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Verena Bentele und ihr Guide Thomas Friedrich (l.) sind ein gutes Team © getty

Die blinde Biathletin ist nach schwerem Unfall wieder auf der Siegerspur. Nicht nur ihr Kampfgeist half ihr beim Weg zurück.

Vancouver - Die Angst nach dem schlimmen Unfall hat das "Stehauf-Weiblein" Verena Bentele überwunden, das Lampenfieber nicht.

"Ich bin immer so schrecklich nervös", sagt die 28-Jährige: "Ich habe nie gelernt, damit umzugehen. Nun gehe ich stramm auf die 30 zu, da wird das sicher auch nix mehr. Also bleibe ich nervös, und meine Umwelt muss damit klarkommen."

Sie selbst kommt damit ganz offensichtlich prima klar.

Nur ein Jahr nach dem Sturz, der ihr Karriereende hätte bedeuten können, holte die blinde Athletin gleich im ersten Biathlon-Wettkampf in Whistler über 3 km ihr achtes Paralympics-Gold.

Karriere vor dem Aus

Dies ist umso erstaunlicher, da vor einem Jahr nahezu alles zerstört schien. Ihre Gesundheit und vor allem das sprichwörtlich "blinde" Vertrauen, das sie in einen Begleitläufer haben muss.

Bei der deutschen Meisterschaft 2009 in Isny beging ihr damaliger Begleiter nämlich einen folgenschweren Fehler.

"Er hat links und rechts verwechselt", erzählt Bentele. Sie stürzte in einen Abgrund und erlitt schlimme Verletzungen.

"An Sport war nicht zu denken"

Einen Kreuzbandriss, Kapselrisse an zwei Fingern und Verletzungen an der Leber und einer Niere, die letztlich sogar entfernt werden musste.

"Ich konnte mich kaum bewegen. An Sport war nicht zu denken", sagt die 27-Jährige: "Aber ich bin ein Stehauf-Weiblein. Und ich wollte meine Karriere nicht mit einem Sturz beenden."

Bentele misstrauisch

Den Menschen, auf dessen Kommandos sie trotz des Traumas wieder vertrauen konnte, fand sie schließlich in Thomas Friedrich, der schon mit ihrem ebenfalls sehbehinderten Bruder Michael gearbeitet hat. "Sie hatte Probleme, einen Begleitläufer zu finden", sagt Friedrich und ergänzt schmunzelnd: "Aber ich habe mich schließlich breitschlagen lassen."

Geduldig gewann er das Vertrauen der Literaturstudentin. Als das Duo im Winter sowohl den Gesamt-Weltcup im Biathlon als auch den im Langlauf gewann, war Verena Bentele wieder da.

Die Aufregung bleibt

Blieb nur noch das Lampenfieber. "Sie war schon sehr angespannt", sagt Friedrich: "Aber nicht nur die letzten beiden Tage, sondern die letzten beiden Wochen."

Am Montag geht Bentele bei den Paralympics im Langlauf über 15 km an den Start und greift nach dem neunten Gold. "Das ist genau mein Ding", sagt sie.

Gelassener wird sie dadurch nicht: "Heute sag ich ja, am Ende werde ich doch wieder hibbelig sein."

Ihrer Leistung schadet es aber nicht, denn den größten Gegner, die Angst, hat sie besiegt. Dank ihres blinden Vertrauens zu Thomas Friedrich.

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