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Gerd Schönfelder gewann bereits 1992 in Albertville Gold © getty

Der 39-Jährige siegt auch im Super-G und holt sich sein 15. Paralympics-Gold. Kanada erlebt eine nationale Enttäuschung.

Whistler - Beflügelt von der bevorstehenden Geburt seines zweiten Kindes hat Gerd Schönfelder Deutschland bei den Paralympics an die Spitze des Medaillenspiegels geführt.

Der 39-Jährige aus Kulmain, dessen Ehefrau Christina für Sonntag Nachwuchs erwartet, fuhr am Freitag in Whistler zu seinem bereits dritten Gold bei diesen Spielen und dem insgesamt zehnten des Deutschen Behindertensporverbandes (DBS) in Vancouver.

Dadurch verdrängte der DBS die bisher führenden Russen (9) von der Spitze.

Für Schönfelder, den erfolgreichsten alpinen Fahrer in der Geschichte der Paralympics, war der Sieg bei den stehenden Athleten im Super-G der insgesamt bereits 15. Erfolg bei den Spielen der Behindertensportler.

Zuvor hatte er in Whistler bereits Gold im Riesenslalom und der Abfahrt gewonnen und Silber im Slalom. Insgesamt hat der Bayer, der im Alter von 19 Jahren bei einem Zugunglück seinen rechten Arm verlor, bereits 21 Medaillen bei Paralympics gewonnen.

Zweimal Bronze für Schülerinnen

Silber gab es am Freitag zudem für das zweite deutsche Ski-Ass, Martin Braxenthaler im Super-G der Monoski-Fahrer.

Zudem holten zwei bayerische Schülerinnen Bronze.

Während Deutschlands Behindertensportlerin des Jahres Andrea Rothfuß im Super-G stehend schon ihre vierte Medaille in Kanada gewann (je zweimal Silber und Bronze), raste die 17-Jährige Anna Schaffelhuber in der sitzenden Konkurrenz völlig überraschend erstmals bei Paralympics auf Podest.

Dem Favoritensterben getrotzt

"Ich hatte schon zuvor eine so tolle Saison, dass meine Frau gesagt hat: 'Du bist der Topfavorit, aber das ist gar nicht gut. Denn Favoriten sterben meistens'", meinte Schönfelder schmunzelnd: "Aber ich habe meine Leistungen nun auch in den wichtigen Rennen noch einmal untermauern können. Das ist der Lohn harter Arbeit."

Harte Arbeit kommt auch abseits der Strecke auf ihn zu. "Die Medien machen was draus und die Kanadier sind der Wahnsinn. Man muss 1000 Fotos machen. Das ist unheimlich anstrengend, aber es macht auch Spaß."

Braxenthaler durch Sturz motiviert

Braxenthaler liebt derweil weiter die Extreme. Nach zweimal Gold und einem Sturz wurde er diesmal Zweiter.

"Ich habe heute Silber gewonnen, nicht Gold verloren", sagte er: "Nachdem ich gesehen habe, dass ich die beste Zwischenzeit hatte, war der Ärger nach dem Sturz in der Abfahrt schon da. Aber umso motivierter war ich heute."

Gradwohl geht leer aus

Youngster Kevin Wermeester wurde beim Schönfelder-Sieg 24., und auch Routinier Gerd Gradwohl blieb einen Tag nach seinem Bronze-Lauf in der Abfahrt eine weitere Medaille verwehrt.

Der 50-Jährige aus Kempten, der wegen eines Beinbruchs erst im Januar richtig in die Vorbereitung starten konnte, wurde im Super-G der Sehbehinderten Elfter. Es siegte der Franzose Nicolas Berejny.

Kein kanadisches Sledgehockey-Gold

Derweil herrscht bei den Fans des Gastgebers große Trauer. Als der Traum vom Triple-Gold im Eishockey ausgeträumt war, saßen die kanadischen Anhänger mucksmäuschenstill wie schockgefroren auf der Tribüne.

Nach den euphorisch gefeierten Olympiasiegen der Männer und Frauen verpasste das kanadische Sledgehockey-Team bei den Paralympics durch ein 1:3 im Halbfinale gegen Japan das Finale.

"Riesige Enttäuschung"

Während der Sieg für die Asiaten nach Angaben von John Furlong, Präsident des Organisationskomitees VANOC, "wie der Gewinn des Stanley-Cups" ist, "wie Doppel- oder Triple-Gold", rissen sich die kanadischen Spieler nach der Schlusssirene frustriert die Helme vom Kopf und warfen sie aufs Eis.

Nach dem Erfolg von vier Jahren in Turin waren die Kanadier fest davon ausgegangen, auch den dritten Eishockey-Titel innerhalb weniger Wochen zu erringen, die Begeisterung bei den Fans für die Behindertensportvariante ihres liebsten Sportkindes war von Spiel zu Spiel gewachsen.

Scott Salmon, der für die kanadischen Hockey-Teams zuständige Direktor des Verbandes, sprach von "einer riesigen Enttäuschung. Ein Endspiel gegen die USA wäre ein tolles Erlebnis gewesen und es ist traurig, das nicht erleben zu dürfen."

Geisha-Unterstützung hilft

Bei den Japanern, die nun im Endspiel auf die USA treffen, brachen nach dem Ende alle Bänne. Nahezu alle Spieler, unzählige Fans, ja sogar Journalisten weinten hemmungslos nach dem nie erwarteten Erfolg.

"Ich weiß, dass wir von 1000 Spielen gegen Kanada normalerweise 999 verlieren. Aber eben zum Glück nicht dieses", meinte Trainer Kojin Nakakita.

Die Frauen und Freundinnen der Spieler hatten ihr Team als Geishas verkleidet auf der Tribüne angefeuert. "Ich habe noch nie ein solch gewaltiges Gefühl erlebt wie dieses", meinte Goalie Mitsuru Nagase.

In Japan werden Behinderte vielerorts noch diskrimiert.

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