vergrößernverkleinern
Wojtek Czyz feiert den Weitsprung-Sieg in Peking mit seiner Tochter © imago

Wojtek Czyz feiert den bewegendsten Moment seiner Karriere mit dem Triumph und Weitsprung-Weltrekord in Peking. Er bangt um seinen Vater.

Peking - Nach seinem Dreifach-Erfolg von Athen und der Umarmung von Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde Wojtek Czyz 2004 zum Medien-Star, seinen beeindruckendsten und bewegendsten Sieg feierte der 28-Jährige aber am Dienstag in Peking.

Nach einem nahezu unfassbaren Jahr voller Rückschläge und Schicksalsschläge stand der Kaiserslauterer auch nach dem vierten Paralympics-Wettkampf seiner Karriere ganz oben auf dem Siegerpodest und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Den Erfolg im Weitsprung widmete der oberschenkelamputierte Athlet seinem schwer kranken Vater Jan.

"Er hat noch geschlafen, weil er an der Dialyse hängt", sagte Czyz mit feuchten Augen: "Es ist eine neue, schwere Situation für uns alle, aber wir werden auch das meistern. Dieser Sieg war jedenfalls nur für ihn."

Von großen Schmerzen geplagt

Deshalb stellte er den Triumph emotional über die Erfolge von vor vier Jahren: "Damals bin ich als junger Kerl zu den Spielen gefahren und habe ganz unbeschwert dreimal Gold geholt. Aber diesmal hängt so unheimlich viel dran an diesem Sieg."

Von großen Schmerzen geplagt durch einen Ermüdungs-Anbruch im Fuß hatte Czyz gleich im ersten Versuch mit 6,50 m einen Weltrekord vorgelegt und konnte sein Glück anschließend kaum fassen.

"Wenn man sich ansieht, was in den letzten Wochen alles passiert ist, kann man das eigentlich kaum glauben", sagte er eine Stunde später immer noch tief bewegt.

Pfeiffersches Drüsenfieber

"Vor zwölf Wochen bin ich am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt. Ich wurde in diesem Jahr am Stumpf und am Kiefer operiert, konnte wegen der Fußschmerzen fast nicht trainieren."

Als kurz vor dem Abflug nach Peking der Vater erkrankte, muss Czyz das Leben wie ein Albtraum vorgekommen sein. "Mein Vater wollte eigentlich dabei sein. Der Flug, das Hotel, alles war schon gebucht. Nun hat er den Wettkampf nicht mal im Fernsehen verfolgen können."

Um ein Haar hätte Czyz wegen der Fußverletzung auch gar nicht antreten können. Auf die geliebten 100 Meter musste er verzichten, die 200 Meter gehörten nicht mehr zum Programm, "aber die hätte ich ohnehin nicht laufen können", sagte er.

Weitsprung-Chancen größer

Doch im Sprung war die Belastung geringer, weil Czyz mit der Protese abspringt. Außerdem schienen seine Gold-Chancen größer.

Er wusste: "Die Schmerzen waren groß, aber für einen guten Sprung könnte es reichen. Und das musste der erste sein."

In den legte Czyz alles rein. Am Ende stand eine Weite, die nicht mal die eigentlich bevorteilten unterschenkelamputierten Springer toppen konnten.

Verzicht auf Sprint richtig

Der Verzicht auf den Sprint erwies sich als richtig. "Es war die einzig richtige Entscheidung", sagte Czyz. Einst träumte er von einer großen Karriere als Fußballer, bei einem Foul des gegnerischen Torwarts 2001 wurde er aber so schwer verletzt, dass das linke Bein oberhalb des Knies amputiert werden musste.

"Wäre er gelaufen, hätte er im Weitsprung bestimmt ein Problem gehabt", meinte Teamarzt Thomas Raabe.

Und Bundestrainer Ralf Otto meinte: "Wir haben auf ein sicheres Silber und die Chance auf Gold verzichten müssen, aber das Risiko war einfach zu groß.

Heinrich Popow mit drei ungültigen Sprüngen

Für seinen Athleten empfindet Otto große Bewunderung: "Wojtek steht einfach über den Dingen. Er hat in letzter Zeit so viel Schmerz ertragen müssen. Aber das kann wahrscheinlich niemand besser als er."

Enttäuschend verlief der Weitsprung dagegen für Heinrich Popow. Der Leverkusener, der über 100 m diesmal Silber und in Athen dreimal Bronze geholt hatte, schied nach drei ungültigen Versuchen im Vorkampf aus.

Von Otto gab es aber keinen Vorwurf: "Vor dem dritten Sprung war klar, dass er an seine Bestleistung hätte rankommen müssen, um ins Finale zu kommen. Deshalb war ein Sicherheitssprung nicht möglich."

Pistorius siegt mit Weltrekord

Stelzen-Sprinter Oscar Pistorius aus Südafrika hat beim dritten Start bei den Paralympics in Peking das dritte Gold geholt und endlich auch den angestrebten Weltrekord geschafft.

Der 21 Jahre alte "Blade Runner", der seine Starterlaubnis für Olympia beim Internationalen Sportgerichtshof CAS durchgesetzt, die Norm aber knapp verpasst hatte, gewann über seine Spezialstrecke 400 m in 47,49 Sekunden.

Den zweitplatzierten US-Amerikaner Jim Bob Bizzell distanzierte er um mehr als dreieinhalb Sekunden.

Pistorius hatte zuvor bereits über 100 und 200 m souverän gewonnen, die angestrebten Verbesserungen seiner eigenen Weltbestmarken aber jeweils knapp verpasst.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel