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Verena Bentele feiert mit ihrem Guide Thomas Friedrich die Goldmedaille © getty

Die blinde Langläuferin holt die dritte deutsche Goldmedaille. Derweil glaubt Biathlet Oelsner, sabotiert worden zu sein.

Whistler - Erneutes Gold für Verena Bentele, aber Manipulations-Vorwürfe von Thomas Oelsner und Gesellschaftskritik von Frank Höfle:

Die deutschen Athleten haben bei den Paralympics in Vancouver einen emotionalen dritten Wettkampftag erlebt.

Im 15-km-Freistil-Rennen der Langläuferinnen lief die von Geburt an blinde Münchnerin Bentele souverän zu ihrem zweiten Sieg in Kanada, dem dritten Gold für Deutschland bei den Spielen und ihrem insgesamt neunten Paralympics-Erfolg.

"Bis jetzt sind es so ein bisschen die Bentele-Spiele, und ich hoffe, dass das bis zum Schluss so bleibt", sagte die 27-Jährige, die noch dreimal in Vancouver starten wird.

Derweil hat Deutschlands Behinderten-Sportlerin des Jahres Andrea Rothfuss (Mitteltal) bei ihrem ersten Start in Vancouver ebenso die Silbermedaille im Slalom gewonnen wie Gerd Schönfelder (Kulmain).

Oelsner äußert Manipulations-Vorwürfen

Für Aufsehen sorgte am Montag aber vor allem der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner, der zwei Tage nach seinem Auftakt-Wettbewerb bei den Spielen der Behindertensportler Manipulations-Vorwürfe äußerte.

"Ich darf es zwar eigentlich nicht sagen, aber ganz klar, das war Sabotage", sagte Oelsner: "Da war Schokolade, Karamell oder etwas ähnliches im Diopter des Gewehrs", erklärte Oelsner:

"Ich soll sagen, da war Dreck im Gewehr, aber dann bin ich die Schlampe, die ihr Gewehr nicht in Ordnung hält, und das lasse ich nicht auf mir sitzen."

Auch 2002 Manipulations-Vorwürfe geäußert

Oelsner war 2002 in Salt Lake City als erster des Dopings überführter Athlet in die damals 26-jährige Geschichte der Winter-Paralympics eingegangen und hatte danach ebenfalls Manipulations-Vorwürfe geäußert.

Die aktuellen Vorwürfe des 39-Jährigen beziehen sich auf das Verfolgungs-Rennen der Biathleten am Samstag.

Dort hatte der favorisierte Thüringer als 14. das Finale verpasst.

Der Deutsche Behindertensportverband reagierte überrascht auf die Vorwürfe. "Ich höre das zum ersten Mal. Mit mir hat Thomas Oelsner nicht gesprochen", sagte Chef de Mission Karl Quade:

"Hätten wir von einem Manipulationsverdacht erfahren, hätten wir Einspruch einlegen müssen. Das haben wir aber nicht getan."

Gewehre liegen am Schießstand

Die Gewehre der stehenden Athleten liegen während des Rennens am Schießstand bereit. "Außer den Betreuern selbst und den Athleten darf dort niemand rein", sagte der Thüringer:

"Wir haben versucht, das Ganze mit Kameras aufzuklären, aber die waren nur während des Rennens eingeschaltet. Deshalb war leider nichts zu erkennen."

Der Diopter ist die Visiereinrichtung zum Anpeilen von Zielen mit dem Auge.

Keine Ermittlungen durch das IPC

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wird nach den Sabotage-Vorwürfen keine Ermittlungen einleiten.

"Uns liegt kein Protest der deutschen Mannschaft vor. Deshalb gibt es für uns keinen Anlass, tätig zu werden", sagte IPC-Sprecherin Steffi Klein. Man sei aber sicher, "dass sich in dem nur für Athleten und Betreuer zugelassenen Bereich niemand Unberechtigtes aufgehalten hat".

Höfle: "Behinderte werden in die Ecke geschoben"

Zuvor hatte der deutsche Fahnenträger Frank Höfle deutliche Kritik am allgemeinen Umgang mit Behinderten geübt. "Unsere Gesellschaft ist verkorkst", sagte Höfle:

"Es gibt keine Akzeptanz für Menschen mit Behinderung. Behinderte werden in die Ecke geschoben."

Die finanzielle Förderung von Behindertensportlern, die er selbst erhält, hat für den 42-Jährigen, der bei seinem ersten Start in Vancouver am Montag Fünfter über 20 km wurde, zudem einen Beigeschmack.

"Ich gehöre zum Top-Team, bekomme 1500 Euro Förderung im Monat", sagte er: "Das ist ja eine tolle Geschichte, doch damit soll man auch ruhiggestellt werden. Deshalb fühle ich mich gekauft. Aber sie können sich nicht freikaufen."

Brem wird zum Pechvogel

Bei seinem ersten Start in Vancouver verpasste der mit 13 Goldmedaillen im Biathlon und Langlauf der erfolgreichste deutsche Behindertensportler im nordischen Bereich, als Fünfter im 20-km-Langlauf allerdings eine Medaille.

Noch unglücklicher verlief das Rennen für den zweimaligen Paralympics-Sieger Wilhelm Brem (Freiburg), der zum zweiten Mal auf dem undankbaren vierten Platz landete und langsam aber sicher zum Pechvogel in den deutschen Reihen wird.

"Das war das Rennen meines Lebens, aber in der dritten Runde bin ich leider gestürzt. Das hat mich die Medaille gekostet", sagte der 32-Jährige, der das Rennen zwischenzeitlich angeführt hatte.

Beim Biathlon-Jagdrennen am Samstag hatte er Bronze um 0,7 Sekunden verpasst.

McKeever gewinnt

Den Sieg holte sich vor heimischen Publikum wie erwartet der Kanadier Brian McKeever. Dieser hatte sogar dem olympischen Langlauf-Kader seines Landes angehört, war aber nicht zum Einsatz gekommen.

Bei den stehenden Athleten hatten die deutschen Starter mit der Medaillen-Vergabe nichts zu tun.

Oelsner wurde beim Sieg des Russen Kirill Michailow Zehnter, Tino Uhlig (Baiersbronn) belegte Rang zwölf.

Pleite für Curler

Derweil mussten die deutschen Curler auf dem Weg zur angestrebten Medaille eine unerwartete Niederlage hinnehmen.

Nach dem 3:9 gegen den WM-Zehnten Schweiz belegt das deutsche Team den geteilten vierten Platz.

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