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Ilke Wyludda nahm 1992, 1996 und 2000 an den Olympischen Spielen teil © imago

13 Monate nach der Amputation ihres rechten Unterschenkels hat Ilke Wyludda wieder Spaß am Leben - und will in London hoch hinaus.

Halle - Nach Gold bei Olympia nun Gold bei den Paralympics?

Der Plan von Ilke Wyludda lässt aufhorchen.

Die 43-Jährige könnte im deutschen Sport für ein Novum sorgen, bleibt aber dennoch bescheiden und zurückhaltend. "Ich will keine Ankündigungen machen", sagte die einstige Weltklasse-Athletin : "Ich trainiere, und am Ende wird man sehen, was dabei herauskommt."

Fakt ist, dass die Diskus-Olympiasiegerin tatsächlich den Kampf aufgenommen hat.

Wyludda hat wieder Spaß

Unter Leitung ihres langjährigen Trainers Gerhard Böttcher schwitzt sie schon wieder im Kraftraum und bereitet sich auf einen Start bei den Paralympics 2012 in London vor.

"Es ist immer besser, wenn man ein Ziel im Leben hat", sagt Wyludda und fügt an: "Es macht mir auch wieder Spaß."

Unterschenkel oder Leben?

Die Haltung der früheren Weltklasse-Athletin verdient höchsten Respekt.

Im Oktober 2010 wurde ihr im Klinikum Bergmannstrost in Halle/Saale der rechte Unterschenkel amputiert. Eine offene Wunde hatte sich bakteriell infiziert.

Sie hatte die Wahl: entweder der Unterschenkel oder das Leben. "Ich wollte leben", erklärte sie.

Job, Doktorarbeit und Diskuswerfen

In der gleichen Klinik arbeitet die gebürtige Leipzigerin nun als Assistenzärztin.

42 Stunden umfasst ihr Einsatz pro Woche. Dazu schreibt sie noch an ihrer Doktorarbeit.

Daneben trainiert sie fünfmal wöchentlich in der Sporthalle Brandberge in Halle.

"Ich kann bei den Übungen auf Erfahrungen zurückgreifen, das hilft", sagt Wyludda, die zuvor zehn Jahre keinen Diskus mehr in die Hand genommen hatte.

Langer Weg nach London

Der Weg zu den Paralympics ist jedoch steinig.

Die Comeback-Werferin muss sich demnächst erst einmal in eine Schadensklasse einstufen lassen.

Für die Qualifikation ist eine Teilnahme an den deutschen Meisterschaften Mitte Juni in Berlin Pflicht.

Die Nominierung der deutschen Athleten für die Paralympics erfolgt am 21. Juli.

Auf geheimer Mission in Dubai

Um überhaupt registriert zu werden, hat Wyludda im Dezember bereits einen ersten Wettkampf bestritten.

In geheimer Mission warf sie den Diskus bei einem internationalen Turnier in Dubai und wurde auf Anhieb Dritte.

"Über die Weite will ich aber nichts sagen", meinte Wyludda, die 1996 in Atlanta mit 69,66 Metern Gold gewann. Zudem war sie zweimal Europameisterin (1990/1994) und zweimal WM-Zweite (1991/1995).

Behindertensportverband freut sich

Beim Deutschen Behindertensportverband (DBS) nahm man die Ambitionen der einstigen Weltklasse-Werferin erfreut zur Kenntnis.

"Nach unseren Nachforschungen hat bislang noch kein deutscher Olympiasieger bei den Paralympics teilgenommen. Auch international ist uns kein Fall bekannt", sagte Pressesprecherin Marketa Marzoli.

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