapp.

"Das war eine große Enttäuschung. Doch die Zeit war sehr knapp, und die gerichtlichen Auseinandersetzungen haben viel Kraft für das Training gekostet", sagt der 21-Jährige rückblickend: "Aber ich würde es jederzeit wieder tun. Ich habe die Tür geöffnet für behinderte Sportler, und allein das war es schon wert."

Großes Lob für Pistorius

Das sieht auch Popow so. Der 24 Jahre alte Leverkusener, der den dreifachen Athen-Sieger Wojtek Czyz inzwischen als besten deutschen Sprinter abgelöst hat, betrachtet Pistorius als "das Beste, was dem Behindertensport passieren konnte".

Nicht nur, weil die Debatten in der Öffentlichkeit große Beachtung fanden, "sondern vor allem, weil er wirklich den Sport in den Vordergrund gerückt hat".

Dass der seit dem Babyalter beidseitig unterschenkelamputierte Südafrikaner nur deshalb mit den Nicht-Behinderten mithalten könne, weil er durch seine "Cheetah Flex"-Protesen Vorteile habe, hält Popow für "Quatsch. Die ganze Diskussion ist unnötig. Seine Protesen gibt es seit acht Jahren. Jeder könnte sie haben. Aber nicht jeder könnte damit umgehen."

London 2012 im Visier

Olympia 2012 in London ist für Pistorius nun das große Ziel.

"Es bleibt mein Traum, mich auf diesem Niveau mit Nicht-Behinderten zu messen. Und ich verspreche, ich werde immer schneller und schneller werden", kündigte er an: "Und ich hoffe, dass die Entscheidung darüber auf der Laufbahn und nicht vor Gericht fällt."

Dreifaches Gold?

Doch auch den Paralympics will er sich mit voller Kraft widmen.

"Das ist für mich kein Ereignis zweiter Klasse", sagte er: "Es ist dieselbe Bühne wie Olympia und ich bin sehr stolz, dabei sein zu können."

Seine Ziele hat er auch klar formuliert: "Ich will dreimal Gold holen und mindestens einen Weltrekord brechen."

Sollte letzteres nicht klappen, wäre es allerdings nicht so tragisch. Die Rekorde gehören ohnehin schon alle ihm.

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