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Holte neun Mal Gold bei Paralympics: Marianne Buggenhagen © getty

Deutschlands erfolgreichste Behindertensportlerin nimmt als Achte Abschied. Andere Deutsche überraschen bei den Paralympics.

Peking - Viermal Gold, viel Ärger um das Internationale Paralympische Komitee (IPC) und der Abschied der "ewigen" Marianne Buggenhagen: Die deutschen Behindertensportler erlebten bei den XIII. Paralympics in Peking ein bewegtes Wochenende.

Die 13. Goldmedaille holte am Sonntag die gelähmte Martina Willing aus Brandenburg im Speerwurf beim Abschied von Deutschlands erfolgreichster Behindertensportlerin.

Die 55 Jahre alte Buggenhagen, neunmalige Paralympics-Siegerin und Deutschlands Sportlerin des Jahres 1994, wurde im letzten Wettkampf ihrer Karriere Achte.

Schröder rückt zum Sieger auf

Zuvor sorgten die Berliner Sonar-Segelmannschaft mit Jens Kroker, Siegmund Mainka und Robert Prem sowie die querschnittsgelähmte Magdeburgerin Andrea Eskau im Straßenrennen der Handbike-Radfahrer für großen Jubel.

Zudem rückte auch der sehbhinderte Leichtathlet Matthias Schröder nach der Disqualifikation des Chinesen Yansong Li unverhofft zum Sieger über 400 m auf.

"Als ich davon gehört habe, war die Freude doppelt groß", sagte der Berliner. Vier Silber- und sechs Bronze-Medaillen rundeten das Wochenende sportlich ab.

"Alles rechtens"

Die Entscheidung über Schröders Platzierung fiel mit zwei Stunden Verspätung, da das IPC diesmal den Protest gegen Li, der die Bahn verlassen hatte, abwartete.

"Diesmal ist alles rechtens abgelaufen", sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade, nachdem das IPC mit einer peinlichen Posse für großen Unmut im deutschen Lager gesorgt hatte.

Keine Chance auf einen Protest

Nach dem Skandal um die Aberkennung der Goldmedaille des Berliner Schwimmers Thomas Grimm hatte das IPC einige Formfehler eingestanden, Kampfrichter vom Schwimmen abgezogen, dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) aber keine Chance auf einen Protest gelassen.

Und das obwohl die zwischenzeitliche Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel nachweislich richtig war.

"Das ist sportlich eine absolute Katastrophe", sagte Quade. Ob der DBS vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen wird, ist noch offen. "Erstmal wollen wir unserem Unmut in einem Schreiben Luft machen. Mit dem jetzigen Ergebnis geben wir uns nicht zufrieden", sagte Quade.

Gold für Popow "eine Nummer zu groß"

Stelzen-Sprinter Heinrich Popow wurde über 100 m Zweiter hinter dem ehemaligen Doping-Sünder Earle Connor aus Kanada, der damit die Nachfolge von Wojtek Czyz antritt. Der Kaiserslauterer konzentriert sich wegen einer Fußverletzung auf den Weitsprung.

"Gold war einfach eine Nummer zu groß", sagte Popow. Einen bitteren Beigeschmack wegen der Doping-Vergangenheit Connors, der 2004 in Athen gesperrt war, sieht er nicht. "Er hat eine Dummheit gemacht", sagte der Leverkusener: "Aber er hat es mir erklärt, und jeder hat eine zweite Chance verdient."

Sprinterinnen überraschen

Insgesamt sechs Medaillen gab es am Wochenende in der Leichtathletik. Dabei überraschten in der 18 Jahre alten Claudia Nicoleitzik (Püttlingen/Silber) und der ein Jahr jüngeren teilgelähmten Maria Seifert (Erfurt/Bronze) zwei junge Sprinterinnen über 200 m.

"Seifert hat zweimal Bronze gewonnen, sie wird für die Zukunft eine verlässliche Größe", sagte Quade. Auch die 54 Jahre alte teilgelähmte Birgit Pohl (Gera) im Speerwurf und der spastisch gelähmte Kugelstoßer Thomas Loosch (Wattenscheid) wurden jeweils Dritte. 100-m-Siegerin Katrin Green (Leverkusen) belegte über 200 m nach einem Fotofinish Rang vier, nur zwei Hundertstel hinter der Siegerin.

Rollstuhl-Basketballerinnen im Finale

In den Straßenrennen der Radfahrer gewann Max Weber (Obergünzbach) Silber und Dorothee Vieth (Hamburg) Bronze.

Die kleinwüchsige Maria Götze (Chemnitz) erschwamm Bronze über 400 m Freistil. Die deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen stehen am Montagabend im Finale gegen die USA.

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