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Gerd Schönfelder gewann seine erste Goldmedaille in Albertville 1992 © getty

Der Skifahrer krönt den goldenen deutschen Mittwoch. Bentele gelingt der Hattrick. Auch der Biathlet Brem holt sich den Sieg.

Whistler - Nach einem "goldenen Mittwoch" sind die deutschen Behindertensportler zu den fleißigsten Medaillensammlern in der Geschichte der paralympischen Winterspiele aufgestiegen.

Drei Goldmedaillen, einmal Silber und zweimal Bronze lautete die überragende Ausbeute am Mittwoch. Dadurch übernahm der Deutsche Behindertensportverband (DBS) am Mittwoch die Führung im ewigen Medaillenspiegel.

Nach den Goldrennen von Skifahrer Gerd Schönfelder sowie den Biathleten Wilhelm Brem ) und der bereits zum dritten Mal erfolgreichen Verena Bentele sowie Silber für Skifahrerin Andrea Rothfuß und Bronze für die Biathleten Andrea Eskau und Josef Giesen hat Deutschland nun 316 Medaillen auf dem Konto, die bisher führenden Norweger kommen auf 312.

In Sachen Gold sind die Norweger für das deutsche Team in Kanada aber noch unerreichbar (134:115).

Sechste Paralympics für Schönfelder

"Ich bin jetzt zum sechsten Mal dabei und habe bei jeden Spielen mindestens eine Goldmedaille gewonnen. Damit wird ein absoluter Traum war, ich hab das noch gar nicht so richtig registriert", sagte der "Stier von Kulmain" genannte Schönfelder. 212650(DIASHOW: Eröffnungsfeier der Paralympics)

Bentele gewann nach der 3-km-Verfolgung der Biathletinnen und dem 15-km-Freistil-Rennen der Langläufer auch den 12,5-km-Lauf der Biathleten.

Für die 27-Jährige war es die insgesamt zehnte Goldmedaille bei paralympischen Winterspielen.

Der sehbehinderte Brem nutzte den kurzfristigen Ausfall von Brian McKeever optimal aus. Der kanadische Lokalmatador war auch für die Olympischen Spiele nominiert gewesen, durfte letztendlich aber nicht laufen.

Rothfuß hofft noch auf Gold

"Ja, ja, ja, das ist ja toll", rief Schülerin Rothfuß, Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres 2009, ins Mikrofon, als sie erfuhr, dass ihr Lauf die Führung im Medaillenspiegel beschert hatte.

Mit ihrer Leistung war sie sehr zufrieden, bis auf einen Schönheits-Fehler: "Anscheinend bin ich im Moment die Silber-Andrea. Mit Gold will es noch nicht klappen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf."

Dafür erlebte Schönfelder, ohnehin schon erfolgreichster Alpin-Athlet der Paralympics-Geschichte, dies bei seinen "unwiderruflich letzten Spielen" schon zum 13. Mal.

Eskau plant Historisches

Fast schon sensationell raste schließlich Andrea Eskau nach nur wenigen Monaten Training zur Bronze-Medaille, nun will die 38-Jährige mit "Sommer-Winter-Gold" am Geburtstag ein kleines Stück deutsche Paralympics-Geschichte schreiben.

Sie könnte die erste Athletin nach Reinhild Möller sein, die sowohl bei Sommer- wie auch bei Winter-Paralympics einen Wettbewerb gewinnt. "Im Sommer habe ich schon Gold", sagt die Handbikerin, die 2008 im Peking das Straßenrennen gewann: "Nun bin ich auch im Winter angefixt. Und ich weiß, meine Zeit wird kommen."

Die größten Chancen auf einen Sieg rechnet sie sich im Langlauf-Sprint am Sonntag aus - ausgerechnet an ihrem 39. Geburtstag

Heimliche Siegerin

Schon bei der Flowers Ceremony freute sich Eskau ausgelassen und wirkte wie die heimliche Siegerin.

Im Vorfeld hatte sie eine Biathlon-Medaille noch als "vermessen" abgetan: "Ich habe im Juni erst meinen Schlitten bekommen, im November sogar erst mein Gewehr. Deshalb verliere ich beim Schießen noch zu viel Zeit."

Langaluf-Sprint am Geburtstag

Die größten Chancen auf einen Sieg rechnet sie sich im Langlauf-Sprint aus. Ausgerechnet an ihrem 39. Geburtstag.

"Dort hoffe ich, ins Finale der besten Vier zu kommen. Und dann ist alles drin."

Im 10-km-Lauf der Biathleten musste sich die für den USC Magdeburg startende Athletin, die seit einem Radunfall im Rollstuhl sitzt, nur der siegreichen Russin Maria Jowlewa und der Ukrainerin Olena Jurkowska geschlagen geben.

Handbiken Hauptsportart

Handbiken sei weiter ihre Hauptsportart, erklärte Eskau "aber Skifahren ist eine tolle Abwechslung. Leider habe ich ein Jahr zu spät angefangen, denn ich werde immer besser und mit einem weiteren Jahr Vorbereitung wäre sehr viel möglich gewesen. Am Anfang habe ich noch sehr viele methodische Fehler gemacht."

Doch ihr unbändiger Ehrgeiz ließ die Angestellte beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft schnell Fortschritte machen, ganz nach ihrem vom früheren Formel-1-Weltmeister Mario Andretti vereinnahmten Motto "Wenn du alles unter Kontrolle hast, bist du einfach nicht schnell genug".

Probleme nach Peking

Dabei hatte sie nach den Spielen in Peking noch große gesundheitliche Probleme verkraften müssen.

Ganz offensichtlich hatte sie einen im Zielteppich vorhandenen Spezial-Klebestoff nicht vertragen.

Es folgten ein Asthma-Anfall und eine schwere Infektion am Kehlkopf, fast zwei Monate lang war Andrea Eskau schwer krank. "Und die Sache hat mich nie mehr ganz losgelassen", sagt sie. Doch sie hat sich durchgebissen, ist im Rekordtempo zu Bronze gerast und richtet nun den Blick nach mehr.

Giesen holt Bronze

Mit Bronze im 12,5-km-Lauf der Biathleten hat Routinier Josef Giesen seine fünfte Medaille bei Winter-Paralympics gewonnen.

Der contergangeschädigte Athlet aus Herzlake musste sich nur dem siegreichen Norweger Nils-Erik Ulset und Grigori Wowtschinski aus der Ukraine geschlagen geben und hatte diesmal das Glück, das ihm bei Rang vier zum Auftakt in der Verfolgung gefehlt hatte. Dort hatte er Bronze um 0,7 Sekunden verpasst.

Oelsner Zehnter

Der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner (Hallenbeck) wurde am Mittwoch nach insgesamt fünf Schießfehlern Zehnter. Giesen dagegen lief unter 17 Athleten nur die 14.-beste Zeit, war bei nur einem Fehler aber so schusssicher wie kein anderer.

Der 48 Jahre alte Giesen wird als Paralympics-Sieger 2002 über 7,5 geführt.

Goldmedaille verschenkt

Diese Goldmedaille hatte er allerdings an den nach einer positiven Dopingprobe disqualifizierten Kollegen Oelsner abgegeben. "Thomas hat den Sieg verdient, ich habe Silber im Herzen", sagte er damals.

Außerdem hat Giesen eine Silber- und nun drei Bronzemedaillen gewonnen.

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