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Das Finale im Sledgehockey ist bereits seit einem Jahr ausverkauft © getty

Die Paralympics haben ihre eigenen Regeln: Bei den Rollstuhl-Curlern ist Fegen tabu, die Biathleten laufen ohne Waffe.

München - Bei den Paralympics in Vancouver gibt es neben dem tradtitonellen Kanon der Sportarten auch einige, die erst seit Turin 2006 olympisch sind.

So gehören die alpinen Disziplinen zu den Kernsportarten bei den Paralympics. In Österreich gab es bereits 1948 Behinderten-Meisterschaften im Ski Alpin.

Rollstuhlcurling dagegen ist erst seit Turin 2006 im Programm, hier wird im Gegensatz zum Curling nicht gefegt.

Sport1.de fasst die verschiedenen Sportarten zusammen und erklärt die Besonderheiten der jeweiligen Sportart.

SLEDGE-EISHOCKEY

Hohes Tempo, hoher körperlicher Einsatz, blitzschnelle Aktionen und sehenswerte Paraden: Sledge-Eishockey, das seit 1994 zum Programm gehört, hat sich dank seiner vielen spektakulären Aktionen zu einer der Attraktionen bei paralympischen Winterspielen entwickelt, vor allem in Kanada ist die Vorfreude groß.

Der Nordamerica-Cup 2009 war das erste Behindertensport-Ereignis, das in Kanada live von einem großen Sender übertragen wurde. Die frei verkaufbaren Karten für die Halbfinals und das Endspiel sind bereits seit einem Jahr vergriffen.

Gespielt wird grundsätzlich nach den Regeln der Internationalen Eishockey-Föderation IIHF. Wichtigster Unterschied zum Eishockey ist die Ausrüstung beim Sledge-Eishockey.

Die Spieler bewegen sich auf Kufen-Schlitten fort, in jeder Hand einen 85 bis 100 cm langen Schläger, an deren Ende Spikes zur besseren Fortbewegung befestigt sind.

Eine Mannschaft besteht aus fünf Spielern, die Spielzeit beträgt 3x15 Minuten. Entwickelt wurde Sledge-Eishockey vor etwa 30 Jahren in Schweden. Gespielt wird in der Thunderbird Arena, Deutschland hat die Qualifikation für Vancouver allerdings verpasst.

ROLLSTUHL-CURLING

Rollstuhl-Curling ist das jüngste Mitglied der paralympischen Famile und steht in Vancouver erst zum zweiten Mal im Programm.

Erst seit 2002 gibt es Weltmeisterschaften. In dem Wettbewerb treten gemischte Teams gegeneinander an, eine Frau muss mindestens zu jeder Mannschaft gehören.

Ziel ist es, den 19,96 Kilogramm schweren Stein auf der Eisbahn näher als der Gegner an den Mittelpunkt von vier konzentrisch angeordneten Kreisen unterzubringen. Für jeden Stein, der näher am Zentrum liegt als der beste Stein des Gegners, gibt es einen Punkt.

Jedes Team wird durch den Mannschaftsführer (Skip) geleitet. Dieser bestimmt die Taktik und spielt in der Regel den letzten Stein. Gefegt wird beim Rollstuhl-Curling im Gegensatz zum Curling der Nichtbehinderten nicht.

Rollstuhl-Curling wird in etwa 16 Ländern ausgeübt, in Vancouver sind zehn Nationen am Start. Gespielt wird im Vancouver Paralympic Centre.

SKI ALPIN

Die alpinen Skiläufer sind Veteranen im Behindertensport. Bereits vor dem ersten Weltkrieg sollen behinderte Menschen auf abenteuerliche Weise Ski gefahren sein. Die ersten dokumentierten Behindertenmeisterschaften im alpinen Skilauf wurden bereits 1948 in Österreich ausgetragen.

In Vancouver beziehungsweise Whistler Creekside werden die Medaillen in der "Königsdisziplin" Abfahrt sowie im Super-G, Riesenslalom, Slalom und in der Super-Kombination vergeben.

Dabei werden die Teilnehmer in die drei Kategorien "sehbehindert", körperbehindert "stehend" und körperbehindert "sitzend" unterteilt. Die sehbehinderten Athleten bewältigen den Kurs mit Hilfe eines Begleitläufers, der durch akustische Signale die Laufrichtung vorgibt. Die Sitzenden nutzen den sogenannten Monoski.

Innerhalb der Kategorien gibt es noch einmal entsprechend der Behinderung verschiedene Wettkampfklassen.

Nachdem diese in der Vergangenheit jeweils einzeln ihre Sieger ermittelten und dadurch eine verwirrend hohe Zahl von Entscheidungen entstand, werden die Wettkampfklassen nach erfolgreicher Premiere von Turin wieder durch das so genannte Handicap-System - einem komplizierten Faktor, mit dem die tatsächlich gefahrene Zeit multipliziert wird - zusammengefasst und damit vergleichbar.

So gibt es in jeder Disziplin jeweils nur einen Paralympics-Sieger pro Kategorie, insgesamt also 30.

SKI NORDISCH: Skilanglauf und Biathlon

Wie bei den Alpinen werden im Skilanglauf und Biathlon grundsätzlich die drei Kategorien "sehbehindert" sowie körperbehindert "sitzend" und "stehend" unterschieden.

Rollstuhlfahrer und stark gehbehinderte Sportler nutzen einen Sit-Ski, dessen genauer Aufbau weitgehend frei gestaltet werden kann. Die Wettkämpfe werden im Whistler Paralympic Park ausgetragen.

Im Biathlon, das seit 1988 auf dem Programm steht, gehen die Athleten jeweils auf der kurzen 7,5-km-Distanz an den Start, hinzu kommt bei den Männern ein 12,5-km-Rennen, bei den Frauen die Konkurrenz über 10 km.

Die Sportler aller Kategorien tragen ihr Gewehr auf den Laufrunden nicht bei sich und nehmen es erst am Schießstand auf. Die Scheiben stehen in zehn Metern Entfernung. Die sehbehinderten Sportler, in der Loipe mit Begleitläufern unterwegs, zielen mit Hilfe eines akustischen Signals.

Die Rennen der Skilangläufer werden in Kurz-, Mittel- und Langdistanzen unterschieden. Für Männer und Frauen gibt es jeweils ein Staffelrennen. Dabei treten die Sportler der verschiedenen Kategorien in einem Team gemeinsam an.

Um die Zahl der Entscheidungen zu reduzieren, wurde beim Skilanglauf und Biathlon das Prozentsystem eingeführt, so dass die Leistungen innerhalb der drei Kategorien vergleichbar sind. Die Laufzeit eines jeden Sportlers wird also entsprechend seiner Behinderung mit einer Prozentzahl multipliziert, wodurch sich die entscheidende Endzeit ergibt.

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