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Wie der Herr links tragen viele Poker-Profis Kopfhörer während der Spielrunden © imago

SPORT1-Experte Michael Körner lässt sich bei der EPT Berlin von Ungeselligkeit und Karten-Dürre nicht die Laune verderben.

Von Michael Körner

Berlin - Die EPT Berlin geht in ihre entscheidende Phase, noch 24 Spieler sind dabei, heute wird so lange gespielt, bis die acht Finalisten für den Finaltable fest stehen.

Herausragend mal wieder die bisherige Vorstellung von Vladimir Geshkenbein. Der in der Schweiz aufgewachsene Russe spielt hochriskant, aber dabei auch spektakulär.

Ein Spieler zwischen Genie und Wahnsinn. Das der Turniersaal immer noch gut gefüllt ist, liegt daran, dass es weiterhin die Möglichkeit gibt, bei kleineren Turnieren mitzuspielen, den sogenannten Sideevents.

Ipad-Ami und wilder Russe

Ich habe mich für ein 1000-Euro Turnier entschieden, angesetzt über zwei Tage. 290 Spieler hatten die gleiche Idee. 28 Spieler kommen ins Geld, für den Sieger gibt es immerhin 75.000 Euro. Ich hab richtig Bock, bin voll motiviert, 17 Uhr Start und los!

Mein Tisch ist extrem ungesellig. Von den 10 Spielern hören sechs Musik, ein junger Ami starrt über vier Stunden auf sein Ipad und ruft dabei im Wechsel Skype, Facebook und Twitter auf.

Kommunikation im Jahr 2012: Die Menschen um einen herum werden ignoriert, Hauptsache die sozialen Netzwerke sind im Dauerabruf.

Ein schrecklicher Typ, der sich nur einmal zu Wort meldet, als ihm ein Ausspruch eines anderen Spielers nicht passt. Ansonsten noch ein wilder Russe, der 80 Prozent seiner Hände spielte, unfassbar gute Karten hatte und schnell Chipleader am Tisch war.

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Noch zwei weitere Russen, ein kauziger Belgier, ein paar stille Deutsche.

Ungewohnte Stäbchen

Gelacht habe ich eigentlich nur, als der Belgier seine Sushi-Portion aß. Der Umgang mit den beigelegten Stäbchen war ihm fremd, außerdem mochte er keinen Reis. Also pulte er mit den Fingern den Fisch aus den Hoso-Makis und schnappte danach wie ein hungriger Seehund.

Viel zu lachen hatte ich ansonsten nicht. Abgesehen davon, dass ich unglaublich schlechte Karten bekam, hatte ich wenig Möglichkeiten mal aus guter Position einen strategischen Move a la Genius Geshkenbein auszufahren.

[kaltura id="0_9yvv4o5w" class="full_size" title="Heinz Alltag nach dem WM Triumph"]

Neuner überspielt

Ich hielt mich tapfer, eine gute Hand (Set auf dem Turn gegen vermutlich Toppaar mit Monsterdraw) brachte mir einige Chips, doch beim Dinnerbreak nach 3 1/2 Stunden war ich runter auf 9 Big Blinds.

Ein Paar Neuner hatte ich etwas überspielt, meines Erachtens mein einzig echter Fehler. Ich raise, bezahle ein reraise und kann mich nach dem Flop dann nicht trennen, da das Board nur eine Overcard zeigt (eine Zehn) und ansonsten für mich eher ungefährlich ist. ( 514885 DIASHOW: Pius Heinz' Triumph bei der WM ).

Auf dem River ahne ich, dass ich gegen AA laufe, zahle aber auch die Riverbet.

Erfolgreiches AQ

Nach der Pause lief es besser. Erst konnte ich gegen den wilden Russen verdoppeln, mit etwas Glück knackte mein AQ seine Könige und dann bekam ich Asse und volle Auszahlung von meinem neuen Nachbarn, ebenfalls Russe.

Damit war erstmals alles bereitet für einen halbwegs interessanten Tag 1. Doch dann kam die Dürre. Über zwei Stunden keine spielbare Hand. Selbst Versuche aus späten Positionen mit irgendwelchen Karten einfach drauf los zu spielen funktionierten nicht, weil da schon vor mir so viel Action war, dass ich mein kümmerliches 94 (oder ähnliche Monster) dann doch passen muss.

Am Ende gehe ich mit 14 Big Blinds vom Button All-In, der Big Blind bezahlt mit 66. Ich habe J10, bekomme keine Hilfe, Ende, ich werde 98..

Spaß gemacht hat es trotzdem, einfach weil ich sehr sehr gerne spiele. Leider war mein Tisch komplett spaßbefreit, aber am Ende bleibt es bekanntlich jedem selbst überlassen wie er ein solches Turnier spielt.