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Lance Armstrong diktierte den Medien jüngst seine eigene Theorie zu "Showergate" © getty

Vor der Jubiläums-Rundfahrt überhäufen sich Lance Armstrong und der Direktor mit Nettigkeiten. Der Superstar hat ein hohes Ziel.

Venedig - Als Lance Armstrong die Bühne auf dem Markusplatz betrat, kannte der Jubel keine Grenzen.

Hunderte begeisterte Radsportfans bereiteten dem siebenmaligen Tour-de-France-Sieger vor dessen erster Teilnahme beim Giro d'Italia in Venedig einen großen Empfang.

Zum 100. Giro-Jubiläum spielte der Radsport mal wieder heile Welt, und nach Jahren im Doping-Sumpf soll ihn ausgerechnet Armstrong als Aushängeschild ins rechte Licht rücken.

Wenn am Samstag in Venedig der Start zur 92. Auflage der dreiwöchigen Rundfahrt (9. bis 31. Mai) erfolgt, soll nichts die geplante Jubelfeier stören.

Lauter Nettigkeiten

Im Vorfeld der nach der Tour zweitwichtigsten Veranstaltung der Rad-Saison wurde denn auch nicht mit Nettigkeiten gespart.

"Der Giro ist ein mystisches Rennen. Es war ein Versäumnis, ihn nie zu fahren, das ich nun zum Glück beheben kann", sagte Armstrong vor seiner Premiere bei der Italien-Schleife.

"Es ist ein besonderer Moment für mich, in einer so tollen Stadt wie Venedig zu stehen und meinem ersten Giro entgegenzublicken", so der 37-Jährige weiter.

Das Kompliment kam prompt zurück: "Wir sind stolz, dass Armstrong nach seinem Comeback bei uns startet. Er verleiht dem Rennen zusätzlichen Glanz", erklärte Giro-Direktor Angelo Zomegnan.

Sieganwärter Basso

Positive Schlagzeilen kann das Rennen 100 Jahre nach seiner Erstauflage allerdings auch gebrauchen. Allzu oft trat gerade beim Giro in den vergangenen Jahren das Doping-Problem der Branche offen zu Tage.

In seiner Siegerliste finden sich reichlich überführte oder zumindest höchst verdächtige Fahrer - zum Teil sind sie nach abgesessenen Sperren in diesem Jahr wieder am Start.

So gilt der Italiener Ivan Basso, der als ehemaliger Fuentes-Kunde gerade erst eine zweijährige Sperre hinter sich hat, drei Jahre nach seinem Gesamtsieg 2006 sogar erneut als Topfavorit.

Alle Verdächtigungen prallen ab

Mit Kontakten zu einem Doping-Arzt ist auch Bassos Nachfolger Danilo Di Luca (Italien/2007) belastet, der sich ebenfalls etwas ausrechnet.

Umstritten ist zudem das neue Team Fuji-Servetto, das unter seinem alten Namen Saunier Duval bei der letztjährigen Tour für reichlich Dopingschlagzeilen gesorgt hatte, für den Giro aber dennoch eine Einladung erhielt.

An Armstrong prallen ohnehin alle Verdächtigungen ab. Auch die sogenannte "Showergate"-Affäre konnte dem Ansehen des siebenmaligen Toursiegers in der Szene scheinbar nichts anhaben.

"Die Leute haben die Fakten nicht verstanden"

Dass er am 17. März einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln beging, als er einen Kontrolleur bei einem unangemeldeten Test in Frankreich zunächst an der Tür abwies und erst nach einer Dusche und einem Anruf beim Weltverband seines Amtes walten ließ, spielt der US-Amerikaner herunter:

"Das war doch nur eine große Geschichte, weil die Leute die Fakten nicht verstanden haben", meint der Astana-Fahrer, dessen Fehlverhalten ohne Folgen blieb.

Für sein Comeback bei einer großen Rundfahrt vier Jahre nach seinem bislang letzten Toursieg 2005 beansprucht der 37-jährige Texaner sowieso eine Art Narrenfreiheit: "Ich möchte das Rennen vor allem genießen." (Armstrong will wieder einmal mehr)

Milram setzt auf Sprintetappen

Spätestens seit seinem Schlüsselbeinbruch nach einem Sturz im März habe er alle Ambitionen verworfen, behauptet er. (Armstrong stapelt vor Giro-Start tief)

Fast alle: "Ich wäre schon etwas enttäuscht, wenn ich keine Etappe gewinnen würde. Egal, ob in den Bergen oder beim Zeitfahren."

Derweil hat es das Milram-Team vor allem auf die Sprintetappen der 3454,5 km langen Rundfahrt abgesehen.

In Robert Förster setzt der einzig verbliebene deutsche Top-Rennstall dabei auf einen Fahrer, der bereits 2007 - damals noch für das Team Gerolsteiner - zwei Giro-Etappen im Schlussspurt für sich entscheiden konnte.

Grande Finale in Rom

Starke Konkurrenz ist dabei vor allem vom Columbia-Rennstall des ehemaligen T-Mobile-Teamchefs Bob Stapleton zu ewarten, der in Mark Cavendish (Großbritannien) den derzeit wohl besten Sprinter an den Start bringt.

Zum Auftakt in der Lagunenstadt Venedig steht für die 198 Fahrer aus 22 Teams derweil ein 20 km langes Mannschaftszeitfahren auf dem Programm.

Danach werden anlässlich des Jubiläums alle Etappenorte des Premieren-Rennens von 1909 angesteuert, darunter Bergamo, Neapel, Florenz und Genua. Angesichts des dadurch vorgezeichneten Streckenverlaufs endet der Giro nicht wie in den letzten Jahren in Mailand, sondern in der Hauptstadt Rom.

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