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Hannelore Brenner (M.) gewann in ihrer Karriere bereits sieben Paralympics-Medaillen © getty

Zwei Tage nach ihrem Sieg in der Championatsprüfung sind Hannelore Brenner und Women of the World erneut nicht zu schlagen.

London - 26 Jahre nach ihrem schlimmen Reitunfall ist Dressur-Königin Hannelore Brenner die erste deutsche Doppel-Siegerin der Paralympics in London.

Zwei Tage nach ihrem Gold in der Championatsprüfung ritt die 49-Jährige im Greenwich Park auf ihrer oft störrischen, aber bewundernswerten Stute Women of the World zum Sieg in der Kür.

Damit wiederholte Brenner, die seit einem Reitunfall 1986 inkomplett querschnittsgelähmt ist, ihren Doppel-Erfolg von Hongkong 2008.

Mit 81,700 Punkten verwies die Diplom-Betriebswirtin, die gerne in integrative Schulen geht, um Kinder und Jugendliche durch ihren Weg zu ermutigen, die Lokalmatadorin Deborah Criddle (78,550 Punkte) und Annika Dalskov (Dänemark/76,950) auf die weiteren Plätze.

Gemeinsam mit der bereits 17 Jahre alten Women of the World hat Brenner nun bereits 17 Medaillen gewonnen.

Brenner überglücklich

"Vor dieser Kulisse wollte ich einfach nur Spaß haben. Es ist etwas besonderes, in England zu gewinnen, weil hier die Leute die Pferde so lieben", sagte derweil die überglückliche Brenner, die zusätzlich noch eine Silbermedaille mit dem Team nach Hause mitnimmt.

Steffen Zeibig (Dresden), ebenfalls mit Mannschaftssilber dekoriert, belegte am Schlusstag der paralympischen Reitwettbewerbe wie in der ersten Einzelentscheidung mit 67,150 Punkte den achten Platz.

Neben Brenner und Zeibert gehörten auch Britta Näpel (Wonsheim) und Angelika Trabert (Dreieich) der Silber-Formation an. Die 46-jährige Näpel gewann zudem in ihren beiden Einzelkonkurrenzen Silber, Trabert (44) belegte zweimal direkt hinter ihrer Teamkollegin den Bronze-Rang.

Bruhn verpasst Medaille

Derweil ist Schwimmerin Kirsten Bruhn bei ihrer dritten Paralympics-Teilnahme erstmals ohne Gold geblieben.

Die 42-Jährige aus Neumünster, die seit einem Motoradunfall 1991 auf der griechischen Insel Kos inkomplett querschnittsgelähmt ist, kam bei ihrem letzten Start in London über 50 Freistil nur auf Rang fünf, fliegt aber mit einer Silbermedaille aus dem Rennen über 100 m Rücken nach Hause.

Bruhn hatte 2004 in Athen und 2008 in Peking jeweils Gold über 100 m Brust gewonnen - diese Strecke gehörte in ihrer Klasse in London aber nicht zum Programm. Gar nur Achte und damit Letzte im Finale wurde einen Tag nach ihrem Silber-Coup über 200 m Lagen Verena Schott (Leipzig).

Iwanow geht leer aus

Auch die anderen Schwimmer fischten nur Blech aus dem Wasser und verpassten Medaillen oft nur knapp.

So wurde Sebastian Iwanow (Leverkusen), der in seinem ersten Paralympics-Finale am vergangenen Donnerstag direkt Bronze über 100 m Rücken gewonnen hatte, über die halbe Distanz ebenso nur Vierter wie fünf Minuten später Tanja Gröpper (Wuppertal) über die selbe Strecke bei den Frauen.

Christiane Reppe belegte über 400 m Freistil Rang fünf, Lucas Ludwig (beide Berlin) über 100 m Rücken Platz sechs.

Wyludda auf Rang acht

Ilke Wyludda scheiterte dagegen 16 Jahre nach ihrem Olympiasieg von Atlanta bereits im Diskus-Vorkampf. Bei ihrer Paralympics-Premiere belgte die 43-Jährige aus Halle/Saale nach drei Würfen trotz persönlicher Bestleistung von 29,57 m nur Rang neun.

Wyludda, die erst seit rund einem Jahr Parasport betreibt, hatte im Vorfeld nicht als Medaillenkandidatin gegolten. Im Dezember 2010 hatte sich Wyludda im Klinikum Bergmannstrost in Halle den rechten Unterschenkel amputieren lassen müssen, nachdem sich eine offene Wunde bakteriell infiziert hatte.

"Ich bin mit dem Ziel in den Wettkampf gegangen, es zu genießen", sagte sie: "Ich habe Bestleistung geworfen, also habe ich alles erreicht, was ich wollte."

Das Halbfinale erreichten unterdessen die Rollstuhl-Basketballerinnen nach einem hart umkämpften 55:44 gegen Gastgeber Großbritannien. Die deutschen Frauen gewannen 2008 in Peking Silber und sind aktuelle Europameister.

Ellerbrock im Halbfinale

Ins Halbfinale des Rollstuhltennis-Turniers zog unterdessen Sabine Ellerbrock (Bielefeld) durch ein 3:6, 7:5, 6:2 gegen die Niederländer ein. Dort wartet in Aniek van Koot eine weitere Niederländerin. Von Gold träumen darf Ellerbrock dagegen nicht.

Die Niederländerin Esther Vergeer ist seit 2003 in nun 468 Spielen ungeschlagen. Von bisher sechs Sätzen in London gewann sie fünf mit 6:0 und gab erst ein Spiel ab.

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