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Martin Braxenthaler war 2006 in Turin bester deutscher Paralympics-Teilnehmer © getty

Martin Braxenthaler holt im Slalom der sitzenden Männer seinen achten Olympiasieg. Mehrere DSB-Kollegen scheitern denkbar knapp.

Vancouver - Erst Verena Bentele, nun Martin Braxenthaler.

Wie zuvor die blinde Biathletin hat sich auch der zweite langjährige Sieggarant des Deutschen Behindertensportbund (DSB) bei den X. Winter-Paralympics in Vancouver die achte Goldmedaille seiner Karriere gesichert.

Braxenthalers Triumph im Slalom der sitzenden Männer war neben Benteles Sieg in der 3-km-Verfolgung aber auch die einzige deutsche Medaille an den ersten beiden Tagen.

Und so haben die deutschen Athleten das Auftakt-Wochenende letztlich mit höchst unterschiedlichen Emotionen erlebt.

"Devise: Vollgas"

"Das Ziel war eine Medaille, egal in welcher Farbe. Nun hab ich nach dem ersten von fünf Wettbewerben die optimale Medaille, deshalb hab ich hier nichts mehr zu verlieren", sagte Braxenthaler:

"Als ich nach dem ersten Lauf Zweiter war, habe ich an die WM im Vorjahr gedacht, wo ich zweimal Vierter wurde. Das wollte ich nicht mehr erleben müssen und deshalb gab es nur noch eine Devise: Vollgas."

Beim Goldlauf des 38-Jährigen wurde Paralympics-Debütant Thomas Nolte Zwölfter, Franz Hanfstingl kam nicht ins Ziel.

Drei undankbare vierte Plätze

Wo Braxenthaler sein Gold-Glück genoss, musste sich eine Reihe seiner DSB-Kollegen mit Blech begnügen.

Biathlon-Routinier Josef Giesen (48) belegte zuvor in der 3-km-Verfolgung der stehenden ebenso den undankbaren vierten Platz wie Wilhelm Brem in der der sehbehinderten Athleten.

Dieselbe Platzierung gab es am Sonntag für die 17 Jahre alte Debütantin Anna Katharina Schaffelhuber im Slalom der sitzenden Athletinnen.

Nur 0,7 Sekunden

Der undankbarste der drei vierten Plätze war der von Giesen. Der contergangeschädigte Biathlet aus Herzlake hatte trotz fehlerfreier Schussrunden am Ende 0,7 Sekunden Rückstand auf den Gewinner der Bronzemedaille, Grigori Wowtschinski aus der Ukraine.

"Für mich ist das aber keine Blechmedaille. Ich bin zufrieden", sagte er. Schaffelhuber war dagegen traurig: "Der vierte Platz ist der blödeste, den man machen kann." Auch Brem war enttäuscht, dass es "nur zu Blech" reichte.

Curler auf dem zweiten Platz

Die deutschen Curler, die erstmals für die Paralympics qualifiziert sind, kamen am Samstag zu einem 10:6-Auftaktsieg gegen Norwegen, verloren einen Tag später trotz 5:3-Führung mit 5:6 gegen den WM-Vierten USA und gewannen schließlich 12:4 gegen Japan.

Mit zwei Siegen belegen sie mit drei anderen Teams derzeit Rang zwei hinter den dreimal siegreichen Kanadiern.

Überragende Russen

Pechvogel aus deutscher Sicht war am ersten Wochenende der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner, der als Konkurrent Giesens als 14. das Finale verpasste, da ihm ein Fremdkörper aufs Visier geflogen war.

Der sehbehinderte Gerd Gradwohl war nach seinem dritten Rang von Turin vor vier Jahren im Slalom der sehbehinderten Skifahrer diesmal chancenlos und wurde Zehnter.

Andrea Eskau, Paralympics-Siegerin im Sommer mit dem Handbike, belegte bei ihrer Premiere bei Winter-Spielen Rang sechs im Biathlon (2,4 km) und Platz 8 im Langlauf (10 km).

Überragend, ja übermächtig präsentierten sich die Russen, die bereits zehn Medaillen gewannen, davon vier goldene. "Wir wollen unbedingt Erste werden, damit die Fördergelder vor unserem Heimspiel in Sotschi 2014 erhöht werden", sagte Langlauf-Trainerin Irina Gromowa.

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