Deutsches Team nimmt die Top Ten ins Visier
London - Keine Medaillen-Vorgabe und erst recht keine Zielvereinbarung:
Wenn die deutschen Behindertensportler ab Mittwoch bei den Paralympics in London an den Start gehen, begleitet sie zwar eine große Erwartungshaltung - aber keine konkrete.
"Es gibt keine Zielvorgaben. Weder innerverbandlich, noch von Dritten", sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Zudem versicherte er ausdrücklich, dass es eine Zielvorgabe, die am Ende der Olympischen Spiele für großes Aufsehen gesorgt hatte, für den DBS nicht gebe.
"Ich setze niemanden unter Druck", sagt Beucher: "Aber ich erwarte, dass alle im Wettkampf von London ihr Bestes geben und auf ihrem Leistungszenit dieser Saison sein werden. Dann schaue ich sehr, sehr entspannt in Richtung Ergebnis. Ich rechne mit sehr vielen deutschen Final-Teilnahmen. Auch ohne Zielvorgabe." ( Bericht: Mit Olympia-Star Wyludda und 149 Medaillenkandidaten)
Top 10 in Peking verpasst
Karl Quade, bereits zum neunten Mal Deutschlands Chef de Mission bei Paralympics, formuliert die Erwartungshaltung zumindest ungefähr aus.
"Es wäre schön, wenn wir in etwa das Medaillen-Ergebnis von Peking 2008 wiederholen (14 Gold-, 25 Silber- und 20 Bronzemedaillen, d. Red.)", erklärt er:
"Da die Konkurrenz größer ist, würden wir damit wohl weiter vorne liegen als in Peking, wo wir als Elfter des Medaillenspiegels abschlossen."
Alle Gold-Gewinner am Start
Ein gutes Omen für das deutsche Team: Alle 15 Athleten, die vor vier Jahren in China für die insgesamt 14 Goldmedaillen gesorgt hatten, werden auch in London am Start sein.
"Aber leider mit den Nachteil, dass einige aufgrund des geänderten Programms nicht ihre Titel verteidigen können", betont Beucher: "Dennoch ist das natürlich ein beeindruckendes Zeichen. Denn diese Athleten sind nicht dabei, weil sie in Peking Gold geholt haben. Sie mussten sich seitdem beweisen, und wenn sie die Nominierungskriterien nicht erfüllt hätten, wären sie nicht berufen worden."
Doping immer stärker Thema
Ein wenig Sorgen macht sich der DBS-Präsident um die immer stärker werdende Dopingproblematik.
"Grundsätzlich muss man leider sagen, dass wir im Behindertensport auch an dieser schwarzen Stelle des Sports angekommen sind", sagt er:
"Ob es in London viele Dopingfälle geben wird, kann ich nicht beurteilen. Ich freue mich aber darüber, dass flächendeckend getestet wird, und glaube, dass jeder, der dopt und betrügt, noch vor der Abreise aus London entlarvt wird."
"Unsere Athleten sind sauber"
Allerdings verbürgt sich Beucher für seine Sportler. "Unsere Athleten sind sauber", versichert er: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass aus unserer Mannschaft jemand nach London fliegt und dopt."
Auch Quade stellt klar: "Natürlich weiß man es nie ganz genau, aber aus deutscher Sicht ist ein Dopingfall für mich unvorstellbar. Ich habe vollstes Vertrauen in unsere Athleten."
Probleme mit Haarwuchsmittel
2008 war der Rollstuhl-Basketballer Ahmet Coskun während der Spiele in Peking positiv getestet worden. "Er ist damals aber in eine Dopingfalle getappt", sagte Quade:
"Er hat ein Haarwuchsmittel benutzt, das man nicht nutzt, um die Leistung zu steigern, und das Ende desselben Jahres auch von der Verbotsliste gestrichen wurde."
Dopingfälle im Behindertensport sind für Quade weiterhin die Ausnahme. "In der Vergangenheit waren es aus meiner Zeit Einzelfälle", erklärte er: "Und ich glaube, dass es auch in London international kein großes Thema sein wird."
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