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Ilke Wyludda gewann im Diskus-Wurf 1996 olympisches Gold in Atlanta © getty

Nach dem Diskus-Aus bei ihrer paralympischen Premiere erhebt die Olympia-Erste von '96 Vorwürfe. Teamchef Quade pflichtet ihr bei.

London - Ilke Wyludda ist mit sich im Reinen.

Daran hat auch das Vorkampf-Aus bei ihrer paralympischen Premiere (Bericht) 16 Jahre nach ihrem Diskus-Olympiasieg in Atlanta nichts geändert.

Nach persönlicher Bestweite im Londoner Olympiastadion sah sie keinen Grund für Kritik an ihrer Leistung. Die hatte sich Wyludda für die Medien aufgespart.

"Es ist schon ernüchternd, wie schnell man aus den Medien raus ist. Auch schade, dass erst so etwa passieren muss, damit wieder nachgefragt wird", sagte Wyludda.

Amputation des Unterschenkels 2010

"So etwas" - das war im Fall der zweimaligen Europameisterin die Amputation des rechten Unterschenkels vor Weihnachten 2010 im Klinikum Bergmannstrost in Halle.

Nach einer bakteriell infizierten offenen Wunde hatte für sie Lebensgefahr bestanden. Der Eingriff erfolgte im gleichen Krankenhaus, in dem sie heute als Anästhesistin arbeitet.

"Vielleicht sollte man die Olympiasieger fünf Jahre nach ihrer Karriere mal fragen: was haben Sie nach dem Sport geschaffen?", sagt Wyludda etwas enttäuscht. Denn nach ihrem Karriereende 2001 sei sie fast zehn Jahre kein Thema gewesen.

Interesse erst wieder bei Testwettkampf

Erst als die 43-Jährige, die Ende 2011 einen ersten Testwettkampf in Dubai bestritt, flammte das Interesse wieder auf.

Das war ihr dann allerdings auch nicht immer recht. "Ich bin in der Wettkampfvorbereitung", wehrte Wyludda oft Medien-Interesse im Vorfeld der Paralympics ab. Die dauernden Anfragen und das Aufhebens um ihre Person seien allerdings auch belastend, gestand sie ein.

Karl Quade, der deutsche Chef de Mission, pflichtet ihr bei. "Es ist schon enorm, was auf sie einprasselt", sagte er.

Keine Vorreiterrolle im Behindertensport

Dass Wyludda trotz ihres Namens und Bekanntheitsgrades bisher in der breiten Öffentlichkeit keine Vorreiterrolle im Behindertensport eingenommen hat, dafür hat Quade großes Verständnis.

"Man darf nicht vergessen, dass sie ein Neuling ist. Sie ist nicht in den Strukturen des Behindertensports gewachsen", sagte der deutsche Teamchef, der mit der sportlichen Leistung von Wyludda zufrieden war.

Die Olympiasiegerin hatte gleich im ersten Versuch eine persönliche Bestleistung von 29,57 m aufgestellt. Dennoch verpasste sie als Neunte der Konkurrenz das Finale der besten Achte unglücklich. Gold ging mit einer 40-m-Weite weg.

Zweiter Anlauf im Kugelstoßen

Am Samstag wagt Wyludda noch einen zweiten Anlauf. Dann geht die frühere 70-m-Werferin im Kugelstoßen an den Start.

Unter Druck setzt sie sich aber trotz des verpassten Diskus-Finals nicht.

"Wenn ich mit Bestweite Letzte werde, ist das auch okay", sagte Wyludda, die sich im Kreise ihrer Mitstreiterinnen äußerst wohl fühlt.

Auch 2016 in Rio dabei?

Sie vergleicht mit früheren Zeiten und sagt: "Das Konkurrenzdenken ist nicht ganz so groß."

Ob Wyludda 2016 in Rio de Janeiro erneut bei den Paralympics antritt, bleibt offen.

"In vier Jahren kann so viel passieren. Man weiß nie, ob die Knochen halten, ob das mit der Arbeit klappt", sagte sie.

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