Mit Olympia-Star Wyludda und 149 Medaillenkandidaten
München - Ein kleineres Aufgebot, aber große Erwartungen: Mit 150 Athleten wird der Deutsche Behindertensportverband (DBS) zu den Paralympics in London (29. August bis 9. September) fahren und strebt trotz eines um 20 Sportlern geschrumpften Aufgebots eine Verbesserung im Medaillenspiegel an.
"Wir wollen in etwa das Medaillen-Ergebnis von Peking wiederholen (14 Gold-, 25 Silber- und 20 Bronzemedaillen, Anm. d. Red.). Und da die Konkurrenz größer ist, würden wir damit wohl weiter vorne liegen als 2008", sagte Karl Quade, der Deutschland zum neunten Mal als Chef de Mission anführen wird.
In China hatte das DBS-Team als Elfter des Medaillenspiegels abgeschlossen.
Medaillenchance als Voraussetzung
Der Leistungsgedanke war bei der Nominierung der 88 Männer und 62 Frauen entscheidend.
"In Individualsportarten steht eine Medaillenchance in unseren Grundsätzen", erklärte Quade, der mit der Kommission auch über Härtefälle entscheiden musste.
"In der Leichtathletik konnten wir nur 31 Sportler nominieren, obwohl weitaus mehr die Kriterien erfüllt haben", erklärte er.
"Keine Wunderdinge erwarten"
Nominiert wurde auch Ilke Wyludda, die 1996 Olympia-Gold im Diskus gewann und nach der Amputation ihres rechten Oberschenkels 2010 erstmals bei Paralympics dabei sein wird.
Ein Härtefall war sie nicht, "sie hat die Kriterien erfüllt", betont Quade. Er bittet jedoch, "keine Wunderdinge von Ilke Wyludda zu erwarten. Man kann sie sicherlich nicht als Favoritin sehen, denn für uns ist sie eine relativ neue Sportlerin."
Und: "Trotz ihrer Olympia-Erfahrung wird sie sich erst noch orientieren müssen. Es wird sicher schwer für sie, schon in London eine Medaille zu gewinnen. Aber aufgrund ihrer Voraussetzungen wird sie sicher irgendwann eine Kandidatin dafür."
Auf jeden Fall eine Medaillen-Kandidatin sei Kugelstoßerin Marianne Buggenhagen, die mit 59 Jahren ihre sechsten Paralympics erlebt. "Eindeutig. Das zeigen die Vorleistungen. Und sonst hätten wir sie auch nicht nominiert", meinte Quade, der als Sitzvolleyballer selbst dreimal bei Paralympics startete.
4200 Sportler aus 160 Nationen
Insgesamt erwartet Deutschlands Chef de Mission von den Spielen in London, "dass das ganz tolle Spiele werden, eine Riesen-Werbung und ein weiterer Meilenstein für die paralympische Bewegung".
Insgesamt werden 4200 Sportler und Sportlerinnen aus 160 Nationen erwartet, die in 503 Entscheidungen und 20 Sportarten ihre Medaillengewinner ermitteln.
Stars werden der südafrikanische Stelzensprinter Oscar Pistorius oder der frühere Formel-1-Pilot Alessandro Zanardi (Italien) mit dem Handbike sein.
Rugby-Team nicht qualifiziert
Zu den deutschen Athleten kommt ein 97 Personen starkes Funktionsteam, bestehend aus Trainer, Ärzten, Begleitläufern und Betreuern.
Das kleinere Aufgebot ist laut Quade in erster Linie darauf zurückzuführen, "dass wir im Rugby nicht qualifiziert sind, da fehlen schon mal elf Sportler. Ansonsten gibt es Listenplätze, da sind es in manchen Sportarten mehr und in manchen weniger Plätze als vor vier Jahren."
Das deutsche Aufgebot für die Paralympics in London:
Rollstuhl-Basketball Frauen: Mareike Adermann, Annabel Breuer, Annegrit Briessmann, Britt Dillmann, Heike Friedrich, Maria Kühn, Maya Lindholm, Marina Mohnen, Edina Müller, Gesche Schünemann, Johanna Welin, Annika Zeyen
Rollstuhl-Basketball Herren: Andre Bienek, Thomas Böhme, Thomas Gundert, Jan Haller, Mathias Heimbach, Sercan Ismail, Dirk Köhler, Andreas Kreß, Björn Lohmann, Sebastian Magenheim, Dirk Passiwan, Sebastian Wolk
Bogenschießen: Matthias Alpers, Maria Droste, Katharina Schett, Maik Szarszewski
Fechten: Simone Briese-Baetke
Gewichtheben: Mario Hochberg
Judo: Carmen Brussig, Ramona Brussig, Sebastian Junk, Matthias Krieger, Oliver Upmann
Leichtathletik: David Behre, Reinhold Bötzel, Marie Brämer-Skowronek, Marianne Buggenhagen, Siena Christen, Wojtek Czyz, Laura Darimont, Sebastian Dietz, Michaela Floeth, Isabelle Foerder, Ali Ghardooni, Katrin Green, Maike Hausberger, Frances Herrmann, Ulrich Iser, Birgit Kober, Vanessa Low, Sandra Mast, Mathias Mester, Claudia Nicoleitzik, Heinrich Popow, Markus Rehm, Jana Schmidt, Matthias Schröder, Marc Schuh, Matthias Schulze, Maria Seifert, Tamira Slaby, Niels Stein, Frank Tinnemeier, Thomas Ulbricht, Martina Willing, Ilke Wyludda
Radsport: Kerstin Brachtendorf, Hans-Peter Durst, Tobias Graf, Henrike Handrup, Bernd Jeffre, Vico Merklein, Norbert Mosandl, Wolfgang Sacher, Denise Schindler, Michael Teuber, Dorothee Vieth, Steffen Warias, Max Weber, Erich Winkler, Andrea Eskau
Reiten: Hannelore Brenner, Britta Näpel, Angelika Trabert, Lena Weifen, Steffen Zeibig
Rudern: Tino Kolitscher, Astrid Hengsbach, Kai-Kristian Kruse, Anke Molkenthin, Johannes Schmidt
Schwimmen: Kirsten Bruhn, Christoph Burkard, Annke Conradi, Tanja Gröpper, Niels Grunenberg, Sebastian Iwanow, Julia Kabus, Elena Krawzow, Andre Lehmann, Lucas Ludwig, Swen Michaelis, Tobias Pollap, Christiane Reppe, Torben Schmidtke, Maike Naomi Schnittger, Verena Schott, Daniela Schulte, Martin Schulz, Daniel Simon, Vera Thamm, Stefanie Weinberg
Segeln: Heiko Kröger, Jens Kroker, Siegmund Mainka, Robert Prem
Sitzvolleyball Herren: Sebastian Czpakowski, Stefan Hähnlein, Christoph Herzog, Thomas Renger, Barbaros Sayilir, Torben Schiewe, Alexander Schiffler, Peter Schlorf, Jürgen Schrapp, Heiko Wiesenthal
Sportschießen: Norbert Gau, Frank Heitmeyer, Natascha Hiltrop, Josef Neumaier, Leopold Rupp, Andreas Schäfers, Jan Michael Schaub, Manuela Schmermund
Tennis: Sabine Ellerbrock, Katharina Krüger
Tischtennis: Thomas Brüchle, Werner Burkhardt, Selcuk Cetin, Stephanie Grebe, Jan Gürtler, Dietmar Kober, Thomasz Kusiak, Holger Nikelis, Thomas Rau, Thomas Schmidberger, Thorsten Schwinn, Jochen Wollmert
Lawrence Okoye wird Footballspieler: Der britische Modellathlet erhält bei den San Francisco 49ers einen Dreijahresvertrag. Der Head Coach des Vizemeisters schwärmt. Sportler auf Abwegen. mehr...