Johannes Strassmann hat seine Poker-Kollegen mit seiner Leidenschaft begeistert. Dass er nun tot ist, ist nicht zu begreifen.

Es war Januar 2007 auf den Bahamas, beim "Pokerstars Carribean Adventure", dem weltweit größten Pokerfestival außerhalb von Las Vegas.

Bei einem Strandspaziergang komme ich mit einem jungen deutschen Pokerspieler ins Gespräch. Er habe seine Ausbildung zum Berufssoldaten an den Nagel gehängt, erzählt er mir.

Er spiele nur noch Online-Poker, es liefe ausgezeichnet, jetzt wolle er voll angreifen: Auch beim Live-Poker, also dem Poker, das man in "richtigen" Casinos spielt, gegen Menschen, die einem in Fleisch und Blut gegenüber sitzen.

Für seine noch recht junge Pokerkarriere spielte er schon erstaunlich hohe Limits, aber eigentlich war es nur typisch für den jungen Kerl, denn alles, was Johannes Strassmann jemals anpackte, befeuerte er mit Ehrgeiz und Leidenschaft.

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Seit dem Strandspaziergang hatte ich ihn auf dem Radar und es verwunderte mich nicht im Geringsten, dass er zwei Jahre später ins "Pokerstars Shooting Stars Team" berufen wurde, eine kleine, feine Gilde aufstrebender deutscher Pokerspieler.

45-minütige Dokumentationen über das Shooting Stars Team sollten produziert werden, für Folge 1, das war schnell klar, wollte ich Johannes porträtieren. Beim Dreh in Prag lernten wir uns näher kennen und Johannes mit seiner unglaublichen offenen Art machte es einem extrem leicht.

"Was sind deine Pläne, was brauchst du von mir?" - Johannes war zu allem bereit, der Typ vom Fernsehen, so sein Ansatz, wird schon wissen was er macht.

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Umgekehrt war er ausgesprochen überzeugt von seinen Fähigkeiten am Pokertisch. Er war für mich der Spieler mit dem größten Selbstvertrauen in sein eigenes Spiel, den ich je getroffen habe.

Bis an die Grenze zur Arroganz verteidigte er seine Aktionen am Tisch, allerdings hatte er einfach auch unglaublich oft recht mit seinen Ausführungen.

(Bild: facebook.de/johannes.strassmann)

Seine Auftritte bei "German Highroller" waren jedes Mal ein Highlight. Von der Sendung wurden bisher 13 Staffeln produziert, Johannes war so gut wie immer dabei.

Bei jeder Ankunft am Produktionsort war die Frage, welches neue Projekt Johannes jetzt wieder am Start hat. Denn in den letzten Jahren konzentrierte er sich immer mehr auf Dinge abseits des Pokertisches.

Eigentlich war er für jedes Geschäftsmodell zu begeistern, mit beinahe kindlicher Freude referierte er über seine neue Ideen, seinen neu ausgearbeiteten Speiseplan - er war laktoseintolerant - oder ein mit allergrößter Akribie angegangenes neues Hobby.

Dazu gehörte Mixed Martial Arts, der Kampfsport, den die harten Jungs mit bloßen Fäusten austragen. Johannes hatte sich einen MMA-Profi als persönlichen Trainer engagiert und trainierte mit der ihm eigenen extremen Ernsthaftigkeit.

Zur letzten Highroller-Staffel erschien er voll austrainiert, mit verkrusteten Fingerknöcheln, setzte sich an den Pokertisch - und meditierte.

Trotz oder wohl auch wegen eines aufreibendes Berufes war dem Hobby-Kämpfer der entspannt-fröhliche Blick auf das Leben wichtig.

Schnell wurde dieser liebenswerte Kerl Teil der kleinen SPORT1-Pokerfamilie, es blieb nicht aus, dass wir auch schmunzeln mussten über seine kleinen Marotten.

Wenn er am Pokertisch, einer Sphinx ähnlich, die lang ausgestreckten Arme auf dem Tisch aufgelegt, seine Emotionen zu unterdrücken versuchte.

Wenn er nach Produktionsschluss uns frei von der Leber weg von seinen neusten Amouren berichtete, stolz wie Bolle.

Vorher hatte er seinen Gegnern mehrere tausend Euro abgenommen und so gut gespielt, dass Profi-Kollege Jan Heitmann bei den Expertisen der letzte Staffel meinte, Johannes habe einfach "unfassbar stark" gespielt.

Dass Johannes zur nächsten Produktion von German Highroller nicht mit seinem freundlichen Lachen am Set erscheint, ist für mich noch nicht zu begreifen.

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