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Damals noch Tränen der Freude: Grimm bei der ersten Siegerehrung © getty

Der Skandal um die Aberkennung der Goldmedaille von Thomas Grimm geht weiter. Der Gang vor den CAS bleibt eine Option.

Peking - Der Skandal um die Aberkennung der Goldmedaille des Berliner Schwimmers Thomas Grimm bei den Paralympics in Peking wird für das Internationale Paralympische Komitee (IPC) immer mehr zur peinlichen Posse.

Das IPC gestand am Samstag mehrere Formfehler ein, zog einige Kampfrichter vom Schwimmen ab, lässt dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) aber keine Chance auf einen Protest.

Am Ende steht ein skandalöses Urteil: Der technische Verstoß des zwischenzeitlich disqualifizierten Pedro Rangel wegen zu vieler Tauchzüge ist erwiesen, seine Disqualifikation war somit rechtens, aber der Mexikaner wird die Goldmedaille behalten.

Tatsachen-Entscheidung spricht für Rangel

Denn aufgrund eines IPC-Formfehlers und eines übereifrigen Kampfrichters kann ihm das nachträglich erhaltene Gold nicht aberkannt werden. Der Ober-Schiedsrichter hatte das Ergebnis offenbar vor der Rückmeldung aller Beckenrichter an der Anzeigetafel veröffentlicht, dies gilt laut IPC als "Tatsachen-Entscheidung".

"Das ist sportlich eine Katastrophe", sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade: "Man muss den Sport immer über Formalien stellen. Hier wird alles professionalisiert, aber was wir gerade erleben, ist fürchterlich."

Entscheidung gegen den Sport

Und selbst Grimm, der die Aberkennung des in einer Siegerehrung verliehenen Golds im letzten Rennen seiner Karriere am Freitag noch sportlich hingenommen hatte, war verärgert.

"Die ganze Geschichte erscheint in einem gänzlich anderen Licht", sagte der 35-Jährige: "Das ist eine Entscheidung gegen den Sport. Deshalb ist die ganze Sache super ärgerlich."

"Deckel drauf und gut"

Ob der DBS vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) zieht, ist noch offen. "Ich weiß nicht, ob das das sein muss", sagte Grimm: "So ein Prozess würde sich Monate hinziehen. Und wenn man dann nachträglich Gold erhält, bleibt ein fader Beigeschmack. Ich würde sagen: Deckel drauf und gut."

Quade sagte, er wolle "das Wort CAS zum jetzigen Zeitpunkt nicht in den Mund nehmen. Erstmal wollen wir in einem offiziellen Schreiben unserem Unmut Luft machen."

Von der Reaktion des IPC hängt das weitere Vorgehen des DSB ab. Grimm rechnet aber nicht damit, dass es von seiner Position abrücken wird. "Ich gehe nicht davon aus, dass es eine dritte Siegerehrung geben wird", sagte der Berliner: "Das wäre ja der Gipfel."

IPC macht sich lächerlich

Ins Bild passt der Fall der iranischen Rollstuhl-Basketballer. Ihr Viertelfinale gegen die USA wurde kurzfristig vorverlegt, auf eine Beschwerde gab das IPC laut iranischem Verband keine Antwort.

Die Iraner traten zu dem Spiel nicht an.

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