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Wojtek Czyz bejubelt seinen Weltrekordsprung in Peking © imago

Im Interview der Woche spricht Paralympics-Sieger Wojtek Czyz über seinen Gold-Sprung und die Entwicklung im Behindertensport.

Von Matthias Becker

München/Peking - 2004 in Athen ging bei den Paralympics der Stern von Leichtathlet Wojtek Czyz auf.

Drei Goldmedaillen gewann der ehemalige Fußballer, der nach einer schweren Verletzung und den folgenden Komplikationen 2001 sein Bein verlor, in Griechenland.

Die herzliche Umarmung, die der Sieger über 100 Meter, 200 Meter und im Weitsprung vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder empfing, ging als Bild dieser Paralympics in die Geschichte ein.

Vier Jahre später trat Czyz bei den Paraympics in Peking nach einer von Verletzungen bestimmten Saison und mit angebrochenem Mittelfuß nur im Weitsprung an ? und holte mit einem Fabelweltrekord von 6,50 Metern wieder Gold.

Im Interview der Woche spricht Czyz bei Sport1.de über die besondere Atmosphäre im "Vogelnest" bei seinem Gold-Sprung, die Entwicklung des Behindertensports und seinen Freund Miroslav Klose. (Hier gleich zum zweiten Teil des Interviews springen)

Sport1: Herr Czyz, direkt nach ihrem Erfolg im Weitsprung haben Sie gesagt: "6,50 m ist ein Meilenstein, ich werde bestimmt erst in ein paar Tagen realisieren was ich hier geschafft habe". Haben Sie es schon realisiert?

Wojtek Czyz: Ja, ich wurde seitdem oft darauf angesprochen, so dass ich es mir vor Augen führen konnte. Das ist eine Geschichte, die für mich unwahr scheint. Das war vollkommen unerwartet, ich hätte bei weitem nicht gedacht, dass ich annähernd an so eine Weite herankomme. Aber, als ich dann im Vogelnest gestanden habe und die Stimmung und die Zuschauer wahrgenommen habe, ist irgendetwas mit mir passiert und das war sensationell schön.

Sport1: Welchen Wert hat diese, Ihre vierte Goldmedaille bei Paralympics für Sie im Vergleich zu den drei Goldmedaillen von Athen?

Czyz: Dass ich überhaupt in Peking sein konnte und gesprungen bin, grenzt an ein kleines Wunder. Die medizinische Abteilung zuhause und in Peking hat top gearbeitet und mich dahin gebracht, dass ich jetzt vom Gold sprechen kann. Das ist eine ganz emotionale Story, nach zwei Operationen und so vielen Sachen, die hinter mir liegen. Zusätzlich noch die schwere Krankheit meines Vaters.

Sport1: Hilft Ihnen das positive Erlebnis von Peking im Hinblick darauf?

Czyz: Durch den Erfolg ist ein Drecksjahr so ein kleines bisschen noch in eine gute Richtung gerückt worden. Jetzt hoffe ich, dass wir die Situation um meinen Vater meistern. Aber der Erfolg war auch ein Zeichen, dass wir Czyz' alles durchstehen.

Sport1: Seit ihrem Auftritt von Athen 2004 und der berühmten Umarmung mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder sind Sie das Gesicht des Behindertensports in Deutschland. Hat sich ihr Leben in den vergangenen vier Jahren verändert?

Czyz: Natürlich, man steht mehr im Fokus als vorher und muss auch aus Fehlern lernen. Man muss seiner Position Verantwortung zollen. Ich bin sehr froh darüber, weil dadurch die Leistung, die wir im Behindertensport bringen, nach außen dringt und auch in den Köpfen der Nichtbehinderten als tatsächliche Leistung ankommt. Es geht Schritt für Schritt nach vorne. Je mehr wir erreichen, desto mehr wird es.

Sport1: Hat es durch die Erfolge von Athen denn einen Popularitätsschub für den Behindertensport in Deutschland gegeben?

Czyz: Es ist auf jeden Fall eine spürbare Veränderung eingetreten, was die Popularität im Behindertensport angeht. Es kommen weitere Athleten nach, wie Oscar (Pistorius, Anm. d. Red.), der ein absoluter Shooting-Star ist, oder auch junge Athleten hier in Deutschland. Das wünschen wir uns alle, aber wünschen uns natürlich auch, dass wir nicht nur alle vier Jahre ins Rampenlicht kommen, sondern vielleicht auch mal bei einer EM oder WM.

Sport1: Kann man denn als bekannter Paralympics-Sieger von seinem Sport leben?

Czyz: Es ist schwer, aber ich habe viele liebe Menschen an meiner Seiten, die man zwar Sponsoren nennt, die inzwischen aber auch Freunde geworden sind. Die ermöglichen mir Sport im Hochleistungsbereich. Ihnen gebührt ganz großer Dank und ohne Sie wäre ich heute kein Paralympics-Sieger.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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