"Irgendwann lassen die Kaumuskeln nach"
Von Felix Götz
München/Las Vegas - Greg Merson hat bei der World Series of Poker in Las Vegas den Titel gewonnen und sich gleichzeitig in die Geschichtsbücher eingetragen.
Die Session am Final Table war mit knapp zwölf Stunden Spielzeit und über 400 gespielten Händen das längste Poker-Match in der 43-jährigen Geschichte der WSOP.
Im entscheidenden Duell bezwang Merson seinen Kontrahenten Jesse Sylvia und ist damit Nachfolger des Deutschen Pius Heinz, der den Titel 2011 gewann. (Die SPORT1-Pokerschule mit Pius Heinz)
Merson sicherte sich im Bundesstaat Nevada ein Preisgeld von 8,53 Millionen Dollar, der Zweitplatzierte Sylvia erhielt immerhin noch 5,29 Millionen Dollar.
Heitmann kommentiert zwölf Stunden
Auch für Jan Heitmann, der zwölf Stunden am Stück das Geschehen für SPORT1 kommentierte, waren es eine aufregende und anstrengende Angelegenheit.
Bei SPORT1 schildert der 36-Jährige, der selbst professioneller Pokerspieler ist, seine Eindrücke von Merson und Sylvia und verrät, wie er selbst das Finale überstanden hat.
SPORT1: Herr Heitmann, wie bewerten Sie das irre Finale bei der diesjährigen World Series of Poker?
Jan Heitmann: Ich fand es sehr spannend. Sie haben ewig zu dritt gespielt, das war eher ungewöhnlich. Es sind aber einfach keine Setups passiert. Eigentlich sollte man meinen, dass in so langer Zeit öfter mal zwei starke Hände aufeinanderprallen und dann jemand rausfliegt. Das war aber lange nicht so.
SPORT1: Wie hoch war das Niveau der Spieler am Final Table?
Heitmann: Es war ein sehr, sehr hohes Niveau. In den vergangenen fünf, sechs Jahren ist das Niveau insgesamt angestiegen. Jesse Sylvia und Greg Merson haben annähernd fehlerfrei gespielt.
SPORT1: Wie hat Ihnen die Leistung von Jake Balsiger, der Dritter wurde, gefallen?
Heitmann: Auch Jake hat auf sehr hohem Niveau gespielt und war sehr mutig. Aber er war schon der schwächste von den drei Spielern.
SPORT1: Ist Merson ein würdiger Nachfolger von Heinz?
Heitmann: Ja, das würde ich schon sagen.
SPORT1: Was imponiert Ihnen an Merson?
Heitmann: Neben seinem Spiel die Tatsache, dass er eine bewegende Geschichte hinter sich hat und sagt, dass ihm Poker das Leben gerettet hat. Das Geld ist für ihn glaube ich zweitrangig. Wichtiger ist ihm wohl, dass er sein Leben wieder umgebogen hat. Er ist von den Drogen losgekommen und hat auf unglaublich hohem Level gespielt.
SPORT1: Merson war am Ende außer sich vor Freude…
Heitmann: Absolut. Das waren sehr bewegende Momente zum Schluss. Er konnte vor lauter Tränen kaum etwas sagen. Es war toll.
SPORT1: Kann man Merson und Heinz vergleichen?
Heitmann: Beide zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr tief und sehr gut über Poker nachdenken.
SPORT1: Sie haben zwölf Stunden kommentiert. Wie war es für Sie?
Heitmann: Es war vergleichsweise kurzweilig, ich habe mich nicht gelangweilt. Jetzt, wo die ganze Anspannung vorbei ist, merke ich aber, dass ich ziemlich platt bin. Ich habe zwölf Stunden ununterbrochen geredet. Da lassen irgendwann die Kaumuskeln nach.
SPORT1: Wie haben Sie sich fit gehalten. Mit Unmengen an Kaffee?
Heitmann: Ich habe zwei Tassen Kaffee getrunken und immer wieder mal Schokolade gegessen. Ansonsten hatte ich einfach Spaß beim Kommentieren.
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