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Der Lohn des WM-Titels für Pius Heinz: 8.715.638 Dollar © SPORT1

Pius Heinz ist Poker-Weltmeister. Bei SPORT1 gibt der Pokerstars-Spieler nützliche Tipps für ein erfolgreicheres Spiel.

Von Michael Körner und Pius Heinz

München - Verbale Kommunikation am Pokertisch - dieses Mittel setzen viele Pokerspieler ein.

Doch was bringen Worte wirklich, auf welche Fragen sollte der ambitionierte Spieler antworten und welche sollten besser ignoriert werden?

Im dritten Teil der SPORT1-Pokerschule wird die Funktion des Ohrs, der Nerven, des Gehirns sowie des Herz-Kreislaufsystems und die des Magens unter die Lupe genommen.

(Hier geht es zum ersten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)

(Hier geht es zum zweiten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)

Ohr

Auch wenn Poker das klassische Einzelkämpfer-Spiel ist, es gibt kaum ein geselligeres Kartenspiel. Die Sprüche, die sich Spieler in einer freundschaftlichen Runde um die Ohren hauen, die Herausforderungen und Duelle die daraus entstehen, es ist oft eine wahre Freude. ( 514885 DIASHOW: Pius Heinz' Triumph bei der WM )

Selbst wer alle Chips verliert, kann beim Poker viel Spaß haben. Bei offiziellen Turnieren ist die Stimmung am Tisch deutlich angespannter und der Wortanteil der Spieler ist um ein Vielfaches geringer als in spaßiger Kumpel-Runde.

Auf der Suche nach Informationen

Nichtsdestotrotz können in den wenigen Worten, die gewechselt werden, interessante Informationen verpackt sein. Nicht nur durch die Art was gesprochen wird, sondern auch wie. Nicht selten fragt ein Spieler seinen Gegner einfach nur nach der Anzahl der Chips, die dem noch zur Verfügung stehen.

Allein durch die Art der Antwort lassen sich gelegentlich Rückschlüsse ziehen. Klang er nervös? War die Stimme vielleicht sogar stockend? Oder eher zuversichtlich, selbstbewusst? Es gibt auch Spieler, die vorgeben, sich einfach nur gut gelaunt mit ihnen unterhalten zu wollen.

Dabei sind sie auf der Suche nach Informationen. Je mehr sie mit anderen reden, umso leichter machen sie es ihrem Gegner, sich ein Bild von ihnen zu machen. (Folge Pius Heinz auf twitter)

Vorsicht vor den Worten

Ein typisches Beispiel dafür ist der Kanadier Daniel Negreanu, der aufgrund seiner ewig gut gelaunten und freundlichen Art bei den Pokerfans weltweit ausgesprochen beliebt ist.

Seine aufgeschlossene Art am Pokertisch lässt manchen Gegner erweichen, vielleicht doch ein bisschen mehr von sich zu erzählen, als es vielleicht nötig gewesen wäre.

Ein guter Menschenkenner weiß oft nach kurzer Zeit, ob sein Gegenüber eher zu den ruhigen, passiveren Typen gehört oder sich leicht aus der Ruhe bringen lässt. Es kann nie schaden, zu jedem Zeitpunkt einer Partie die eigenen Worte mit Bedacht zu wählen und genauso sensibel die Äußerungen der anderen Spieler aufzunehmen.

Ignorieren von Vorteil

Solche Merkmale sollten nie das alleinige Kriterium für eine Entscheidung sein, können aber ein wichtiges Puzzlestück ergeben.

Typische Äußerungen eines Gegners auf die man besser nicht antworten sollte: "Bist Du wirklich so stark?" oder "Zeigst Du Deine Hand, wenn ich passe?"

Fazit: Es hat noch nie geschadet, Augen und Ohren offen zu halten. Und manchmal ist Schweigen tatsächlich Gold wert.

Heinz: "Ich antworte generell nicht auf irgendwelche Fragen von anderen Spielern. Ich würde vielleicht antworten, wenn ich mir sehr, sehr sicher wäre, dass er meine Antwort so interpretiert wie ich es mir wünsche. Hinzu kommt, dass man die Neugier beim Gegner fördert, wenn man nichts sagt. Das gilt besonders für Amateure. Somit ist ein Call wahrscheinlicher, weil der Gegner wissen will, was man für eine Hand hält. (Pius Heinz auf Facebook)

[kaltura id="0_9yvv4o5w" class="full_size" title="Heinz Alltag nach dem WM Triumph"]

Nerven

Poker ist ein aufregendes Spiel. Jeder wird irgendwann eine Situation erleben, die an die Nerven geht und den eigenen Puls und Blutdruck in die Höhe treiben lässt.

Manche sitzen auch mit nervlicher Dauererregung am Tisch, wobei man sich da wirklich fragen muss, ob das tatsächlich Sinn macht. Wer sich bei einem Spiel in einer permanenten Stresssituation befindet, macht in jedem Fall etwas falsch.

Sehr viele Spieler haben das Problem in gewissen Spielsituationen ihre Aufregung nicht verbergen zu können, z.B. bei einem Bluff oder wenn sie eine sehr starke Hand halten.

Das Pokerface

Nun kommen wir also auf das unvermeidbare Thema Pokerface zu sprechen. Idealerweise ist ihre nervliche Anspannung im Gesicht für keinen Spieler am Tisch sichtbar. Das ist aber insbesondere für Anfänger eine äußerst schwierige Angelegenheit.

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Kleine Hilfsmittel können aber dazu beitragen, dass Ihre Anspannung nicht unbedingt in aller Deutlichkeit zu sehen ist. Neigen Sie dazu unter Stress immer wieder schlucken zu müssen, tragen Sie einen leichten Schal.

Das hat noch den Vorteil, dass ihre Halsschlagader verdeckt wird, die bei manchen Menschen ein erstklassiger optischer Pulsmesser ist.

Entgleiten Ihnen häufiger die Gesichtszüge und Ihre Mimik lässt Rückschlüsse zu, ob Sie sich aktuell besonders wohl oder unwohl fühlen, dann kann es helfen, den Kopf etwas aufzustützen und dabei das Gesicht zum Gegner hin etwas zu verdecken.

Disziplin an erster Stelle

Nach unglücklichen "Bad Beat"-Situationen besteht bei jedem Spieler die Gefahr, dass er für eine Zeit seine Nerven nicht mehr im Griff hat. Man ist dabei so aufgewühlt, dass die komplette emotionale Balance aus dem Gleichgewicht gerät. Das bezeichnen die Pokerspieler als "Tilt".

Es ist im Poker überlebenswichtig, diese Phase heil zu überstehen, da Spieler dazu neigen, "on tilt" ihre gesamten Chips zu verspielen. Disziplin muss dann an erster Stelle stehen. Wichtig ist, sich selbst einzugestehen, dass man sich dann tatsächlich in einer emotional labilen Phase befindet.

Dabei kann es helfen, für eine Minute aufzustehen, kurz die Beine zu vertreten und Luft zu holen. Es ist überhaupt kein Problem, wenn man bei einem Pokerturnier eine Hand aussetzt. Eventuell hat man die Hand ausgelassen, die ansonsten die letzte gewesen wäre.

Fazit: Achten Sie darauf, dass Ihnen ihre Nerven nicht im Wege stehen. Ein Hitzkopf ist fast immer der Loser am Tisch.

Heinz: "Nervenstärke ist ausgesprochen wichtig. Man darf sich nicht beeindrucken lassen. Beim Finaltable im Main Event war ich anfangs sehr nervös, habe dann mal frische Luft geschnappt und mir gesagt, dass ich mich jetzt nicht verrückt machen darf und einfach mein bestes Poker spielen soll. Man sollte die Umgebung ausblenden und sich voll auf das Spiel konzentrieren. Wenn ich mal "tilte", so wird dadurch mein Spiel kaum beeinflusst. Nervenstärke gehört zweifelsfrei zu den Kernkompetenzen im Pokerspiel."

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Gehirn

Die Steuerzentrale. Halten Sie in Ihrem Kopf penible Ordnung. Ihre Synapsen schalten und walten während einer Zwöf-Stunden Marathonpartie trilliardenfach an den Rädchen, schließlich soll auch unter Dauerbelastung der Input vernünftig aufbereitet werden und der Output nahe der Perfektion sein.

Es gibt Onlineprofis, die maximal vier Stunden am Tag spielen, weil die Konzentration ansonsten nicht auf dem höchstmöglichen Niveau ist. Es versteht sich von selbst, dass Poker spielen unter dem Einfluss von Alkohol mit massiven Einbußen der eigenen Spielstärke verbunden ist.

Trainieren Sie ihr Gehirn

Wenn Sie wirklich ein sehr guter Spieler werden wollen, müssen Sie sich einen reichen Erfahrungsschatz zulegen. Fragt man Pokerspieler nach den wichtigsten Eigenschaften die es braucht, um dauerhaft an der Spitze zu spielen, so lautet die Antwort oft: Disziplin und Erfahrung.

Trainieren Sie ihr Gehirn, in dem Sie es immer wieder mit Spielsituationen konfrontieren. Sie werden sich im Bereich der Spielanalyse innerhalb kurzer Zeit dramatisch verbessern. Je häufiger Sie live gegen andere Pokerspieler antreten, so sicherer wird ihr Auftritt am Tisch sein.

Füttern Sie ihr Gehirn auch mit guter Pokerliteratur, lesen sie Handanalysen in diversen Internetforen.

FAZIT: Beim Poker ist es so wie beim Sport: Stillstand ist Rückschritt. Arbeiten sie an sich.

Heinz: "Wichtig ist, das Spiel spielerisch zu lernen, mit viel Spaß beim Spiel mit Freunden. Die Erfahrung kommt dann ganz von alleine."

Herz-Kreislauf/Magen

Pokerturniere sind eine Zeit raubende Angelegenheit. Die großen Events der EPT oder WSOP gehen über mehrere Tage. Körperliche Fitness ist ein enormer Vorteil, da die Konzentrationsfähigkeit über einen deutlich längeren Zeitraum auf hohem Niveau bleibt.

Sie brauchen keine Ausdauerwerte wie ein kenianischer Marathonläufer, aber wenn Sie fitter sind als der gut gesättigte Durchschnittsdeutsche wird Ihnen das bei kräftezehrenden Turnieren von Vorteil sein.

Heinz: "Eine Komponente, die oft übersehen wird. Mentale Fitness entsteht durch körperliche Fitness. Gerade wer viel Live-Poker spielt muss auf seinen Körper achten."

(Hier geht es zum ersten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)

(Hier geht es zum zweiten Teil der SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)

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