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Jan Heitmann ist ein ehemaliger Teamkollege des vermissten Johannes Strassman (Bild-Copyright: PokerStars) © intern

Der Fall Johannes Strassmann wühlt die Pokerszene auf. Jan Heitmann spricht über den vermissten Kollegen - und bittet um Hilfe.

Von Martin Hoffmann

München - Die deutsche Pokerszene sorgt sich um eine ihrer bekanntesten Größen.

Johannes Strassmann - berühmt vor allem dadurch, dass er Pius Heinz 2011 zum WM-Titel coachte - ist seit Samstagabend spurlos verschwunden.

Die Polizei in Slowenien sucht inzwischen im ganzen Land nach ihm (News), Strassmann wollte in dem Balkanstaat einige High-Stakes-Spieler treffen, Pokerspieler also, die um hohe Einsätzen konkurrieren.

Auch die Behörden in Deutschland, Österreich und Kroatien sind eingeschaltet. Vinko Stojnsek, Sprecher der Polizei Ljubljana, sagte im Gespräch mit SPORT1, dass es bislang keine Hinweise auf ein Verbrechen gebe, dass aber nichts auszuschließen sei.

Jan Heitmann, ehemaliger Teamkollege von Strassmann und Pokerexperte bei SPORT1, spricht im Interview über seine Sorge um den 29-Jährigen, seinen Ärger über Klischees, die nun aufkommen - und darüber, wie Fans und Freunde Strassmanns den Behörden helfen können.

SPORT1: Herr Heitmann, wie intensiv verfolgen Sie den Fall Johannes Strassmann (Bild: facebook.de/johannes.strassmann)?

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Jan Heitmann: Ich habe im Urlaub davon erfahren. Über Facebook, Twitter und andere Kanäle haben Freunde mir Artikel und Fotos geschickt. Ich bin natürlich schockiert und drücke die Daumen, dass das alles nur ein Missverständnis ist.

SPORT1: Wie gut kennen Sie Johannes Strassmann?

Heitmann: Wir waren bis vor einiger Zeit in einem Team bei PokerStars, sind uns bei vielen Turnieren über den Weg gelaufen, haben zusammen gespielt, ich habe Seminare bei ihm mitgemacht und wir haben uns auch immer wieder mal getroffen.

SPORT1: Wie bekannt ist er in der Pokerszene?

Heitmann: Johannes hat da definitiv ein Standing. Er war 2006 Gründungsmitglied eines der ersten nationalen Pokerteams, ist sehr viel unterwegs und sehr verknüpft, auch international. Er hat unter den Topspielern in Amerika viele enge Freunde, auch seine Seminare werden sehr geschätzt.

SPORT1: Strassmanns Verschwinden in Slowenien löst viele Gerüchte und Spekulationen aus, die teils ein sehr trübes Bild vom Poker vermitteln. Machen Sie sich neben den Sorgen um Ihren Kollegen auch Sorgen um den Ruf Ihrer Sportart?

Heitmann: Die Klischees, die da vermengt werden, sind mir ein Dorn im Auge, nicht erst seitdem. Und diese ganzen Ideen, die manche da haben, bilden nur einen kleinen Teil der Realität ab, wenn überhaupt. Es gibt natürlich Kriminelle, die in Hinterzimmern pokern. Aber Johannes ist jemand, der erst durch den großen Pokerboom zu der Sportart gestoßen ist. Er fährt zu großen Turnieren in Monte Carlo und ist eine Größe im Online-Poker. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Johannes in irgendwelchen Hinterzimmern zockt. Dass so etwas jetzt gedacht wird, ist das eine, was mich stört.

SPORT1: Und das andere?

Heitmann: Diese Balkan-Klischees, die jetzt hervorgeholt werden. Ich kann zur Realität dort nicht viel sagen, aber die reißerische Berichterstattung, die es da nun teilweise gibt, ist nicht gut.

SPORT1: Bei der Suche nach Johannes Strassmann wird viel unternommen, es gibt eine Facebook-Seite, auf vielen Pokerseiten wird zur Unterstützung der slowenischen Polizei aufgerufen. Was raten Sie anderen, die jetzt helfen wollen?

Heitmann: Jeder, der irgendeine Art von Information hat, sollte Sie weitergeben. Es gibt ja viele, mit denen er über soziale Netzwerke in Kontakt war und es kann ja auch sein, dass Informationen aus der Zeit vor seinem Verschwinden wichtig sind. Ob Johannes irgendwo ist, wo er keinen Zugang zu Telefon und Internet hat, ob er irgendetwas vorhatte - in ein Kloster zu gehen, ein Schweigegelübde abzulegen. Das wäre gar nicht so abwegig, ich weiß, dass er sich mit solchen Sachen auseinandergesetzt hat. Jeder, der irgendetwas weiß, das für die Polizei oder die Familie von Johannes relevant ist, sollte es mitteilen. Ich hoffe, dass das alles nur ein kurioser Fall ist, der sich in den nächsten Tagen aufklärt.

Die Polizei in Slowenien nimmt unter der kostenlosen Telefonnummer 00386/801200 Hinweise entgegen.

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